31.05.2014: Die Befreiung Europas begann am 06. Juni 1944 (D-Day) in Frankreich – und heute wählen 25% der Franzosen die „Front National“

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Foto (warhistoryonline.com): Ein Veteran der Allierten kehrt zurück in die Normandie

Wer in der französischen Normandie Urlaub macht und die Geschichte des D-Day nachvollziehen möchte, muss nicht lange suchen. Die gesamte Küste verfügt über Museen und Orte, die an den verschiedenen Schauplätzen an die Invasion der West-Allierten erinnern. Natürlich werden viele Dinge heroisiert, aber nicht unbedingt störend. Am 06. Juni 1944 beschlossen die aus sämtlichen Nationen bestehenden Allierten unter der Führung der Amerikaner (Eisenhower) eine zweite Front (Operation Overlord) gegen Hitler Deutschland zu eröffnen. Bis dahin stand Europa unter dem Joch der Nazis. Die gesamte Westküste von Skandinavien bis zur spanischen Grenze war durch die Nazis gesichert. Noch heute findet man überall die Reste von alten Bunkeranlagen. Strategisch, militärisch war die Invasion in der Normandie ein großes Risiko. Wäre sie gescheitert, würde Europa heute wohl noch anders aussehen.

Wir verabscheuen Krieg. Jedoch hätte es wohl damals kein anderes Mittel gegen die Menschenverächter gegeben. Nachdem Hitler das Oberkommando der Wehrmacht übernommen hatte, machte er 1944 glücklicher Weise so viele Fehler, dass die Allierten die Möglichkeit hatten, die Küsten Frankreichs einzunehmen. Man hatte mit wesentlich höherem Widerstand und mehr Verlusten und Toten gerechnet.

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Natürlich müssen wir viele Dinge kritisch betrachten. Für die Menschen in Frankreich und Westeuropa war der D-Day jedoch einer der emotionalsten Tage in ihrem Leben. Die „Befreiung“! Die Nazis hatten eine geschwächte Armee. Der Mythos der „Wehrmacht“ war schon lange zerstört. Traumatisierte Nazis, die durch den Krieg gegen Russland schon mürbe waren, hatten den West-Allierten nicht mehr viel entgegen zu setzen. Die Menschen in Frankreich, Belgien, Niederlanden feierten die Invasion auch, weil das Unrecht der Nazis, welches sie jahrelang aushalten mussten endlich vorbei zu sein schien.

Mit dem 06. Juni 1944 wurde die eigentliche Grundlage für die Kapitulation Nazi-Deutschlands am 08. Mai 1945 gelegt.

Und heute?

Dieser Tag ist wahrscheinlich wirklich einer der wichtigsten Ereignisse des 2. Weltkrieges. Was haben wir Europäer daraus gemacht? Die Europawahl hat uns auch schockiert, weil wir an diesen Tag denken müssen. Unweigerlich fragen wir uns, wie kann es sein, dass wir in Europa eine neue rechtspopulistische, rechtsextremistische Szene haben die so einen großen Zulauf erhält. Die „Befreiung“ von damals scheint keine Befreiung von menschenverachtenden Ideologien gewesen zu sein. Diese haben weiter gelebt und machen uns auch heute das Leben schwer. Insbesondere Frankreich fällt hier auf. Ein Land in dem die Menschen das Ende der Nazis damals gefeiert haben. Ein Land in dem heute knapp 25% der Bevölkerung Rechtsextremisten wählen. Und auch in Deutschland hatte das Ende des Krieges offensichtlich nicht bewirkt, dass Nazis zur Vergangenheit gehören. Eher im Gegenteil. Viele der Altnazis waren bis in die Achtziger in Schlüsselfunktionen des Staates tätig. Neue und alte rechtsextremistische Parteien wie NPD und AFD können ihrem Gedankengut heute wieder freien Lauf lassen.

Aus der Geschichte gelernt?

Wenn ich die Welt von heute manchmal betrachte nehme ich subjektiv wahr, dass Menschen sich wieder einlullen lassen. Von rechtspopulistischen Rhetorikern und von plumpen rassistischen Phrasen. All die Toten, die damals gegen die Nazis in den Krieg zogen. All die ermordeten Opfer der Nazis müssen heute ertragen, dass die gleiche Symbolik der Nazis wieder zugelassen ist, dass Menschen ihre Vorurteile wieder mit Gewalt in Europa ausleben.

Es ist der Mensch, der immer wieder versäumt aus der Vergangenheit zu lernen. Es ist der Mensch, der sich vereinnahmen lässt. Es ist der Mensch der mitläuft. Was wird der Veteran auf unserem ersten Foto dieses Artikels denken, wenn er die Nazis von heute betrachtet?

J. M. für LGN

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