FC St. Pauli – Hansa Rostock 3:2: Ca. 750 Rostocker Hooligans – davon ein beträchtlicher Teil rechtsextrem – FC St. Pauli drehte das Spiel in der zweiten Halbzeit – Rostocker frustriert – Kiez in der Nacht ruhig – Unser etwas anderer Nachbericht

                                                                                       Rostocker Hooligans zünden Nebelbomben im Stadion

Bereits vor dem Spiel war klar, dass die meist rechtsradikal anmutenden Fans von Hansa Rostock nicht nur aufgrund eines Fußballspiels angereist sind. Ich stand gegen 16.30 Uhr mit einem befreundeten Journalisten, der sich auch in erster Linie mit dem Thema Rechtsextremismus in Deutschland beschäftigt am Eingang des Gästeblocks der Nordkurve direkt am U-Bahnhof Feldstraße. Die ersten drei Reisebusse der Rostocker fuhren gerade ein. Deren Aggressionsbekundungen zeigten Sie deutlich indem sie, als sie St. Pauli Fans erspähten, die Fensterscheiben ihres eigenen Busses mit entsprechenden Gesten (geballte Fäuste und so) von innen heraus fast einschlugen. Als dann die Sonderzüge am U-Bahnhof eintrafen war klar-diese Herren sind keine normalen Fußballfans, sondern mehrheitlich eindeutig gewaltbereite Hools. Schon vor der Fußballpartie musste die Polizei Wasserwerfer einsetzen, um diese wenigstens in den Gästeblock des Stadions zu bekommen. Offensichtlich hatten die Rostocker eher die Ambition, sich bereits vor dem Spiel auf der Straße zu prügeln. Immerhin konnte die Polizei durch eine massive Präsenz Schlimmeres vor Anpfiff verhindern.

 

             Rostocker Fans am Millerntor (Bild 1-Gästeblock-Einfahrt – U-Bahn Feldstraße)

 Der Spielverlauf – Die erste Halbzeit:

Vor dem Anpfiff die üblichen Rituale. Mannschaftsaufstellungen, Fanhymnen und so weiter. Die Rostocker Fans waren, wohl auf ihre Art, offensichtlich sehr kreativ. Alle hatten einen Schal auf dem plump „Scheiss St. Pauli“ stand und skandierten dies immer wieder. Sehr beeindruckend. Zudem hörten wir während des Spiels so Ausrufe wie „Scheiße kommt vom Millerntor“ und (das haben wir nicht wirklich verstanden) „Alle Wessis sind Schweine“. Nun zum Glück arbeitete ich auf der Ecke mit einem Rostocker Fotografen, der mir gewisse Schlachtrufe wie den letzt erwähnten übersetzte. Dieser Rostocker Kollege bestätigte übrigens, was wir schon lange vermuteten und  Teile des DFB und des Vereins Hansa Rostock nicht sehen wollen. Er berichtete mir, dass er fast bei jedem Heimspiel und auch Auswärtsspiel Fotos mache und er sich tatsächlich darüber wundere, dass gewisse rechtsextreme Kameradschaften nicht in Hamburg sind (z. B. die aus Wismar) , sondern nur die kleineren rechtsextremen Gruppen und Fans, die gerade auch in Rostock für ihre Gewaltbereitschaft und Rassismus bekannt sind. Also, und das ist paradox, hatten wir die harmloseren nicht ganz so gut organisierten Nazis am Millerntor? Mmh. Auf jeden Fall bestätigte er nachhaltig, dass dieses Problem ein massives in der Stadt an der Ostsee ist. Mit einem bißchen Stolz, wusste er aber auch, dass sich in den Rostocker Fanblöcken derzeit kleinere Zecken Fanclubs bilden (dies berichtete er mit einem Schmunzeln und einer gewissen Freude im Gesicht). Wir stellen jetzt schon einmal klar-wir wollen nicht pauschalisieren. Wir denken durchaus, dass es in Rostock auch ganz normale Fußballfans gibt, aber warum-sind diese und der Verein selbst nicht in der Lage dazu zu vermeiden, dass solche Bilder wie gestern in Hamburg entstehen können? Diese rechtsextremen Randerscheinungen schädigen das Image eines jeden Clubs und auch der gesamten Liga.

FC St. Pauli – Hansa Rostock 0:2:

Ohje, was für ein Spielauftakt. Innerhalb von 5 Minuten kassiert der Gastgeber zwei Tore. Der FC St. Pauli völlig desorientiert und auf der Verliererstraße. Die FC St. P. Fans wurden immmer ruhiger. Hingegen konnten die Rostock-Fans garnicht aufhören den Auswärtssieg zu skandieren. Vor allem mit diesem unangenehmen Ausbruchsschrei „SIEG!“, nach dem noch vor einigen Jahren auch in Rostock ein leises „heil“ im Anschluss zu hören war. Dies bestätigte der Rostocker Kollege. Nungut, sportlich gesehen, keimte in der Halbzeit bei den St. Paulianern keine Hoffnung auf. Aber dies sollte ja bekanntlich anders kommen.

 

(1.Halbzeit/Rostocks Keeper pariert einem Kopfball des FC Stürmers Sako)

Pause!

 

Kurz nach Wiederanpfiff musste das Spiel einige Minuten unterbrochen werden. Die Rostocker Fans zeigten, was sie von sportlichem Umgang miteinander halten. Vielleicht ahnten sie aber auch schon die dann folgende Niederlage.

                                                                                                    FC St. Pauli Keeper Hain verläßt den Rasen zur Zwangspause

Nun folgte der Hammer. Wir hätten es dem FC St. Pauli nicht zugetraut. Nach der ersten schläfrigen Hälfte, konnte sich kaum einer vorstellen, das ein Heimsieg noch drin ist. Was für eine Aufholjagd. Absoluter Wahnsinn der den Rauswurf des Hansa Rostock Trainers Dieter Eilts bedeutete, aber auch gleichzeitig den Frust der mitgereisten Rostock Fans.

