21.03.2014: Heute ist der „UN-Gedenktag gegen Rassismus“! Jahrhunderte und Jahrzehnte lang werden Menschen durch Hass getötet! v. J.M. für LGN

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Foto: Das Massaker von Sharpville 21. März 1960/Südafrika – erst sechs Jahre später wurde dieser Tag zum UN-Gedenktag gegen Rassismus

Rassismus tötet seit Jahrhunderten

Die „Internationalen Wochen gegen Rassismus“ laufen bis zum 24.März 2014 noch auf Hochtouren. Der „Interkulturelle Rat“ hatte diese vor zehn Jahren in Deutschland installiert. In Europa und auf der Welt finden in diesem Rahmen  tausende Veranstaltungen statt (allein in Deutschland über 1.200). Mit „Wir stehen auf!-für eine Welt ohne Menschenverachtung“ sind wir Partner. Und trotzdem müssen wir uns fragen, warum wir immer wieder für das Thema sensibilisieren müssen. In einer zivilisierten Welt, muss das doch irgendwie unnötig werden.

Wären da nicht die Rechtspopulisten und Rechtsextremisten die den Hass gegenüber dem Fremden in die Gesellschaft tragen. Heutzutage haben diese Gruppierungen wieder große  Chancen sich zu platzieren. Der Bundespräsident Gauck sagte gestern bei einem Interview mit Beckmann in der ARD, er hätte keine Angst vor dieser menschenhassenden Minderheit, da unsere Demokratie so stark sei. Auch wenn wir das Engagement des Bundespräsidenten bei der Geschichtsaufarbeitung Deutschlands sehr schätzen, haben wir Angst. Wir haben Angst vor einer neuen Welle der Gewalt. Indiz hierfür sind die steigenden Übergriffe durch Nazis und Rassisten in Deutschland. Brandanschläge, Fackelmärsche und ein Mob von Unterstützern aus dieser eben nicht harmlosen Zivilgesellschaft, sind ein Indiz dafür, dass wir uns Sorgen machen müssen. Allein in Hinblick auf die Vergangenheit dieses Landes. Denken wir an Lichtenhagen, Mölln, Solingen, Hoyerswerda oder aktuell an Schneeberg, Duisburg, Essen, Berlin-Hellersdorf, dann haben wir Gründe noch aktiver gegen rassistisches Gedankengut zu agieren. Jeder Verletzte oder Tote durch rechte und rassistische Gewalt ist zu viel.

Seit Jahrhunderten wurden Menschen versklavt und aufgrund ihrer Haufarbe, Herkunft oder Religion unterdrückt. Wenn wir die Geschichte dieses Erdballs betrachten werden bis heute Millionen von Menschen ermordet, zerstört und verletzt. Hier gibt es keine Statistiken. Erst seit 1990 werden Taten mit rassistischen und rechtsextremistischen Hintergrund allein in Deutschland erfasst. Was geschah vorher? Wie viele Menschen wurden zuvor Opfer? Kaum aufzuarbeiten scheint die Geschichte.

Von den Gräueltaten der Nazis von damals ganz zu Schweigen. Sechs Millionen jüdische Bürgerinnen und Bürger Europas, Sinti & Roma (keine konkreten Zahlen vorhanden), Homosexuelle (keine konkreten zahlen vorhanden), Russen, Polen, Menschen aus anderen Nationen und politische Gegner wurden ermordet, vergast, ghettoisiert. Statistiken weisen aus, dass heutzutage wieder ca. 10 Prozent der deutschen Bürgerinnen und Bürger antisemitisches Gedankengut in sich tragen. Mehr als bedenklich kommen dann Thesen hinzu, die besagen, dass jeder fünfte Deutsche für rechtsradikales Gedankengut empfänglich ist. Genau des Wegen stimmen wir dem Bundespräsidenten nicht zu.

…und heute?

Heute gibt es zwar ein breites zivilgesellschaftliches Engagement über das wir uns erfreuen können, aber ungeachtet dessen werden Menschen ausgegrenzt, Flüchtlinge deren Länder wir zuvor ausbeuteten unmenschlich und fast menschenverachtend aufgenommen, wenn sie denn überhaupt die Chance haben in Europa oder auch in Amerika zu landen. In Europa werden Grenzen wieder dicht gemacht. Der Erste Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg Olaf Scholz, hatte jüngst eine Einwanderungsquote für Flüchtlinge gefordert. Nicht jeder könne hier leben und arbeiten. Der Hamburger Senat macht seit Monaten Schlagzeilen betreffend der geschätzten dreihundert „Lampedusa Flüchtlingen“ die es in Todesangst geschafft haben in diese Stadt zu kommen. Harte polizeiliche Maßnahmen wurden eingeleitet und die Gesprächsbereitschaft seitens der Politik war monatelang gleich null. Abgesehen von Seehofer aus Bayern, der von Schmarotzern spricht, wenn er Europäer meint, die hier arbeiten möchten.

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Der Alltagsrassismus den wir fortwährend erleben, ist bedenklich und teilweise erdrückend. Natürlich freuen wir uns auch über unsere eigenen Erfolge, wenn wir Menschen über unsere Aktionen zum Nachdenken anregen können und wir das Thema immer wieder platzieren können. Aber, wir werden dieWelt nicht allein mit den „Internationalen Wochen gegen Rassismus“ ändern können. In der Zivilgesellschaft selbst muss ein Umdenken stattfinden. Anregen können dies nur Politik und Medien.

Darüber nachzudenken, wie viele rassistische und rechtsextremistische Übergriffe allein an einem Tag wie heute stattfinden, darf uns nicht in Ruhe schlafen lassen. Jede und jeder kann helfen diese Welt von Vorurteilen zu befreien. Wir müssen uns darum kümmern, dass das Böse kleiner wird.

J. M. für LGN

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