02.10.2013: „Tag der deutschen Einheit“ – Der glücklichste Tag für dieses Land? So manch einer hat das Ganze wohl falsch verstanden!

„Tag der deutschen Einheit“ – Der glücklichste Tag für dieses Land? So manch einer hat das Ganze wohl falsch verstanden!

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Foto: http://siempre.red-skins.de/2010/december/

Morgen, am 03.Oktober 2013 ist es wieder soweit. „Der Tag der deutschen Einheit“ wird rührselig abgefeiert. Morgen wird nichts von den großen Naziaufmärschen am 03. Oktober 1990 zu hören sein, die zeitgleich mit den damaligen großen Feierlichkeiten stattfanden. Naziaufmärsche die signalisierten, welche Szene im vereinten Lande wächst. Eine Szene, die seit 1990 mehr als 180 Todesopfer, zehntausende von Gewaltopfern verantwortet. Eine Szene die sich in den letzten Jahren in Deutschland etabliert hat. Eine Szene die Menschenverachtung, Rassismus, Antisemitismus, Antiziganismus, Homophobie und Ausgrenzung gesellschaftsfähig gemacht hat. Eine Szene die im Wandel der Zeit nicht eindeutig optisch zu erkennen ist. Eine Szene mit mehreren rechtsextremistischen Parteien, die gesellschaftsfähig geworden sind. Hassprediger, die diese Einheit die wir morgen feierlich begehen werden anders betrachten als wir. Schon 1990 wurden bei den Nazis Träume von einem Großdeutschland neu entfacht. Mit fatalen Folgen für Menschen die in unserem Lande Zuflucht suchten und für Andersdenkende, die gar schon 1990 und kurz darauf folgend von neuen Nazis durch die Straßen gejagt und geprügelt wurden. Brennende Flüchtlingsheime, erste von den Nazis so genannte „nationalbefreite Zonen“, die rein deutsch waren und sind. All das, werden wir morgen nicht hören.

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 Foto: Pogrom in Rostock Lichtenhagen 1992

Die Bilder sind noch im Kopf. Damals in den Neunzigern konnten wir die Nazis noch erkennen. Bomberjacke,Glatzen und Baseballkeulen waren die Aushängeschilder der Szene. Leicht erkennbar, brutal und augenscheinlich dumm. Nur leider ist es mit der Dummheit nicht weit her. Aus dieser Szene gingen auch elitäre Intellektuelle hervor, die eine rechtsextremistische Szene aufbauten, die heute so ausgeufert ist, dass selbst wir manchmal Schwierigkeiten haben, sie zu erkennen. Mit der Einheit Deutschlands hat sich diese bis heute mit unterschiedlichen Gesichtern etabliert.

Die Pogrome und Übergriffe von damals sind die Ursache für eine Verschärfung der Flüchtlingspolitik

Nach Lichtenhagen, nach dem Austoben eines rechten Mobs hatte die damalige Bundesregierung nichts anderes zu tun, als die so genannte „Asyl-Gesetzgebung“ zu verschärfen. Die Grundlage für die heutige Abschiebungspraxis in Deutschland. Zum Jahrestag von Lichtenhagen in diesem Jahr titelte ein ARD-Politmagazin mit „Die Nazis haben gewonnen“. Sie hatten mit ihrer Brutalität und Gewalt gegen Flüchtlinge, mit all den damaligen Brandanschlägen überzeugt. Politik sollte handeln. Nur leider geschah dies in eine absolut fatale Richtung. Nicht die Gewalt die von der rechtsextremistischen Szene ausging, stand im Mittelpunkt des Handels. Nein, vielmehr der Ausschluss von Menschen anderer Herkunft, die in Deutschland Schutz suchen.

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Foto: taz

Der Traum vom „Heilig´Vaterland“

1990! So manch ein Deutscher wird sich darüber gefreut haben, dass dieses Land endlich wieder im alten Glanz und Gloria, ganz preußisch, neu erwacht. „Wir sind wieder wer!“, konnte man damals oft vernehmen. Nur, wer sind wir denn eigentlich?

