05.10.2014: Vergessen macht sich breit! – Über eine Welt die nicht mehr ganz bei Trost ist v. J.M. für LGN

2014! – wie die Zeit vergeht und…- der Mensch hat nichts dazu gelernt syrien-fluechtlinge-2-540x304 1f0b6343082fdbd2c02a1a2964d69e1av3_max_512x384_b3535db83dc50e27c1bb1392364c95a2

Fotos: zeit.de und deutschlandfunk.de

Täglich lese ich die Nachrichtenticker und verleibe mir die weltweite politische Lage ein. Täglich gruselt es mich, aber irgendwie auch nicht. Menschen sind wieder auf der Flucht. Millionen Menschen! Kriege finden unverhohlen statt. Auch Deutschland befindet sich mit der Einbindung der Bundeswehr übrigens wieder im Krieg. Welch schöne Namen man den so genannten Einsätzen auch immer geben mag und aus welcher Bündnisverpflichtung diese auch geschehen mögen. Abgesehen davon, dass die Rüstungsindustrie frohlocken dürfte. Menschen sterben durch Waffen oder werden durch Ebola dahin gerafft. Menschen sterben auf See, weil sie in Europa nicht willkommen sind und aus ihrer Heimat vor Todesangst flohen. Traumatisierte Menschen, die ich zum Glück fast nur aus dem TV und Internet kenne. Bilder die sich seit Jahrzehnten, gar Jahrhunderten immer wiederholen. Ich sitze vor meinem Flachbildschirm und die Welt kommt zu mir. Was geht mich der Scheiß an? Ich genieße doch mein Leben. Die Meldungen erscheinen irreal, denn mir geht es prächtig in meinem kleinen Reich das Leben heißt und die Sonne scheint. Ist doch wie im Film, oder? Irgendwie kann mir das ganze doch keine Angst machen. Ich habe meine Wohnung, gehe hier und da ein Kaffee schlürfen, fahre Auto, genieße gutes Essen, treffe Freunde, feiere Partys und alles ist so schön weit weg. Wirklich? Unsere Wahrnehmung heutzutage ist eine andere als noch vor 20 Jahren. Die Bilder des Elends die wir täglich visuell übermittelt bekommen, können uns irgendwie gar nicht mehr so richtig schocken. Computerspiele live!

„Kriege gab es schon immer…“

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Foto: google.de/br.de

„Kriege gab es schon immer…“, wie oft mir dieser Satz in Diskussionen zur aktuellen Situation um die Ohren fliegt, ist schon fast unglaublich. Die Beruhigungspille für jederfrau/jedermann. Syrien, die Ukraine, der Irak,Hong Kong, jeder Brandherd ist offensichtlich weit weg. Mir scheint es oft, als wäre die Gleichgültigkeit in dieser Gesellschaft Mode. Leider mit einer ungeahnt bösen Folge. Die Leute sind beschäftigt und wollen offensichtlich nichts von alldem wissen. George Clooneys Hochzeit, „The Voice Of Germany“, die Lindenstraße, Verbotene Liebe und „Bones“ nehmen eben doch mehr Platz ein, als Millionen von Menschen die mit dem Tod ringen. Auch das war angeblich schon immer so. Aber warum, ist die Frage? In der westlichen Welt haben wir gelernt: Wenn die Bevölkerung beschäftigt ist und es ihr gut geht, dann kümmert sie sich eben nicht mehr um unangenehme Probleme die weit weg sind. Abschotten, Jägerzaun ums Haus und die Glotze an, oder im Internet Halbwahrheiten lesen. Noch ein bisschen Freizeit und Urlaub „on top“ und schon ist unsereiner beschäftigt und in der Wahrnehmung von Problemen eingeschränkt.

