06.11.2012: Der 9. November, ein Tag des Schreckens – aber auch ein Tag der Hoffnung – Nazi-Fackelmarsch in Wolgast verboten! – von Laura G.


Der Landkreis Vorpommern-Greifswald hat den geplanten Fackelaufmarsch der rechten Szene in Wolgast verboten. Die Rechtsextremisten wollten unter Anleitung der NPD am 9. November vor das Asylbewerberheim ziehen um dort gegen die Asylpolitik zu hetzen. In der Begründung hieß es, der Aufmarsch verstoße gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung.  Besonders an einem historisch so markanten Datum wie dem 9. November ist ein solcher Aufmarsch undenkbar.

Der 9. November, Schicksalstag der Deutschen. 1918 die Novemberrevolution, 1923 der Hitler-Ludendorff-Putsch, 1925 die Gründung der SS, 1989 der Fall der Mauer – und 1938 die Reichspogromnacht.

Die Nazis setzen 1400 Synagogen, Betstuben und Versammlungsräume in Brand, zünden tausende Geschäfte, Wohnungen und jüdische Friedhöfe an. Über 400 Menschen werden in der Nacht vom 9. Auf den 10. November getötet oder in den Selbstmord getrieben. Für die gesamten Pogrome zwischen dem 7. und 13. November beträgt die Opferzahl 1300 bis 1500. Über 30.000 werden in Konzentrationslager deportiert, wo unter den menschenverachtenden Haftbedingungen sterben oder ermordet werden.

Die Novemberpogrome stellen den Wendepunkt von der Diskriminierung der jüdischen Bevölkerung in die systematische Verfolgung dar, die wenig später im Holocaust endete.

Der Historiker und langjährige Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung an der Technischen Universität Berlin schrieb zu diesem Anlass:

„Der Pogrom […] markierte die Wende. Mit keinem andern Ereignis hat das NS-Regime so zynisch demonstriert, dass es auch auf den Schein rechtsstaatlicher Tradition nun keinen Wert mehr legte. Antisemitismus und Judenfeindschaft, wie sie als Bestandteil der nationalsozialistischen Ideologie schon immer propagiert worden waren, schlugen jetzt um in die primitiven Formen physischer Gewalt und Verfolgung. Die ‚Reichskristallnacht‘ bildete den Scheitelpunkt des Wegs zur ‚Endlösung‘ zum millionenfachen Mord an Juden aus ganz Europa.“

Der 9. November 1938 stellt eines der traurigsten und schockierendsten Daten in der deutschen Geschichte, wenn nicht der Geschichte überhaupt, dar.

Doch 50 Jahre später, mit dem Fall der Mauer wurde bewiesen, dass Deutschland demokratisch sein kann und vor allem sein will, dass es vereint für Freiheit und für Rechte eintritt – und gegen Totalitarismus.

Übrigens ist der 9. November auch das Geburtsdatum von Jean Monnet, einer der Väter der Europäischen Union. Eben dieser Europäischen Union haben wir es maßgeblich zu verdanken, dass in ihren Grenzen Frieden herrscht, dass die beiden verfeindeten Staaten Deutschland und Frankreich sich heute in guter Freundschaft gegenüberstehen. Der 9. November ist also nicht nur ein Tag der Zerstörung, sondern vor allem ein Tag des Zusammenhalts in Deutschland und Europa und ein Tag der Hoffnung für die Demokratie und für den Frieden.

Seit im Jahr 1989 die Mauer fiel, besteht die Gefahr, dass die Reichsprogromnacht zunehmends in den Hintergrund gerät. Es ist aber wichtig, dass an diesem historisch zentralen Datum beide Ereignisse nicht in Vergessenheit geraten und die nötige Präsenz in den Köpfen der Menschen erhalten bleiben.

Der 9. November zeigt aber so auch, dass es immer die Wende zum Besseren geben kann. Er zeigt, dass aus Fehlern gelernt werden kann, dass Veränderung möglich ist. Wir begehen dieses Jahr einen 9. November, in dem ein demokratisches Deutschland zurückdenkt an die Progromnacht und sich seiner Aufgabe erinnert, einen solchen Schrecken nie wieder möglich zu machen. Die Entscheidung aus Vorpommern-Greifswald setzt hierfür ein wichtiges Zeichen. v. Laura G. für LGN

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