Wie viele Deutsche von diesem Gedanken schwanger waren und sind, konnten wir 2006 bei der Fußball WM hervorragend vernehmen. Selbst Grüne und SPDler sprachen von einem endlich erreichten freien Patriotismus, den man ungezwungen endlich wieder ausleben konnte. Und auch hier wird stets vergessen, dass wir in diesem WM – Jahr die höchste Anzahl rechtsextremistischer Übergriffe seit der Zählung 1990 hatten. Auf den Fanmeilen begrüßten sich Schelme glatt mit dem „Hitlergruß“. Ein prägendes tolles Einheitsgefühl?

Und heute? Heute kommen Parteien wie die „Alternative für Deutschland“ fast in den Bundestag. Eine Partei die gegen eine europäische Einheit und für schärfere Einwanderungsgesetze steht. „Einheit für Deutschland“ gewünscht-„Einheit für Europa unerwünscht“. Und irgendwo tummeln sich dann noch NPD und „Pro Deutschland“, die klassischen rechtsextremistischen Parteien, die ihre alten Phrasen dreschen und 500.000 Stimmen bei einer Bundestagswahl erreichen.

Das „Einheitsbewusstsein“ in Deutschland hat inzwischen leichte nationalistische Züge, die wir hier beängstigend finden und die Ausgrenzungsdenken in der Zivilgesellschaft forcieren.

Wir freuen uns über Mauern die gefallen sind, aber nicht über die in den Köpfen

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Foto: Die Mauer wurde besiegt

Zunächst möchten wir feststellen, dass auch wir uns über den Mauerfall freuten. Nur leider entstanden neue Mauern in den Köpfen, die wir immer noch nicht überwunden haben. Mauern deren Ursprung in Träumen einer großen weltbedeutenden Nation gebettet sind. Eine Nation, die nach wie vor machthungrig ist, wenn wir uns die Außenpolitik so anschauen.

Eine Öffnung von Grenzen sollte die Abschaffung von Residenzpflichten und Abschiebungen nach sich ziehen. Eine Öffnung von Grenzen, sollte eine Politik beinhalten die rechtsextremistisches, rassistisches Gedankengut überwindet. All das ist seit 1990 nicht geschehen. Ganz im Gegenteil, die Lage hat sich verschärft.

Die echten Nazis kamen aus dem Westen!

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 Foto: Aktive Westnazis (Thomas Wulff & Christian Worch), die ab den Neunziger stets in Ostdeutschland präsent waren und erfolgreich auf Bauernfang gingen

Noch heute können wir im ehemaligen Westdeutschland Töne wie „Im Osten gibt es viel mehr Nazis“, vernehmen. Welch Mär´. Nach der Wende 1990 haben in erster Linie die Nazis aus dem Westen die Nazis im Osten gesucht, um eine neue Szene aufzubauen. Mit Erfolg. Geschickt hatten sie rechtsextremistische Kader in den noch orientierungslosen neuen Bundesländer geködert. Sie prägten das Bild der ostdeutschen Szene und übernahmen quasi Führungs-und/ Vorbildfunktionen. Am Beispiel von Christian Worch allein, lässt sich dies schon ersehen. Worch organisierte früher gemeinsam mit anderen westlichen Nazigrößen die großen Aufmärsche in Leipzig und sonst wo. Heute ist er wieder in Westdeutschland (neulich Dortmund) aktiv. Worch ist eigentlich Hamburger.

Wir müssen begreifen,. dass die Naziszene sich im gesamten Land präsentiert, nur in unterschiedlichen Formen. Und noch einmal, der Fall des NSU ist nur die Spitze eines Riesen-Eisbergs, der sich in den letzten 23 Jahren hervorragend entwickelt hat. So hervorragend, dass er uns auch in Zukunft noch reichlich beschäftigen wird.

Zum „Tag der deutschen Einheit“ sagen wir:

„Unsere Nationalität ist Mensch!“

 

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