 

FC St. Pauli – Hansa Rostock 3:2:

In der 53. Minute stand es nach einem verwandelten Elfmeter von Sako 1 : 2. Der Ausgleich folgte in der 72 .Minute (2:2) und das Siegtor in der 84. (3:2) durch Hoilett. Fast ein Wunder am Millerntor.

Die Rostocker Fans hingegen, machten ihren Frust noch einmal richtig deutlich. Wieder versuchten Sie noch einmal einen Spielabbruch durch Nebelbomben, der sogleich im Keim erstickt wurde.

 Der Rostocker Fanblock nach dem 3:2

Nachdem nun klar war, dass der FC St. Pauli das Spiel gedreht hat und gewinnt, sammelten sich mehrere Journalisten (darunter TV-Teams) direkt vor dem Rostock Fanblock, um die Reaktionen der mitgereisten Fans zu erfassen. Die Rostocker Hooligans strahlten eine gewisse Bedrohung aus. Die Gesichtsausdrücke, das sich vermummen, die aggressiven Drohgebärden beeindruckten selbst die Ordner.

Nach dem Abpfiff war sich keiner sicher, wie der Abend enden wird. Vorab hatte man ja vermutet, dass dieses Spiel weitere rechte Kameradschaften aus anderen Städten und Hooligans nach Hamburg ziehen wird. Die Rostocker Fans zeigten ihren Spielern (nachdem diese in Richtung Rostock Block kamen) nicht nur die kalte Schulter, sondern beschimpften diese rüde und heftig. Die Spieler taten uns ein wenig leid.

 

Geknickte Rostocker Spieler vor ihren Fans-schon fast ein bißchen ängstlich

 Die Mannschaft des  FC St. Pauli feiert

Das Stadion leerte sich. Die ca. 750 Rostocker Fans mussten nun zurück zum U-Bahnhof Feldstraße zu den zur Verfügung gestellten Sonderzügen in Richtung Hauptbahnhof. Die Polizei sicherte den Bahnhof und das Terrain drumherum mit mehreren Wasserwerfern und Fahrzeugen ab. Die Rostocker Hooligans (und dies war notwendig) wurden fast schon eingekesselt von Hundertschaften der Polizei vom Stadion zur Bahn begleitet.  

Rund um die Wasserwerfer und dem Bahnhof Feldstraße versammelten sich nun auch mehrere FC St. Pauli Fans, die ausgelassen die Rostocker zumindest mit einem gewissen Lärmpegel darauf aufmerksam machen wollten, dass sie gewonnen haben. Andere Absichten konnten wir zumindest nicht erkennen. Wobei, wie es in solchen Situationen leider ist, provozieren sich die Fans und auch die Polizei oftmals gegenseitig. Fast schon ein Spiel, welches wir von hier aus nie verstehen werden. Auf jeden Fall forderte die Polizei mehrmals alle Personen auf, die Straßen und Plätze drumherum zu räumen. Als die Rostocker Fans letztendlich tatsächlich im Zug waren, gab die Polizei den Befehl zum Wasserwerfereinsatz gegen die auf der Strasse befindlichen St. Pauli Fans. Aber auch hier können wir nicht behaupten, dass alle St. Paulianer friedliche Lämmer sind. Insofern ein völlig sinnloser Akt eines Straßensports den niemand am gestrigen Tage gebraucht hat.

 

Der Bahnhof U- Bahn Feldstrasse nebst Zugang zum Stadion wurde abgeriegelt

Auf dem Kiez war alles ruhig:

Nach den sehr kurzzeitigen Schamützeln zwischen der Polizei und den St. Pauli Fans, beruhigte sich die Lage relativ schnell. Ich steuerte den Kiez an, um dort noch einmal die Lage zu beobachten. Keine Nazis, keine Rostock Hooligans mehr, lediglich ein paar besoffene, feiernde und soweit friedliche FC St. Pauli Fans und vielleicht ein paar Touristen. Und wenn ich ehrlich bin, besuchte ich nach dieser Feststellung kurz das King Calavera, um dort mit einem Feierabend-Drink auf den Heimsieg des FC St. Pauli anzustossen. Für LGN J. M.

  Fazit:  Dieses Spiel hat wie viele andere Spiele in der Bundesliga noch einmal mehr gezeigt, dass das Problem des wachsenden Rechtsextremismus und der steigenden Gewaltbereitschaft durchaus besteht. Wir haben uns die Frage gestellt, warum gerade auch nach den Auseinandersetzungen während des Hinrundenspiels es möglich war, knapp 750 gewaltbereite Rostocker nach Hamburg zu lassen  und diesen Tickets zu verkaufen. Hier hätte es doch sicherlich andere Möglichkeiten seitens des Vereins Hansa Rostock oder des DFB gegeben. Nur durch eine massive Polizeipräsenz konnte unserer Ansicht nach ein Straßenkrieg auf     St. Pauli vermieden werden. Wir können nur betonen. Jeder einzelne Bundesliga/Regionalliga- Verein selbst ist für solcherlei Tendenzen verantwortlich und muss entgegenwirken.

Wenn die aktuellen Maßnahmen zur Prävention in der Liga nicht ausreichen, so sollte der DFB und die DFL über mehr Investment in diese Richtung nachdenken. Wenn ein Fußballstadion immer mehr zum Hochsicherheitstrakt wird, weil man ein Wachstum von Gewalt und rechstextremen Gedankengut nicht in den Griff bekommt, dann geht es nicht mehr nur um Sport.

 

 

 

 

 

 

 

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