21.02.2013: Immer schön nach unten treten, um oben zu bleiben! Oder? v. H. Lange

Immer schön nach unten treten, um oben zu bleiben! Oder?

Eine Bürgerinitiative, die von sich behauptet mit ganzem Herzen für ihre Sache einzutreten- da freut sich doch das demokratische Herz über engagierte Bürgerinnen und Bürger, die etwas für die Gesellschaft tun. Doch was tun diese Menschen von der „Initiative Sauberes Hamburg“ eigentlich? Gehen sie mit Eimerchen durch die Stadt und sammeln den Müll von den Straßen? Ja, im Grunde tun sie genau das, nur virtuell. Sie streifen durch das Internet und fegen den Dreck in Form von Obdachlosen mit ihren Hetzparolen davon.

Sauberkeit, Recht und Ordnung, diese guten alten deutschen Tugenden müssen doch schließlich hochgehalten werden. Und so verschmutzte und stinkende Obdachlose, die passen da nun wirklich nicht ins Bild der Hansestadt.

Die Glaubwürdigkeit dieser Initiative muss sicherlich bezweifelt werden, wie nicht nur das Impressum mit dem Verweis auf einen Allerweltsnamen im Ausland vermuten lässt. Auch die dermaßen plakativen „Leserbriefe“ auf der Website wirken unglaubwürdig. Die stille Hoffnung, dass es sich vermutlich doch nur um einen ‚Fake‘ handelt, darf also durchaus gehegt werden. Doch auch trotz der zahlreichen Menschen, die eine Welle der Wut auf der Facebookseite der Initiative losgetreten habe, bleibt die Thematik weiter brisant.

Denn nicht das erste Mal macht Hamburg mit einer forcierten Obdachlosenfeindlichkeit auf sich aufmerksam. Da gab es den ambitionierten Bezirksleiter Mitte, Markus Schreiber, der Menschen, die ohnehin keinen festen Zufluchtsort haben, einen Stahlzaun vor die Nase gebaut hat, damit sie ja nicht unter der Kersten-Miles-Brücke in St.Pauli zu übernachten gesuchen.

 

Ganz im Auftrag der vielen besorgten Bürger/innen, die in seiner Sprechstunde kamen, versteht sich.

Auch der Vorreiter der ‚Law and Order‘-Politik, Ronald Schill, sprach unzähligen seiner Wähler/innen aus der Seele. Ihm verdanken die Hamburger/innen schließlich so viel striktes Durchgreifen der Polizei und so viele Diskussionen über härtere Strafen für Kriminelle und Ausländer. Wobei das ja eigentlich eh das Gleiche ist.

Aber, irgendjemand muss ja auch für Recht und Ordnung sorgen, ist ja so. Und Obdachlose, nun ja, die sind ja auch irgendwie selbst schuld an ihrer Misere. Immer nur am Betteln und Schnorren, dabei haben wir ja selber nichts.

Rausdrängen aus dem Stadtbild sollte man diesen „Abschaum der Gesellschaft“, verscheuchen von all den Plätzen, zu denen sich Tourist/innen verirren könnten.

Das Image unserer Stadt ist in Gefahr!

Stellt euch vor, Leute kommen nach Hamburg und sehen dort arme Menschen auf der Straße leben. Was sollen die denn denken? Die könnten noch auf die Idee kommen, dass es in dieser Großstadt neben den stinkreichen auch bettelarme Menschen gibt. Und die ganz Schlimmen denken dann auch noch, dass die Reichen den Armen doch was abgeben könnten und dass die Stadt sich um Hilfsbedürftige kümmern müsste. Um Himmels Willen, was für ein Szenario!

Danke, liebe engagierte Politiker/innen und Bürgerinitiativen, dass ihr euch so sehr um unsere Stadt sorgt und mit so viel Herz bei der Sache seid. Danke, dass ihr Menschen, die Arbeit, Zuhause und/oder Familie verloren habt, auch noch ihre Würde nehmt. Danke, dass euch nichts ferner liegt, als sich mit Hilfsbedürftigen solidarisch zu zeigen, nur, weil euch ihre ehrlichen Augen, die euch morgens am Hauptbahnhof nach Kleingeld fragen, daran erinnern, wie oft ihr vergesst, wie viel Aufrichtigkeit, Respekt und Menschlichkeit eigentlich zählen.

Pass gut auf, auf diese heile Seifenblasenwelt, der soziale Abstieg kann schneller gehen, als man denkt. Nicht doch, dass du es auf einmal bist, den die Menschen am Bahnhof verächtlich angucken, weil du auf ihre Hilfe hoffst.

http://www.sauberes-hamburg.org/

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Fußball, Politik, Rechtsextremismus, Spenden, Veranstaltungen, Verein, YouTube abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.