30.12.2015: 2015! Über Hass, Gewalt, Rassismus, Wutbürger und eine große Hilfsbereitschaft v. J. M. für LGN

wir-schaffen-das-die-kanzlerin Foto: www.faz.de
„Wir schaffen das!“ sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel vor nicht all zu langer Zeit. Ja, wir schaffen das, weil es nicht nur Rassisten in diesem Lande gibt. Die Hilfsbereitschaft vieler Menschen, die die ankommenden Flüchtlinge herzlich begrüßen ist groß. Sehr groß sogar. Damit sind nicht nur Spenden gemeint. Diejenigen die den Menschen in den Unterkünften persönlich helfen. Diejenigen, die Sprachunterricht, medizinische Hilfe, Strickkurse und sonstiges anbieten, um den Flüchtlingen den Weg in diese Gesellschaft zu erleichtern, genau die sind es die unseren großen Respekt und unsere große Anerkennung erhalten. Wir als Institution danken den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern für ihr Engagement.
Dort wo Teile der Zivilgesellschaft in den letzten Monaten handelten, versagte der Staat komplett. Bereits 2014 zeichnete sich ein Trend ab, der uns weiterhin stets beunruhigt. Damit meinen wir nicht nur PEGIDA. Damit meinen wir die rassistischen Vorurteile die sich durch Rechtspopulisten bis hin zur CSU und unserem Bundesinnenminister verbreiten und sich bei vielen in das Hirn brannten. Die von der Politik beschworene „Flüchtlingskrise“ führte zur Verschärfung des so genannten Asylrechts und zu ungeahnten rechtspopulistischen Ausstössen auch gar der Bundesregierung. Nachdem die erste „Wir schaffen das!“ – Welle vorbeigezogen war, änderte diese Bundesregierung und diese EU schnell wieder ihren Kurs. Wiedereinführung der Residenzpflicht, Schließung der Grenzen. Gutes Beispiel, die EU beschloss jüngst der Türkei 3 Milliarden Euro zu zahlen, damit jene die Grenzen nach Europa endlich dicht macht. Zeitgleich mit dem Argument der schrecklichen IS-Terroranschläge in Paris im November wurden von der EU Luftangriffe auf IS Stellungen in Syrien beschlossen. Worüber kaum geredet wird ist, dass diese Bomben auch wieder und immer wieder Zivilbevölkerung tötet und natürlich auch eine Flucht für die unschuldigen Menschen erschwert. Abgesehen davon profitieren die Rüstungsexporteure wie Deutschland wieder von diesem Krieg. Vergessen wird offiziell oft, dass die Menschen die aus Syrien, dem Irak und anderen Ländern vor dem IS Terror fliehen.
Die Stimmung kippt!
An Stammtischen, in Fußballstadien, in Café´s in denen Mütter ihr alltägliches Warmgetränk zu sich nehmen, nachdem sie ihre Kids in die Schule gefahren haben ist die Stimmung schon längst gekippt. Diese Mütter durfte ich selbst erleben. Als der Slogan „Refugees welcome!“ im September 2015 fast hipp war, machten sich eben diese Mütter Sorgen um die Menschen die aus ihrer Heimat zu uns gekommen waren. Etwa zwei Wochen später hatten sie auf einmal Angst ihre Kinder auf die Straße zu schicken. In unmittelbarer Nähe hier in Hamburg wurde ein Baumarkt zur Flüchtlingsunterkunft. Auf einmal waren die die dort untergekommen sind kriminell, Vergewaltiger und so weiter. All das was man von PEGIDA, der AFD, Seehofer und anderen Populisten aufschnappte, war auf einmal in den Köpfen dieser Mütter. Gefährlich, für mich ein Indiz dafür, dass sich braunes rassistisches Gedankengut an politisch nicht sensibilisierte Menschen gut verkaufen lässt.
