11.08.2013: Gedenken auf deutsch! Ein bisschen Hakenkreuz gefällig? Oder wie wäre es mit ein bisschen Werbung für die Bundeswehr?

Gedenken auf deutsch! Ein bisschen Hakenkreuz gefällig?

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 Foto: Hinweis im Flaggenraum der Gedenkstätte „Laboe“

Wir besuchten das Mahnmal für U-Boot Fahrer in Kiel Laboe mit dem angeschlossenen Museum und der Gedenkstätte für Seefahrer. Der „Deutsche Marinebund“ betreibt jenes Relikt, welches die Nazis 1936 feierlich einweihten. 1929 wurde zwar der Grundstein gelegt, aber die „Braunen“ nahmen sich des Ganzen an. Heute ist Laboe ein Touristenort an der Ostsee nahe bei Kiel (Kieler Bucht). Am Strand liegt die U 995. Ein deutsches U-Boot aus den heroischen Zeiten der Seeschlachten im 2. Weltkrieg, welches wir besichtigen dürfen. Eine Mördermaschine. Wir alle kennen den Film „Das Boot“ und können uns im Inneren des U-Bootes ein Bild davon machen, wie eng es für die bis zu 60 Mannschaftsmitglieder während des Krieges war. Beeindruckend und doch lässt sich eine kritische Betrachtung an dem Nutzen des Fahrzeuges vermissen. U-Boote vernichteten nicht nur Tonnage auf See, wie man dort anmuten lässt, sondern vor Allem Menschenleben. Eine Erklärung der Schrecken des Krieges erhält man im Innern des Stahlkolosses nicht wirklich.

 „Die Planung des auf dem Gelände eines früheren Panzerturms erbauten Denkmals geht auf eine Idee von 1925 zurück. Am 30. Mai 1936 wurde es nach fast siebenjähriger Bauzeit eingeweiht. Etwa 700.000 Reichsmark – überwiegend aus Spenden von Mitgliedern der Marinevereine und der Marineoffizier-Vereinigung stammend – waren in den Bau geflossen, der heute zu den wenigen architektonischen Beispielen des Expressionismus zählt.“ ( Quelle:deutscher-marinebund.de)

marine-ehrenmal Foto: Deutscher Marinebund

Die Eintrittskarte, die wir erwarben galt auch gleich für das Gelände des Mahnmals.

„Heute ist das Marine-Ehrenmal eine nationale Gedenkstätte mit internationalem Charakter und zugleich die offizielle Gedenkstätte der Deutschen Marine.“                             (Quelle:deutscher-marinebund.de)

„Erst im Juni 1933 wurden die Bauarbeiten auf dem Gelände wieder aufgenommen. Drei Jahre später war das gesamte Marine-Ehrenmal fertiggestellt und wurde am 30. Mai 1936 feierlich und in Anwesenheit Adolf Hitlers eingeweiht. Der Turm selbst war und ist 72 Meter hoch; die Oberkante der Brüstung befindet sich 85 Meter über dem Meeresspiegel der Ostsee. Die Aussichtsplattform auf der Spitze ist über 341 Treppenstufen oder mit zwei Aufzügen erreichbar.“ (Quelle: Wikipedia)

Hitler selbst war bei der Einweihung des Ehrenmals 1936 also anwesend. Wenn wir heute über das Gelände schreiten, finden wir keinen Hinweis darauf, wohl aber die Leistungen der „Deutschen Kriegsmarine“ in Zeiten des „Zweiten Weltkrieges“.

Nach typischem Nazikult wurde ein Kellergewölbe als Gedenkstätte nicht weit vom Ehrenmal entfernt eingerichtet. Ein Rondell, welches einem einen kalten Schauer verursacht. Kreisförmig und kühl ist es dort unten. Kränze mit Inschriften. „Wir gedenken der Kameraden des Minensuchers…,oder ähnliches“ lassen anmuten, dass diese von damals stammen. Dem ist nicht so. Aus den 90ern und von heute sind die deutschen Grüße an die Gefallenen. So manch ein Kranz lässt auch auf Ewiggestrige schließen, die damals nicht dabei waren, aber den angeblichen „Helden“ huldigen. Mindestens ein paar Mal konnten wir durchaus „rechte Kameradschaften“ ausmachen, die den Seefahrern die den Nazis dienten, Ehre zuteilen kommen lassen sollen. Ein gruseliges Bauwerk, welches von Nazihand geplant wurde. Mystisch und erschreckend zugleich stellt sich dieses Kellergewölbe dar. Ein Ort für ewig gestriges Nationalgetümmel.

