17.08.2014: Eine tiefe Verneigung vor Lucille Eichengreen und den Opfern der Nazis „From Ashes To Life“

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Foto: Lucille Eichengreen – ein Bild welches uns seit 2008 in tiefer Erinnerung ist (Quelle:http://www.gymoth.de/go/2010/eichengreen.jpg)

„From Ashes To Life“ heißt das Stück, welches wir mit der Band „The Cave Riot“ nun bald veröffentlichen werden. Ein Lied, aber eben nicht nur ein Lied. In tiefer Erinnerung an einen Termin den wir mit Lucille Eichengreen hatten, ist die Idee entstanden. Bei dem damaligen Treffen erzählte sie uns, dass sich nie jemand aus der Stadt Hamburg oder aus Deutschland persönlich bei ihr entschuldigt hätte. Entschuldigt für den Verlust ihrer Familie, die von den Nazis ermordet wurde. Erst in den Neunzigern betrat Lucille Eichengreen erstmalig wieder deutschen Boden. „Ich kann nicht vergeben und nicht vergessen“ war ebenfalls ein sehr rührendes Zitat, als wir sie in ihrer Geburtsstadt Hamburg trafen. Als Cecilie Landau kam sie hier auf die Welt und überlebte als Einzige ihrer Familie das Martyrium der Nazis. Sie musste mit ansehen, als ihre zwölfjährige Schwester auf einen LKW geladen und in den Tod geschickt wurde. Sie musste erleben, wie man ihre Mutter in den Tod schickte. Ihr Vater wurde vor der Deportation in Dachau ermordet. In einer Zigarrenkiste überreichte die Gestapo der Familie damals dessen Asche. Unvorstellbares Leid hat diese Frau erfahren. Ein Leid über welches sie bis in das hohe Alter auch in ihrer neuen Heimat USA schwieg. Selbst ihrem Mann hatte sie bis zum Erscheinen ihres Buches „Von Asche zum Leben“ (deutscher Titel) nichts detailliertes über ihr Schicksal erzählt.

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Foto: Der Schauspieler Peter Lohmeyer hat einen Text für den Song eingesprochen

Die Stärke dieser Frau hat uns beeindruckt. So beeindruckt, dass wir uns vor ihr verneigen und mit einem kleinen Lied versuchen wollen, uns zumindest ansatzweise für die Taten unserer Vorfahren zu entschuldigen. Sie selbst hatte die nachfolgenden Generationen nie beschuldigt, aber in Vorträgen und Schulbesuchen zur Obacht gemahnt. Der Respekt vor diesem Leben bewegte J. Menge dazu, sechs Jahre nach dieser Begegnung einen Text und eine dazugehörige Melodie zu schreiben. Im Kopf war dieses Vorhaben seit 2008 schon immer gefestigt. Im Herbst 2013 wollte es der Zufall, dass die Band „The Cave Riot“ anbot, das Stück vertonen zu wollen. Finanzielle Mittel gab und gibt es für das Vorhaben nicht. Wir trafen Sebastian Twele und Michael Jürgens von dem Hamburger Studio „Session in Progress“, die von der Idee überzeugt waren und uns nun nach fünfmonatiger Arbeit den Song „From Ashes To Life“ produziert und gemastert haben.

Bei Tonaufnahmen sollte es nicht bleiben. Die beiden Videoproduzenten und Regisseure Oliver Tietgen und Jens Holzheuer produzieren derzeit ein Musikvideo für uns. Insgesamt vier Drehtage und wahrscheinlich unendliche Schnittstunden sponsern die beiden uns . Oliver Tietgen, der auch schon „Fettes Brot“ Videos drehte, hat eine Geschichte für das Video geschrieben. Das Werk haben wir noch nicht gesehen und warten fieberhaft darauf. Wir freuen uns schon jetzt auf das Ergebnis.

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Foto: Videoaufnahmen in einer Halle in Hamburg

Der Text:

Aus Angst vor einem zu argen Schul-Englisch rief J. Menge um Hilfe. Die Engländerin Katie Palethorpe übersetzte jenes Schul-Englisch bei einem guten Essen in die Umgangssprache. Sehr charmant sagte sie: „Oh es ist ein gutes Englisch, aber eben wie in der Schule. In England versteht den Text keiner, wirklich.“ Klasse! Der Text ist auch gleichzeitig ein Aufruf, sich gegen faschistische Tendenzen zu stemmen. Wir danken Katie.

Das Video werden wir sowie wir es haben online stellen. Am 30. August 2014 werden wir den Song in der „Großen Freiheit 36“ zum 10jährigen Jubiläum von „Laut gegen Nazis“ live präsentieren. Wir sagen allen die daran mitgewirkt haben ein großes „Danke schön“. Den Audio Produzenten, den Video Produzenten, den Schauspielerinnen und Schauspielern (Video) und allen Mitwirkenden. Ein ganz besonderer Dank geht auch an Peter Lohmeyer, der sich kurzfristig trotz eines Theaterstückes in Salzburg Zeit genommen hat, seinen Text im Studio einzusprechen.

From Ashes To Life (Offizielle Version) – For Lucille Eichengreen 
 
They chased you through the streets, the smiling brown mass – while thousends watched
 
They killed your father, sister, mother but still you couldn´t stop
 
You´ve seen the smoke of Auschwitz, smelt the sterch of burnt meat
 
But still you were full of hope, even if 
you said Ì can not forgive – can not forget
 
Refrain:From ashes to life -don´t forget you have to come
fight facism – with no contempt
 
The killers stayed among us and so you stayed away
 
But now you´re back you have moved us
 
You gave us hope for our act – it´s a fact.
 
Sprachtext. – Your hometown never apologised even when you had found another place –
 
J. M. / Katie Palethorpe
Idee: Jörn Menge
Text: Jörn Menge/Katie Palethorpe
Musik: Jörn Menge/The Cave Riot
Audio-Produktion: Session in Progress (Sebastian Twele/Michael Jürgens)
Video Produktion: Oliver Tietgen/Jens Holzheuer
Einsprecher/Audio: Peter Lohmeyer

 

 

 

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