10.11.2013: Das verflixte siebte Jahr – Wir suchen einen neuen Autopartner – „Skoda Deutschland“ engagiert sich nicht weiter für „Laut gegen Nazis“ – Strategiewechsel

In Hamburg sagt man „Tschüss!“ – Auf der Suche nach einem neuen Partner der uns Mobilität gibt

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Zunächst waren wir schockiert, als wir dieser Tage von der Aufgabe des Engagements von „Skoda Deutschland“ für „Laut gegen Nazis“/“Wir stehen auf!“ erfuhren. Wir befinden uns im siebten Jahr einer bisher hervorragenden Zusammenarbeit. Wir gehen nicht bösartig auseinander, jedoch auch mit ein bisschen Trauer, denn „Skoda Deutschland“ hat sich sieben Jahre lang für eine Welt ohne Menschenverachtung engagiert und uns unterstützt.

Die Gründe für die Aufgabe des Engagements, sind eher die klassischen. Aus der Kommunikation geht hervor, dass das Budegt eine Rolle spielt und die Konzentration auf andere Bereiche, u. a. die Förderung junger Talente. Wir denken, die Kooperation mit diesem Autohersteller ist auch Motivation für viele andere Unternehme gewesen den Mut aufzubringen, sich gegen menschenverachtendes Gedankengut zu engagieren. Keine Selbstverständlich, wo doch viele Unternehmensvertreter Angst vor sinkenden Umsätzen haben, wenn sie sich gegen Rechtsextremismus positionieren.

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Foto: Gute Zeiten- Die Unternehmenskommunikation „Skoda Deutschland“ 2008 – ein Foto für eine Internetradio Sendung bei „www.laut.fm/lautgegennazis .Die damalige Crew stellte eine 1 1/2 stündige eigene Sendung zusammen

Insofern danken wir der bisherigen Unternehmenskommunikation von „Skoda Deutschland“ für eine gute Zusammenarbeit.

Der Weg ist frei für einen neuen Partner, der uns Mobilität gibt 

Bis zumEnde des Jahre sind wir noch mobil. Aufgrund unserer bundesweiten Tätigkeit, sind wir von einem starken mutigen Autopartner abhängig und führen derzeit Gespräche. Wir sind auf der Suche nach einem Partner, der uns Fahrzeuge für unsereArbeit mit den Städten in Deutschland ermöglicht. J.M. für LGN

Statement von „Skoda Deutschland“zur Kampagne „Wir stehen auf!“ – März 2013

Toleranz und Respekt als Basis für Frieden und wirtschaftlichen Erfolg

ŠKODA engagiert sich für „Wir stehen auf!“

Weiterstadt, 7. Februar 2013 – Die Geschichte des jüdischen Kaufmanns Joseph Ben Issachar Süßkind Oppenheimer (1698–1738) wird bis heute erzählt, wenn es um die schrecklichen Folgen von Hass und Verfolgung geht. Die Berufe, die Juden zur damaligen Zeit ergreifen durften, beschränkten sich weitgehend auf Handels- und Finanztätigkeiten. Der Landbesitz oder die Mitgliedschaft in Zünften war ihnen in der Regel verwehrt. So begann Oppenheimer erfolgreich, sich seinen Lebensunterhalt in der Pfalz als Privatfinanzier zu verdienen. Auch das Eintreiben von Schulden gehörte zu seinen ersten Tätigkeiten. Mit der Vergabe von Krediten an verschuldete Adlige stieg er gesellschaftlich auf. Er sprang immer dann ein, wenn Banken sich weigerten, den aufwändigen Lebenswandel der Geldsuchenden zu finanzieren. Seine Kredite waren teuer, aber kein Wucher.

Als Finanzmakler und Bankier brachte er es schnell zu Wohlstand und Ansehen. Er arbeitete unter anderem für den pfälzischen und den kölnischen Kurfürsten. Als einflussreicher Berater von Herzog Karl Alexander von Württemberg führte Oppenheimer zahlreiche Neuerungen im Sinne eines merkantilistischen Wirtschaftssystems ein. Er gründete eine Tabak-, Seiden- und Porzellanmanufaktur und die erste Bank Württembergs, die er selbst betrieb. Er besteuerte Beamtenbezüge und verkaufte gegen hohe Gebühren Handelsrechte für Salz, Leder und Wein an Juden. Daneben handelte er mit Edelsteinen, Edelmetallen, pachtete die staatliche Münze, veranstaltete Lotterien und Glücksspiele und vermittelte in Rechtsstreitigkeiten.

Damit zog er aber auch den Hass derer auf sich, die sich von seinen Finanzprojekten benachteiligt fühlten. Noch am Tag von Karl Alexanders Tod wurde Süß verhaftet, wegen Untreue, Hochverrats, Korruption und anderer Vergehen eingesperrt, in einem roten Käfig mitten in Stuttgart zur Schau gestellt und gehängt – ohne Beweise und Begründung.

