04.04.2015: Eine Frage der Schuld! An allem Unfug der geschieht, sind nicht nur die Schuld, die ihn tun, sondern… J.M. für LGN

An allem Unfug der geschieht, sind nicht nur die Schuld, die ihn tun, sondern auch die, die ihn nicht verhindern! (Erich Kästner)

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Pogrome: 1938-brennende Synagoge-von Nazis zerstört – Lichtenhagen 1992 Flüchtlingsunterkunft von Nazis angezündet 

Auf beiden Bildern die sich unlängst gleichen aus verschiedenen Zeiten, steht ein Massenmob und schaut zu. Die Zuschauer sind die, die mit Verantwortung tragen. Sie sind nicht die, die keine Schuld haben. Sie machen mit und klatschen womöglich Beifall.

Das Phänomen der Unschuld, weil man ja keine Hand anlegte ist kein neues. Als die Allierten die Konzentrationslager befreiten, in deutsche Städte kamen, sahen sie immer das gleiche Bild und hörten die gleichen Ausflüchte. „Ich habe nichts gewusst“, „ich selbst, habe nie etwas getan“, „ich bin nicht schuld, der Hitler war es…“ und so weiter. „Von den Konzentrationslagern wussten wir gar nichts-wie schrecklich“, obwohl doch so viele Menschen in der Nähe solcher Stätten wohnten.

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Foto: Jüdische Frauen werden von Nazis in Linz 1938 öffentlich gequält und zur Schau gestellt – Wie viele dieser Schaulustigen im Hintergrund mögen hinterher behauptet haben, von nichts gewusst zu haben!

In Deutschland und Österreich hat man schon seit des Bestehens von „Dachau“ gewusst und geahnt, wie die Nazis mit politischen Gegnern und Verfolgten umgehen. Als das KZ Auschwitz entstand und bestand, war der Begriff dieses Ortes in den Köpfen derer, die angeblich von nichts wussten. Die Mitläufer-Gesellschaft hatte mitbekommen, wenn jüdische Bürgerinnen und Bürger durch die Straßen getrieben wurden. Getrieben von den Nazis zur Mordindustrie in die Konzentrationslager. Wehrmachtsangehörige berichteten sehr früh von Erschießungen in Polen, Russland, Frankreich. Erschießungen von Kindern, Frauen und Greisen. Wer nichts tut und doch alles sieht, macht sich gottverdammt schuldig. Die in Deutschland bis Ende des letzten Jahrhunderts bestandene Nichtaufarbeitung des Ganzen mit dem Trauma gewisser Generationen zu entschuldigen ist fatal und gleichzeitig nicht richtig. Nicht umsonst finden wir neuerdings alte Greise als Täterinnen und Täter in der Presse. Und selbst da, entschuldigen Teile dieser Gesellschaft deren Handeln von damals mit“…das ist doch schon lang her und das war eine andere Zeit.“. Unerträglich!

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„Nie wieder Faschismus!“ Ein Leitsatz der uns stets begleitet und doch wirkt diese heutige Gesellschaft oft inkonsequent und hilflos. Anders ist es nicht zu erklären, dass Rechtspopulisten und Rechtsextremisten wieder in Politik und Gesellschaft mitwirken. Die gleichen Bilder von damals sehen wir bei Massenaufläufen von neuen Nazis, PEGIDA und Co. Die Verdrängung des Geschehenen ist ein Weg, den viele gehen. Blutrünstig wird es dann, wenn etwas passiert. Immer dann, wenn Menschen zu Schaden kommen und von Einzelschicksalen berichtet wird, oder wenn Flüchtlingsheime brennen und dort Menschen sterben, wie Anfang der Neunziger, dann hat vorher auch niemand etwas geahnt. Niemand ahnte, dass Nazis für ca. 3.000Verletzte und Tote pro Jahr (Schätzung von entsprechenden Opferberatungsstellen/lt. Verfassungsschutz 700 bis 1.000 Opfer jährlich) verantwortlich sein können. Niemand ahnte, dass der NSU für so viele Tote verantwortlich war und doch gab es die peinliche Gegebenheit, dass Behörden sämtliche Anzeichen ignorierten. Ein Aufschrei ging 2011/2012 durch die Gesellschaft. Es konnte doch nicht sein, was schon lange war und von so vielen ignoriert wurde.

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Die Vorzeichen hatte niemand gesehen. Bis 2009 marschierten ca. 6.000 Nazis immer am 13. Februar durch Dresden, in Wunsiedel marschierten vor einigen Jahren noch ca. 6.000, um Rudolf Hess zum Helden zu erklären. Oh welch ein Wunder, dass es den „Nationalsozialistischen Untergrund“ gab. Abgesehen von den vielen bundesweiten NPD Aufmärschen und Aktivitäten.Diese hatte offensichtlich auch nur ein Teil dieser Gesellschaft wahrgenommen, oder?

Und heute? 2015?

Heute brennen wieder Flüchtlingsunterkünfte, werden Menschen aufgrund eines neu einhergehenden Rassismus verletzt und zu Gewaltopfern. Und was machen wir? Wir schauen zu, wenn im Dezember 2014 25.000 Menschen in Dresden verblödeten Rassisten unter dem Namen PEGIDA hinterherlaufen. Wir schauen zu, wenn neue Vorurteile und neuer Hass entsteht. Natürlich nicht alle, denn das ist das Beruhigende, viele neue Bürgerinitiativen entstehen, um sich gegen rechtspopulistische und rechtsextremistische Tendenzen zu stellen. Aber es reicht noch lange nicht. So lange Rassismus, Antisemitismus und Ausgrenzung an Stammtischen, in Wohnungen und in die Gesellschaft einziehen, dürfen wir nicht wegschauen! Nicht Politik allein ist verantwortlich. Jede/jeder Einzelne trägt die Verantwortung dafür, dass wir nicht wieder auf menschenverachtende Verhältnisse zusteuern.

Hinschauen und Gegenwirken! Bevor das Zitat von Erich Kästner wieder Wahrheit wird!

An allem Unfug der geschieht, sind nicht nur die Schuld, die ihn tun, sondern auch die, die ihn nicht verhindern! (Erich Kästner)

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