18.07.2013: Das neue Erscheinungsbild der Nazis – attraktiv – stylisch und irgendwie dann doch nicht! Von der Niederlage einer neuen Strategie

Das neue Erscheinungsbild  der Nazis – attraktiv – stylisch – modern und irgendwie dann doch nicht! Von der Niederlage einer neuen Strategie

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Foto: NPD Präsenz in Rothenburg ob der Tauber (r. Sigrid Schüßler)

Den 16. Juli 2013 vergessen wir so schnell nicht. Drei fränkische Städte (Rothenburg,Weißenburg & Lauf) wehrten sich erfolgreich gegen den Versuch der NPD dort Wahlkampf oder so etwas ähnliches zu betreiben. Der Auftritt der Rechtsextremisten bestätigte das, was wir schon lange wissen. Trotz des massiven Widerstandes der Zivilgesellschaft, gaben sich die auf Tour befindlichen Nazis selbstbewusst. Eine Strategie, die stets auffällt. „Keine Schwäche zeigen“ ist wohl das Motto. Hinzu kommt der Versuch, sich modern zu präsentieren. Schier unmöglich könnte man meinen, wenn man sich den Einen oder Anderen ansieht mit denen die NPD auf Bauernfang geht. Doch trotzdem versuchen diese neue Bilder zu schaffen, von sympathischen Frauen und selbstbewussten Männern. Volksnahe, verständnisvoll, mütterlich u.s.w. . Dies gelingt als Gesamtbild auf solchen Veranstaltungen nicht. Dort sieht man dann doch die braun gekleideten mit Seitenscheitel ausstaffierten Männer, die einem schon längst toten Vorbild nacheifern.

Die Mehrzahl der Nazis, die gestern auf Tour waren, wären jedoch von normalen Menschen nicht mehr zu unterscheiden. Die Normalisierung des Outfits und das Tragen von modern anmutender Kleidung zeigt deutlich, dass die rechtsextremistische Szene sich äußerlich, aber auch nur äußerlich stark verändert. Genau das ist eine neue Gefahr auf die es immer aufmerksam zu machen gilt, auch wenn so mancher nichts über die braune Zunft lesen oder hören möchte, halten wir es für wichtig aufzuklären. Falsche Bilder aus den Köpfen entfernen.

Nazis sind keine Skinheads, Nazifrauen tragen nicht die gleiche Einheitsfrisur und Dirndl. Die Zeiten haben sich geändert. Merklich! Der braune Sumpf entwickelt sich weiter und geht mit neuen Ideen auf Menschenfang. Abgesehen von der Nutzung musikalischer Subkulturen und internationalem Essverhalten, tragen Nazis Sommerkleidchen und gängige Kleidungsmarken. Uniformiert wird sich erst dann wieder, wenn man wieder stark ist-so die Devise, die der EXIT Aussteiger Manuel L. schon vor fünf Jahren erklärte, als die Szene merkte, dass junge Menschen nicht mehr empfänglich sind, für alte Nazitraditionen, da sie sich verkleiden müssten. Der Wahlspruch der Nazis ist aktuell:“Nationalist bist Du im Herzen, wenn wir wieder da sind, dann…“. Mit anderen Worten, Du darfst aussehen und tragen was Du willst, zumindest für den Moment.

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Foto: Das Bild eines Nazis vor einigen Jahren

Vergessen ist die Zeit in der Rechtsextremisten mit Bomberjacken uniformiert zu Veranstaltungen pilgerten. Heute geben diese eher ein buntes Bild ab. Auch bei den großen Naziaufmärschen, entdecken wir kaum noch den Klassiker. Eher die Dumpfbacken-Nazis halten an dem Outfit fest. Neue Marke der Szene ist natürlich „Thor Steinar“, aber eben nicht nur. Erlaubt ist, was schön oder hässlich macht. Selbst für uns manchmal undurchschaubar. Also, aufgepasst-die Menschenverächter sind im Alltag nicht mehr zu erkennen.

Starke Frauen in der Naziszene?