Die Geschichte von Joseph Ben Issachar Süßkind Oppenheimer, die vielfach beschrieben und von den Machthabern des Dritten Reichs für deren grässliche antisemitische Propaganda gebeugt worden ist, spielt im 18. Jahrhundert. An ihrer erschreckenden Aktualität hat sie nichts verloren. Joseph Süß Oppenheimer wurde das Opfer von Neid, Wut und Intoleranz. Unsere Gesellschaft erlebt ähnliche Schicksale aktuell an vielen Orten. Bei den Nibelungenfestspielen in Worms betrachteten die Regisseure Dieter Wedel und Joshua Sobol das historische Geschehen immer wieder aus verschiedenen, spannenden Perspektiven. Zuletzt schlugen sie in ihrer Inszenierung die Brücke zu den komplexen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Herausforderungen der Gegenwart, die für viele Menschen unbegreiflich erscheinen und im Extremfall zu dumpfer Ablehnung, Hass und Verfolgung führen.

Aufgrund der schrecklichen Auswirkungen von Intoleranz und Menschenverachtung in Vergangenheit und Gegenwart ist ŠKODA seit vielen Jahren Partner der Nibelungenfestspiele. Und aus denselben Gründen begleitet ŠKODA die wichtigen Initiativen von „Wir stehen auf!“ gegen rechte Gewalt. Die Motivationen für dieses Engagement liegen in der Geschichte der Marke und in der Überzeugung, dass ein friedliches Miteinander der Kulturen nur auf der Basis gegenseitigen Respekts und der Anerkennung der Würde des anderen möglich ist. Ganz gleich, welcher Nation oder Religion er angehört.

Als tschechisches Traditionsunternehmen haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von ŠKODA unter der Willkür des NS-Regimes während des Zweiten Weltkriegs und den Repressionen der Sowjetbesatzer leiden müssen. Trotz dieser bitteren Erfahrungen haben die Beschäftigten den Frieden mit ihrer Geschichte gefunden – als Mitglieder einer stolzen Nation, der Europäischen Gemeinschaft, des deutschen Volkswagenkonzerns und eines globalen Marktes. Ohne Toleranz und Respekt vor der Würde des Menschen wäre eine solche Entwicklung nicht möglich gewesen. Wer hätte sich in den 50-ger Jahren des vergangenen Jahrhunderts vorstellen können, dass Deutschland und Russland einmal zu den wichtigsten Absatzmärkten von ŠKODA zählen würden?

Heute ist der tschechische Automobilhersteller auf 100 Märkten präsent. Er produziert seine Autos in der Tschechischen Republik, der Slowakei, der Ukraine, in Kasachstan, Russland, Indien und in China. Mehr als 24.000 Menschen unterschiedlichster Nationen und Konfessionen engagieren sich für den Erfolg ihrer Marke – ohne Vorurteile und ohne Ressentiments.

Rechte Gewalt kann jeden treffen. Sie hat sich in unseren Alltag eingenistet. „In den unteren Etagen der Gesellschaft hat sich eine giftige Schlacke angesammelt. Rechtsextremistische Einstellungen breiten sich besonders dort aus, wo es an Arbeit fehlt, an Bildung und Selbstbewusstsein. Immer mehr Menschen fühlen sich da als Verlierer und agieren nach dem Motto: Wir sind schon abgehängt, wir geben nichts ab. Daraus wird, frei nach Brecht: Wer getreten wird, der tritt“, kommentierte die Berlin-Korrespondentin der Süddeutschen Zeitung, Constanze von Bullion, unlängst.

Der Kommentar analysiert nicht nur eine Situation, die für die Gesellschaft verheerend ist, sondern er macht auch klar, dass Appelle allein Einstellungen nicht zu verändern vermögen. Vielmehr stehen Politik und Bürger in der Verantwortung, rechtsextremistischen Entwicklungen vor allem durch die Schaffung von Perspektiven ihren Nährboden zu entziehen.

Wie nötig dies ist, dokumentiert auch eine Untersuchung der Friedrich-Ebert-Stiftung. Danach hat im Osten Deutschlands fast jeder Sechste ein geschlossenes rechtsextremistisches Weltbild. Der Wert habe sich seit 2006 verdoppelt. Im Westen, so die Studie, ist jeder Vierzehnte ein Rechtsextremist. Im Osten glauben mehr als zwei Drittel, dass Ausländer nur ins Land kommen, um den Sozialstaat zu melken. Im Westen findet das jeder Fünfte. 16 Prozent der Ostdeutschen und der Migranten glauben, dass Juden mit übleren Methoden vorankommen als andere. Knapp jeder Dritte, in Ost wie West, behauptet, Juden nutzten die Erinnerung an den Holocaust aus. 60 Prozent der Deutschen haben eine negative Einstellung zum Islam. Ein Hoffnungsschimmer in diesem Kontext: Über 94 Prozent der Deutschen finden Demokratie gut. Inwieweit sie Demokratie praktizieren, ist eine andere Frage.

„Rechtsextremes Denken in Deutschland ist kein Randproblem, sondern eines der Mitte der Gesellschaft“, heißt es in der Studie der Friedrich-Ebert Stiftung weiter. Und: „Ausländerfeindlichkeit ist die am weitesten verbreitete rechtsextreme Einstellung.“ Für ŠKODA als Unternehmen, das in vielen Ländern dieser Welt zuhause ist, ist dies Grund genug, Initiativen wie „Wir stehen auf!“ von Jörn Menge und anderen engagiert zu begleiten.

 

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