14.05.2014: Statements des DFB? Eine unrühmliche Geschichte der Vergangenheitsbewältigung- Das Credo: „Politik und Sport trennen“ J.M. für LGN

fussballer-nsherrschaft Foto: Foto: AP (2000)

Zum 100. Geburtstag des DFB im Jahre 2000 gab es bereits handfeste Skandale. So wurden in einer Sonderausgabe des „Kickers“ (mit vorgegebenen Inhalten des DFB) damals einfach jüdische Spieler außen vorgelassen. Als Journalisten hierüber stolperten, wurde das Heft überarbeitet und neu gedruckt.

Der jetzige Skandal beim Training der DFB Elf für das WM-Vorbereitungsspiel gegen Polen am Millerntor in Hamburg dieser Woche, ist eigentlich nichts ungewöhnliches und zieht sich wie ein Faden durch die DFB Fußballgeschichte. Aus einem Artikel der „ZEIT“ aus dem Jahre 2000 lässt sich allein schon lesen, wie der DFB es mit seiner eigenen Geschichtsaufarbeitung hält.

„Aufklärung!, hatte schon zum 75. Geburtstag Festredner Walter Jens der DFB-Führung zugerufen. Bis heute tut sich der größte Einzelsportverband der Welt schwer mit der von Jens angemahnten Erledigung seiner Geschichtshausaufgaben. Der beliebten Ausflucht, Sport und Politik müsse man trennen, widerspricht das Exempel „Drittes Reich“ freilich allzu drastisch.“  www.zeit.de/2000/12/Fuehrers_Kicker (aus dem Jahre 2000)

Die Argumentationslinie des DFB von heute ist die gleiche. Sport und Politik müsse man trennen! Genau! Vergessen wir doch einfach mal die eigene Geschichte, so müssen wir ja auch nicht weiter aufklären und gegen halten. Außerdem sind Einnahmen durch Lizenzen, Sponsoring und Eintrittsgelder so hoch, dass man sich in der Zentrale in Frankfurt davon goldene Wasserhähne leisten kann. Politik passt da einfach nicht. Vor Allem in der heutigen Geschäftswelt des Fußballs in Zusammenhang mit der Nationalmannschaft, sind Hinweise auf rechtsextremistische und politische Probleme nicht erwünscht. Wir machen uns den Volkssport Nr. 1 einfach mal schön.

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„Kein Millerntor dem DFB“ – Beim Nationalmannschaftstraining am Millerntor wird der Spruch „Kein Fussball den Faschisten“ auf der Gegengerade abgehängt.

Erst seitdem Theo Zwanziger Präsident des DFB wurde (2006 bis 2012), nahm sich der Verband politischer Themen an. Bis dahin waren Probleme mit Rassismus, Homophobie und Rechtsextremismus eigentlich tabu. Zwanziger ist auch Schirmherr der „Internationalen Wochen gegen Rassismus“ in Deutschland und erscheint uns glaubwürdig. Unter Wolfgang Niersbach wurden Förderprojekte gegen Rassismus bisher fortgeführt. Seit Zwanziger hatten wir die Hoffnung, dass sich eine Menge bewegen wird. Der Skandal vom Millerntor bedeutet jedoch einen riesigen Rückschritt in alte Zeiten. Beruhigend ist, dass sämtliche große und kleine Medien, sich des Themas angenommen haben und den DFB somit unter Druck setzen, endlich klar Farbe zu bekennen. Und der DFB? Die Reaktionen aus dem Hause DFB lassen zu wünschen übrig. „Faschismus“ wolle man in Zusammenhang mit der Nationalmannschaft nicht in einem Kontext sehen. Das „Kein“ hatte man wohl überlesen. Dummheit? Wohl eher der Rückfall in alte Schemen.

 

In den letzten Jahren gab es immer wieder rechtsextremistische Tendenzen, gerade auch bei Länderspielen oder auf den Fanmeilen in Deutschland. Vor Allem 2006! Antisemitismus und Rassismus wurden bis zur Zwanziger Ära kaum geahndet. Der DFB hatte sich immer geduckt. Es ist an der Zeit, dass dieser Verband sich seiner Verantwortung bewusst wird. Solange seitens der Funktionäre nicht offen mit solchen Themen umgegangen wird, verliert der DFB an Glaubwürdigkeit. Allein seine eigene Geschichte, damit ist nicht nur die Nazizeit gemeint, sollte ein Grund sein klar Stellung zu beziehen. Wir müssen nur an den Vorgänger von Zwanziger, Meyer-Vorfelder, denken der oft und immer wieder mit rassistischen Äußerungen in der Öffentlichkeit aufgefallen ist. Der DFB ist jetzt 114 Jahre alt, wenn wir richtig rechnen. Wie viele Jahre soll es noch dauern, bis sich unabhängig von den Projekten die gefördert werden, der DFB öffentlich zu seiner eigenen Geschichte bekennt. Der „Julius Hirsch Preis“ (Auszeichnung von Fanprojekten gegen Rechtsextremismus), der löblich ist, reicht nicht.

J.M. für LGN

 

 

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