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Foto: Facebook

Die Zeiten unterwürfiger nationalistischer Frauen scheint vorbei. Auf unserer Facebook-Seite provozierten wir gestern Abend eine Debatte. Mit einem Foto der NPD/RNF (Ring Nationaler Frauen) Funktionären Sigrid Schüßler (s. Foto oben/Vita unten) stellten wir die Frage: „Das neue Sexsymbol der Nazis?“. Grund hierfür waren die Reaktionen von meist männlichen Gegenkundgebungsteilnehmern, deren sexistische Ausbrüche so stark waren, dass wir sie hier nicht wiedergeben möchten. Genau das, ist gewollt. Die Nazis provozieren solcherlei Reaktionen. Aufmerksamkeit schaffen mit den alltäglichen Mitteln die wir aus unserer Gesellschaft kennen. „Sex sells“, dies hat eben auch die braune Masse erkannt. Eine Kommentardiskussion zum Thema Sexismus hatten wir mit dem Post ausgelöst. Gut oder schlecht? Wir sagen, gar nichts von beiden. Mit dieser Provokation wurde deutlich, dass sich das Credo der Naziszene extrem geändert hat. Die Nazis arbeiten mit derlei Mitteln. Sie stellen Frauen bei ihren Präsentationen neuerdings in den Mittelpunkt. Mit modernem Blümchenkleid und immer schön lächelnd. Dies weckt, wie gestern erlebt, offensichtlich Begehrlichkeiten bei so manch männlichem Geschlecht (politisch unabhängig). Traurig aber wahr. Abgesehen davon, dass Nazifrauen bereits in Kindergärten und Schulen aufgeflogen sind. Die sympathische Erzieherin oder Lehrerin, die den Schülerinnen und Schülern nicht das vermittelt hat, was in Lehrplänen und Anleitungen steht.

Nazifrauen wirken selbstbewusst und eigenständig, obwohl dies der nationalsozialistischen Ideologie grundsätzlich widerstrebt. Die Zeit in der Hitlers Frauen als  Gebärmaschinen mit dem Mutterkreuz ausgezeichnet wurden sind längst vorbei.

Trotz des neuen Erscheinungsbildes der Nazis verlieren sie auf ihren Veranstaltungen. Dort entlarven sie sich und zum Glück, stellen sich wie gestern im bayrischen Franken, ihnen tausende Menschen entgegen!

J.M. für LGN

Vita von Sigrid Schüßler alias Hexe Ragna, Falko 

Ring Nationaler Frauen RNF. Seit 2008 Mitglied des bayerischen Landesvorstandes der NPD.

Sigrid Schüßler aus dem unterfränkischen Karlstein entspricht nicht dem Bild des dumpfen, ungebildeten Neonazis: Fließend spricht sie mehrere Fremdsprachen, beherrscht verschiedene Musikinstrumente und erwarb 1995 ihr Diplom als Schauspielerin. Nach mehreren Engagements an großen Theaterbühnen macht sie sich 2004 mit ihrem eigenen Theater „Hollerbusch“ selbständig und erhielt 2005 dafür den Aschaffenburger Existenzgründerpreis. Was der Jury nicht bekannt war: Seit 2004 tourtSigrid Schüßler als »Hexe Ragna« nicht nur durch verschiedene Grundschulen und Kindergärten, sondern tritt auch im Kinderprogramm von NPD-Veranstaltungen auf. Ihr »Theater Hollerbusch« wird Veranstaltungen des Kreisjugendamtes Aschaffenburg und in mehrere Kindergärten eingeladen. Die dreifache Mutter ist verheiratet mit dem vorbestraften Falko Schüßler. Er war Funktionär der inzwischen verbotenen „Freiheitlichen Arbeiterpartei“ FAP sowie der ebenfalls verbotenen Wiking-Jugend. Und er betreibt die Werbeagentur „Propagandakompanie“. Der NPD-Unterstützer ist führendes Mitglied der Kameradschaft Widerstand Aschaffenburg. Im September 2003 stieß die Polizei bei einer Razzia in einem paramilitärischen Zeltlager der Kameradschaft auf verbotene Waffen und Sprengstoff. Derzeit zeichnet Falko Schüßler verantwortlich für die Internetseite der NPD Aschaffenburg/Miltenberg.
Zusammen mit der Sozialarbeiterin Iris Niemeyer gründete SigridSchüßler »Jeanne D.« – eine »Selbsthilfegruppe für politisch verfolgte Frauen in Zeiten der BRD«. Zweck der Organisation ist die Vernetzung rechtsextremer Frauen, die wegen ihrer rechtsextremen Aktivitäten ihren Arbeitsplatz verloren haben.

 

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