Gegner einer Asylunterkunft in einem ehemaligen Praktiker-Baumarkt protestieren am 21.08.2015 in Heidenau (Sachsen) vor der Asylunterkunft. In dem seit 2013 leerstehenden Baumarkt in einem Gewerbegebiet sollen in der Nacht zum Samstag etwa 250 Neuankömmlinge untergebracht werden. Bei den Protesten kam es zu Ausschreitungen. Foto: Arno Burgi/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Gegner einer Asylunterkunft in einem ehemaligen Praktiker-Baumarkt protestieren am 21.08.2015 in Heidenau (Sachsen) vor der Asylunterkunft. In dem seit 2013 leerstehenden Baumarkt in einem Gewerbegebiet sollen in der Nacht zum Samstag etwa 250 Neuankömmlinge untergebracht werden. Bei den Protesten kam es zu Ausschreitungen. Foto: Arno Burgi/dpa +++(c) dpa – Bildfunk+++

Nicht umsonst verbuchen wir in diesem Jahr über 850 Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte. Nicht nur von einzuordnenden Rechtsextremisten und Nazis. Der Normalo schmeißt Molotowcocktails und verprügelt Menschen. Angestachelt von dem Benzin rechter Populisten, entfacht sich derzeit dieser unbändige Hass. Die Steigerung rechtsextremistischen Straftaten rief vor einigen Tagen unsere Minister Steinmeier und Schäuble auf den Plan. Da fragen wir uns, was die so in den letzten zwei wahrgenommen haben.
Überhaupt, der rechte Pöbel von Heidenau im August des Jahres rief ja alle möglichen Empörten auf den Plan. SPD Vizekanzler Gabriel sprach vor Ort damals von einem rechten rassistischen „Pack“, welches keine Chance erhalten dürfe. Das war nun vor vier Monaten. Zwischendurch hat sich die rassistische Präsenz von PEGIDA in Dresden mit immer 6.000 bis 8.000 Wutbürgern in Dresden Montags etabliert. Die AFD konnte stellenweise mit ihrem Hobby-Nazi Hecke bis zu 6.000 Wutbürger mehrmals in Erfurt mobilisieren. Die so genannten Nazi-„Hooligans gegen Salafisten“ die mit martialischen Gewaltandrohungen ihre Demos ankündigten, dürfen wir auch nicht vergessen.
Wenn wir uns all jenes ansehen, wissen wir wenigstens, wofür wir Tag für Tag arbeiten.
Das Jahr 2015 war ein gruseliges Jahr! Für uns gibt es keine herauf beschworene Flüchtlingskrise! Die Menschen fliehen vor Krieg, Tod und Elend. Das was uns Rechtspopulisten und Rassisten suggerieren wollen, schmettern wir ab. Ich habe versucht mir selbst zu erklären, warum es möglich ist 90.000 Menschen auf den großen Musikfestivals mit Duschen, Wasser und Lebensmitteln zu versorgen auch wenn dies bezahlt wird und in Dresden in einem provisorischen Zeltlager mitten in der Stadt, gerade mal 3 Brunnen für 3.000 Flüchtlinge reichen müssen? (so geschehen und sinnbildlich für viele Unterkünfte) „Wir schaffen das?“-Wir schaffen das nur, wenn wir wirklich wollen und dann ist das wohl auch gar nicht so schwer. Wir kämpfen 2016 weiterhin dafür, dass wir Vorurteile, rassistische Auswüchse aus dieser Zivilgesellschaft verbannen. Niemand will denjenigen die hier teilweise wie die Maden im Speck Leben und zuhauf ihre Kohle verwalten und ausgeben, irgendetwas wegnehmen. Natürlich gibt es deutsche Menschen die hier leben und denen es schlecht ergeht. Kein Zweifel, aber dies hat andere politische Gründe, als Menschen, die unsere Hilfe benötigen. Flüchtlingskrise? Nein! Manchmal wollen wir einfach nicht und das müssen wir ändern. Rassismus und Hass raus aus den Köpfen! Mensch ist Mensch, egal woher er kommt! Und noch einmal gilt der Dank all denjenigen, die in den letzten Monaten ihre Freizeit damit verbracht haben, Herzlichkeit in die Massenunterbringungen für Flüchtlinge zu tragen. 
J.M. für LGN
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