07.11.2014: Für den Mauerfall gekämpft, um neue Mauern zu bauen J.M. für LGN

Für den Mauerfall gekämpft, um neue Mauern zu bauen J.M. für LGN
Brandenburger-Tor-Mauerfall Foto:shz.de
 
Am kommenden Sonntag, den 09. November 2014 feiert Deutschland den 25. Jahrestag des Mauerfalls. In die Geschichte als „friedliche Revolution“ eingegangen, musste die damalige DDR die Grenze für Bürgerinnen und Bürger öffnen. Zuvor gingen die Menschen auf die Straße und kämpften für eine Welt ohne Grenzen. Bewegend allemal, aber leider können wir diesen Tag nicht nur positiv betrachten. Abgesehen davon, dass dies auch der Jahrestag der „Pogromnacht“ von 1938 ist, in der die Nazis jüdische Bürgerinnen und Bürger durch Deutschland jagten, verprügelten und Synagogen niederbrannten.
 Die Deutschen haben die Mauer nach dem 09. November 1989 gemeinsam mit Europa wieder aufgebaut. Nur an anderer Stelle. Die Menschen die damals für „Reisefreiheit“ demonstrierten, interessieren sich heute wohl eher weniger für das Schicksal der Menschen, die durch Kriege und Elend hier bei uns Hilfe und Menschlichkeit suchen. Kurz nach der so genannten „Wende“, gab es eine der aktivsten nationalistischen Entwicklungen, die man in Deutschland seit dem 2. Weltkrieg gesehen hatte. Anfang der Neunziger brannten Flüchtlingsunterkünfte und Menschen starben. Neue Nazis mordeten und brandschatzten in Mölln, Solingen, Hoyerswerda, Rostock Lichtenhagen und an anderer Stelle. Knapp 200 Menschen wurden seit 1990 durch rechte Gewalt getötet. Pogrome die in dem „wieder vereinigten Deutschland“ direkt  gezeigt haben, dass es Leute gab, die die angeblich von Genscher und Kohl propagierte „neue Freiheit“ komplett falsch verstanden haben. Diese Pogrome und Massen-Fremdenfeindlichkeit hatten die Folge, dass die Politik in Deutschland das so genannte Asylrecht verschärften, statt es zu lockern.
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Foto: google.de
Ich erinnere mich an den 03. Oktober 1990, den ersten „Tag der deutschen Einheit“. In Hamburg und in anderen Städten, rüstete man sich gegen die großen Naziaufmärsche, von denen man heute nichts mehr wissen will. Der braune Mob, angefixt von westdeutschen Nazis wie Christian Worch de.wikipedia.org/wiki/Christian_Worch, Jürgen Rieger und anderen Größen der Szene. Ein Mob, der beispielsweise an diesem Tage einmal über die Hamburger Reeperbahn marschieren wollte, um zu zeigen, dass man wieder „Großdeutschland“ ist. Die Schattenseiten der wieder gewonnenen Freiheit dieses Landes sehen eben nicht so gut aus, wie der in 2006 zur Fußball WM wieder gewonnene bunte Patriotismus, den sogar „Grüne“ und „Sozialdemokraten“ schön mitfeierten.
„Freiheit“-ein Schlachtruf der absurd scheint
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Foto: inkesvechta.blogsport.de
Wir haben dieses Wort welches so viel bedeutet noch im Ohr. In den Dokumentationen die wir heute auf allen TV-Sendern sehen können geht dieser Ruf von tausenden DDR Bürgerinnen und Bürgern noch ins Mark. Gänsehaut-Feeling pur. Die Mauer in Berlin und die innerdeutsche Grenze ist 1989 gefallen und abgerissen worden. Das ist auch richtig so. Jedoch hätte man die neu gewonnene Freiheit auch anders teilen können. In den Köpfen entwickelte sich offensichtlich Anderes. Heute nach 25 Jahren lässt sich ein neuer Rechtsruck in Deutschland feststellen, der Rassismus und Fremdenfeindlichkeit neu produziert. Die Angst vor dem Fremden, in diesem Falle die Angst vor Flüchtlingen die in ihrer Not Schutz in Deutschland und Europa suchen, die oft nicht willkommen sind. Gerade Berlin als Symbol, kann sich nicht rühmen weltoffen geworden zu sein. Wenn wir nur an Berlin Hellersdorf denken, wo Deutsche die wahrscheinlich vor 25 Jahren für Reisefreiheiten und Grenzenlosigkeit protestierten, den rassistischen Hetzern folgten und gegen ein Flüchtlingsheim demonstrierten.
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Foto:http://img.radio.cz
25 Jahre nach dem Mauerbau machen Deutschland und Europa die Grenzen wieder dicht. Mit dem Argument, mann könne nicht alle Menschen aufnehmen.Rechtspopulisten schlachten die aktuelle Situation aus und sprechen von Wirtschaftsflüchtlingen. Das kommt bei den BILD Lesern und unsensiblen politisch uninteressierten Menschen gut an. Eine nationalbewusst strebende Partei wie die AFD zieht in Parlamente ein und fordert „Raus aus Europa“-„Raus aus dem Euro“, zurück zu den Wurzeln Deutschlands und 4,8 % der wahlberechtigten Deutschen wählen diese Partei fast in den Bundestag. Sie sitzen gar aktuell in Landtagen.
Ist es das, wofür die DDR Bürgerinnen und Bürger 1989 auf die Straße gegangen sind? Ist das die so genannte eigene Freiheit für die man gekämpft hat? So emotional und schön es auch sein mag, dass die Mauer fiel. Zuviel brauner Sumpf und Rassismus ist in diesem Lande übrig geblieben. Nach 1990 ging es wieder los, dass Menschen meinten, „Ich bin stolz Deutscher zu sein!“. Nein, ich selbst bin nicht stolz Deutscher zu sein. Stolz, kann man auf das was wir heute sehen und auf ein Land schon gar nicht sein. Solange ein neuer Nationalismus, verbunden mit Rassismus und einer rechtsextremistischen Szene hier einhergeht, solange werden wir mit unserer Kampagne wohl weitermachen müssen und die wunderbaren Projekte „Pro Asyl“ und „Jugendliche ohne Grenzen“ unterstützen.
Wir werden am Sonntag ebenfalls Pate eines Ballons zu den Feierlichkeiten des „Mauerfalls“ vor 25 Jahren sein. Auf unserem Ballon steht: „Für eine Welt ohne Grenzen“!
Jeder Tote Mensch, ist einer zu viel!
An der Berliner Mauer starben zwischen 1961 und 1989 138 Menschen durch die menschenverachtende Grenzpolitik der DDR. 
An Europas Grenzen starben in den letzten Jahren seit 2000 schätzungsweise 23.000 Menschen durch die menschenverachtende Flüchtlingspolitik Europas, bei der auch Deutschland seinen Teil zu beiträgt.

 

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