Rechtspopulisten können umso bequemer Ängste schüren und ihre Ideologie in größere Teile dieser Gesellschaft bohren. Angst machen, dass alles Fremde unseren Besitz und Wohlstand uns wegnehmen möchte. Gepaart mit Rassismus und Nationalismus ein sehr gefährliches Unterfangen. Die Auswirkung können wir uns dann in Ruhe bei Parlamentswahlen anschauen bei denen eine Partei namens AFD Erfolge feiert. Eine Partei die damit spielt den Menschen zu suggerieren, dass „Andere“ ihnen alles nehmen wollen. Gruselig.

kdf-seebadDer-perfekte-Urlaub-Teil-1  Foto google.de/evidero.de

Ich gehe jetzt ein bisschen zu weit, aber bei den Nazis war es damals nicht viel anders. Die Leute wurden beschäftigt, kamen in Lohn und Brot und feierten sich selbst. Wurden folgsam und haben manchmal bis heute nicht begriffen, warum es ihnen eigentlich angeblich so gut ging. Erst nach zwölf Jahren, im Mai 1945, wurde manch einem klar, dass er ein Instrument eines der größten Verbrecher dieser Welt war. Wobei es hier auch heute noch reichlich  Unverbesserliche gibt, die ihre Schuld am Mitwirken nicht zugeben wollen. Das Leben von dem Leid der anderen ist wohl eine menschliche Eigenschaft. Wenn dann ein Stück Macht suggeriert wird und Elite-Denken sich ins Hirn brennt, dann ist das Töten und Unmenschliche eben einfacher. Natürlich leben wir in unserem Europa in einer angeblich freien Welt. Ist das wirklich so? Sind wir frei oder werden wir lediglich von Wirtschaft, Politik und Medien geprägt, die eben auch nicht immer ganz die Wahrheit sagen. Auf jeden Fall schottet sich Europa an seinen Grenzen ab, wenn es darum geht Menschen aufzunehmen, die aus Todesangst nach einem menschenwürdigen Leben streben und ihre Heimat verlassen haben und die Hoffnung tragen, von uns mit offenen Armen empfangen zu werden. Eine traurige Gegenwart.

Ignoranz ist das beste Mittel

In meinen Gesprächen mit Menschen höre ich folgenden Satz immer häufiger. „Ich schaue keine Nachrichten mehr, ich kann ja so und so nichts ändern!“ Schön. In den Sechzigern bis Achtzigern des letzten Jahrhunderts wäre man mit dieser Einstellung nicht weit gekommen. Studentenrevolte, Großdemonstrationen gegen Aufrüstung, für Frieden, gegen Atomkraftwerke, gegen Pogrome durch Nazis Anfang der Neunziger und und und, sollen also heute nicht mehr wirken? Dabei sitzen wir doch alle in einem Boot, wenn wir von dieser Welt leben wollen. Das wird allein angesichts der Steigrungen der Weltbevölkerung (derzeit 7 Milliarden) immer schwieriger. Wissenschaftler haben errechnet, dass wir in einigen Jahren knapp 9 Milliarden Menschen auf diesem Erdball beherbergen. Davon werden in Europa und auf der nördlichen Halbkugel nur ein paar leben, die sich heute bereits den Luxus gönnen von der Armut des größeren Anteils „Mensch“ zu profitieren. Schwarzmalerei? Nein, Realität. Neben den Kriegen, die Menschen führen, kollabiert diese Erde eh derzeit. So soll die Antarktis 2040 bereits abgeschmolzen sein (derzeit sind bereits in den letzten Jahren 40% geschmolzen). Die Reedereien denken frohlockend bereits an günstigere Schifffahrtswege. Die Weltmächte USA, Russland, China und Europa hingegen, freuen sich auf neue Rohstoffvorräte und setzen jetzt schon mal ein Fähnchen. Neue kriegerische Auseinandersetzungen sind für die Zukunft schon vorprogrammiert. Der Klimawandel spielt bei solcherlei Themen keine große Rolle.

Der einzelne Mensch scheint im Großen wie auch schon ewig, nicht zu interessieren. Der Tod durch Krieg und Vertreibung findet täglich statt. Nach zwei großen Weltkriegen ein übles Ergebnis. Gelernt haben wir alle nichts daraus. Auch ich möchte weiterhin in meinem kleinen Luxus leben und mir ist bewusst, dass ich dies auf Kosten anderer tue. Aus diesem Grunde müssen wir die Menschen die heute und morgen auf der Flucht sind, mit offenen Armen empfangen. Wir leben von ihnen. Unser Wohlstand ist auf dem Elend der Anderen gebaut. Es ist Zeit, dass wir ihnen etwas zurück geben. Ein Stück Menschlichkeit. Refugees welcome! Gegen das Vergessen! Human-rights-abuses

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