16.02.2015: Bragida Helau? – im Netz häufen sich islamophobe und rassistische Äußerungen! v. Laura G. für LGN

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Foto 1: Karnevalswagen in Düsseldorf 2007 (Quelle:taz.de)-damals war die NPD noch stark. Symbolisch gesehen: Steckt Euch Euren Nazikram in den…!

Bragida Helau? 

Von Laura G.

Am Morgen des größten Karnevalumzugs in Norddeutschland kam die Nachricht: der Schoduvel in Braunschweig wird aufgrund einer vermeintlichen islamistischen Terrormeldung abgesagt. Während noch jetzt unter vielen Karnevalisten Fassungslosigkeit vorherrscht, häufen sich im Netz islamophobe und rassistische Äußerungen. Und während fremdenfeindliche, konspirative Kommentare unter Facebookmeldungen mittlerweile niemanden mehr schockieren, führt das Ausmaß der Beiträge unter der Eilmeldung der Braunschweiger Zeitung dennoch zu einer Mischung aus zynischem Gelächter und schwerer Magenverstimmung.

Doch wie gehen wir mit einem möglichen Terror um? In einem Kommentar schreibt Chefredakteur der Braunschweiger Zeitung, Armin Maus: „Ganz klar ist aber, dass wir unsere Freiheit verteidigen müssen, indem wir sie in Anspruch nehmen. Zugleich müssen die Sicherheitsbehörden den radikalen Kräften so eng wie möglich auf den Leib rücken, koste es, was es wolle“ (der Kommentar wurde später verändert).

Diese Aussage ist leider ein offensichtlicher Widerspruch. Wie frei wäre wohl unsere Gesellschaft kämpften wir gegen den vermutlichen islamistischen Terror, koste es was es wolle? Wenn Maus Muslime dazu aufruft, unbedingt mit Sicherheitsbehörden zu kooperieren, fordert er sie auf, einen Generalverdacht zu erdulden? Wie die aktualisierte Version des Kommentars offenbart, ist dies nicht in seiner Absicht. Doch obwohl er eingesteht, dass es zum Zeitpunkt des Kommentars noch nicht sicher geklärt ist, ob wirklich Gefahr bestand und ob wirklich islamistische Motive den Hintergrund bilden, stellt Maus fest: „Der Terror ist bei uns […]“.

Der Kommentar erreicht vor allem eins: er schürt Ängste. Solche Ängste, nicht die Gefahr an sich, beschneiden unsere Freiheit. Risiken werden immer bestehen – die Stärke einer Gesellschaft beweist sich in der Art, mit ihnen umzugehen. Wachsender Zuspruch zu islamophoben Aussagen zeugt vielleicht von Angst, doch ganz sicher nicht von Stärke.

Als ich im November 2012 mein Praktikum bei Laut Gegen Nazis antrat, schrieb ich als erste Aufgabe einen Blogbeitrag über den NSU als dominierendes Medienthema und darüber, den wachsenden Alltagsrassismus nicht zu vernachlässigen. Dies war damals ein insignifikanter Nebenschauplatz zum rechten Terror. Heute sind Pegida, Legida und Bragida salonfähig. Heute, nur zwei Jahre später, hat die Angst zu einem Ausmaß an rechtsextremen Meinungen geführt, mit dem wir wohl selbst nicht gerechnet haben.

Ich bin in einer Stadt in unmittelbarer Nähe von Braunschweig aufgewachsen. Daher bin ich besonders erschrocken über das Ausmaß der Unbildung in den hetzerischen Kommentaren. Offensichtlich habe ich das Potenzial rechter Gesinnungen in der Löwenstadt unterschätzt. Für mich war Braunschweig, trotz aller Rassismus Probleme (etwa im Stadion, wir berichteten), gesamtheitlich eine Stadt des Zusammenlebens. Das zeigen auch die vielen weltoffenen, deeskalierenden Kommentare. Doch der heutige Tag beweist, dass es eine gewaltige Anstrengung an Aufklärung bedarf, damit sich Fremdenfeindlichkeit in Braunschweig nicht weiter ausbreitet. Gerade der Karneval, das bunteste Fest von allen, sollte demonstrieren, dass das Braun in Braunschweig nicht Programm ist.

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