Ausstellungen:

Es gibt zwei Ausstellungsorte auf dem Gelände. Einmal auf zwei Etagen in dem Turm selbst und ein separater Raum im Halbkreis gebaut. Als wir in dem großen Ausstellungsraum waren, betrachtete ein Jugendlicher ein Fensterbild. Die Mutter entgegnete der Begeisterung des Jugendlichen mit den Worten“ Nein Schatz, dieses BIld ist nicht toll, es wurde von einem Nazi gemalt“. Nur nach dem zweiten Hinsehen verriet das Entstehungsjahr, dass hier ein Nazi werkelte. Kein konkreter Hinweis ist dort durch die Betreiber der Gedenkstätte zu finden. (Übrigens auch im Internet finden wir keinen konkreten Hinweis auf dieses Bild und seine Geschichte). In diesem Raum finden sich ansonsten eine große Anzahl von Schiffsmodellen und unter anderem Informationen zu dem Verlauf der Seekriege der letzten hunderten von Jahren, vor Allem die des „Zweiten Weltkrieges“. Vor Allem die Modelle von großen Schlachtschiffen der Nazis wie der „Bismark“ und „Prinz Eugen“ fallen sofort in´s Auge.

Bundesmarine – Werbung als Ausstellung

image_small Bundeswehr Werbeplakat (nicht aktuell)

In dem Turm des Mahnmals befinden sich zwei Stockwerke für Ausstellungen. Wir suchten vergebens auf Hinweise der Naziverbrechen. Kein Wort zu finden von dem Einsatz der KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter auf deutschen Werften. Kein Hinweis auf den Tod der Menschen die durch das Nazi Regime auch auf See umgebracht wurden. Kein Hinweis von den Befehlen an deutsche Kriegsschiffe die verbaten Schiffbrüchige von gerade versenkten allierten Schiffen an Bord zu nehmen. Kein Hinweis darauf, dass man  hier Menschen einfach absaufen ließ und so mancher dabei zusah. Stattdessen immer wieder Skizzen der Routen deutscher Kriegsschiffe vorwiegend aus dem „Zweiten Weltkrieg“ und dazu die Betrachtung von deutschen Seekriegsflaggen in dem mystisch anhauchenden Flaggenraum des Gebäudes (diesen fotografierten wir, dürfen das Foto allerdings nicht veröffentlichen). Die Seekriegsflagge der Nazis hängt präsent in diesem Raum. Einzige Erklärung die wir finden, ist der Hinweis auf den Paragraphen § 86 des Strafgesetzbuches, der zum Zwecke der Aufklärung ein Hissen dieser Flagge erlaubt. Jedoch ohne weitere Erklärungen, die vielleicht wichtig wären, wenn Schulklassen sich diesen Ort ansehen.

Die Krönung

Auf einer Etage der so genannten Ausstellungsräume fanden wir dann auf Stellwänden und an Wänden, Versuche der Bundeswehr die Gäste des Mahnmals anzuwerben. Ein, wie wir meinen, kein wirklich geeigneter Ort für Militärwerbung. Absurd wirken die Versuche Leute an diesem Ort abzugreifen, nachdem wir zuvor stundenlang die heroisch anmutende deutsche Kriegsseefahrt betrachten mussten. Da kommen wir glatt zu dem Fazit: “ Hier in Deutschland hat man nichts aus seiner Geschichte gelernt!“

Der „Deutsche Marinebund“ stellt sich für uns doch sehr zweifelhaft dar. Auch auf der Seite dieses Bundes, finden wir keinerlei Hinweise auf die Kriegsverbrechen auf hoher See. Hier ist die Rede vom Gedenken an die Gefallenen und diejenigen die auf See ihr Leben verloren. Reflektieren und Aufklärung der Geschichte sieht anders aus. Laboe wird für den einen oder anderen Nazi von heute sicherlich ein hervorragender Wallfahrtsort sein. J. M.  für LGN

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