20.12.2012: Do they know it’s Christmas? – wenn Nazis Weihnachten feiern v. Laura G.

Do they know it’s Christmas? – wenn Nazis Weihnachten feiern

Weihnachten steht vor der Tür. Zeit der Besinnlichkeit und des Friedens. Doch dem Nationalsozialismus war auch die stille Nacht nicht mehr heilig. Die Geburt von Jesus, dem Messias feiern? Es gab doch Adolf Hitler. Klar, dass beide nebeneinander nicht bestehen konnten. Folgerichtig germanisierten die Nationalsozialisten mit besonderem Eifer das Weihnachtsfest. Es sollte das „Fest der völkischen Gemeinschaft unterm Lichterbaum“ oder auch das „Fest des werdenden Lebens werden“. Höhepunkt der 21. Dezember, Tag der Wintersonnenwende. Die germanische Mythologie gepaart mit einer fanatischen Mutterkult und verklärten Heldenverehrung sollten christliche Traditionen verdrängen. Adolf Hitler wurde als Messias und Erlöser verklärt, das traditionelle Weihnachtsfest als Plagiat des Lichtkultes verunglimpft.

„Für Mädchen die Puppe, für den Knaben ein Diana-Luftgewehr“

Ziel war die Etablierung einer nationalsozialistischen Ersatzreligion, „Sieg Heil!“ ersetzt das „Amen“ in der Kirche. Das Jesuskind in der Krippe war nun das Symbol des „Festes des werdenden Lebens“. Die Weihnachtsgeschichte sollte durch deutsche Märchen abgelöst werden. Frau Holle kam hier die Rolle der „Lebensmutter“ zu, die auf die germanische Göttin Freya zurückgeführt wurde.  Die groß inszenierten Sonnenwendfeiern standen in großem Kontrast zur besinnlichen Familienfeier. Verknüpft wurde beides durch das Ritual der „Heimholung des Feuers“. Die Fackeln des Wintersonnenwendfeuers entzündeten hier die Kerzen am zentralen „Lichterbaum“ des Ortes, von wo die Kinder dann das Feuer an die heimische Tanne trugen. Der „Christbaum“ hatte ausgedient und hieß von nun an „Jultanne“ oder „Lichterbaum“. Traditioneller Weihnachtsschmuck wie Engel, Kugeln, Lametta, Engelshaar oder Christbaumspitzen wurden ersetzt durch Äpfel, Nüsse, Tiermotive oder Runen. Auch Christbaumkugeln mit Hakenkreuzemblem fanden ihren Platz am Baum. Die Christbaumspitze sollte durch Sonnenräder ersetzt werden.  Weihnachtslieder wurden neu geschrieben. Bestehendes Liedgut versuchte man durch deren Umdichtung von ihrem christlichen Tenor zu befreien. Manche Lieder wie „Tochter Zion, freue dich“ fielen der Zensur zur Opfer, andere, etwa „O Tannenbaum“ konnten weiterbestehen. Im Rahmen der Kriegsvorbereitungen änderten sich auch die Geschenke unterm Baum. „Für Mädchen die Puppe, für den Knaben ein Diana-Luftgewehr“ hieß es in einer Anzeige. Rundfunkansprachen Goebbels und Weihnachtsringsendungen komplettierten die Nazi-Weihnacht.

Doch der Versuch der Germanisierung des Festes scheiterte. Weiterhin feierten Deutsche das Weihnachtsfest, natürlich hinter verschlossenen Türen, mit den traditionellen Weihnachtsliedern, mit der althergebrachten Weihnachtsgeschichte, soweit es ihnen in den Kriegsjahren möglich war.

Nazi-Weihnachten heute

Doch wie feiern Rechtsextremisten heute Weihnachten? So ganz haben es die Nazi-Nachfolger nicht geschafft, diese „Traditionen“ beizubehalten. Nur wenige Nazis fordern: „wer Schneid hat, soll das Julfest feiern“ und den Adventskranz durch einen Julkranz ersetzen. Häufiger trifft man noch die Meinung an, dass Weihnachten als „Fest der Lüge“ von den bösen Kapitalisten erfunden wurde. Dennoch hängt auch bei vielen Nazis wahrscheinlich eher Lametta am Tannenbaum als Äpfel , Nüsse und gebackene Runen.

Die germanischen Bräuche weichen auch am rechten Rand immer mehr dem Weihnachtsfest, wie wir es kennen. Die NPD hält zwar jedes Jahr Vorträge über die „richtige, deutsche“ Weihnacht, gefeiert wird dann aber doch wie überall sonst auch. Mit Weihnachtsplätzchen und bekannten deutschen, urchristlichen Weihnachtsliedern.  Auch auf ihrer  Facebookseite wünscht die NPD: „Unseren Bürgern und Gästen ein besinnliches Weihnachtsfest“. Wie national es ist, dass gerade die NPD auf Facebook vertreten ist, bleibt ohnehin eine ungeklärte Frage.

Was uns tatsächlich etwas überrascht hat, ist ein Foto der JN Magdeburg-Börde. Da steht, man sehe und staune, ein Weihnachtsmann in feurigem Coca-Cola-Rot im Wald und hält wacker seine JN-Fahne hoch. Kommentar: „Eigentlich wussten wir es schon immer: der Weihnachtsmann ist einer von uns“.

Ein bisschen besser schafft es da die JN Rheinland & Pfalz das Thema auf ihre Art umzusetzen. Hier trägt der Weihnachtsmann wenigstens braun! Auf Weihnachtsmärkten verteilt er „leckere Äpfelchen in mit Lebensrunen bestickten Jutesäckchen für die Kinder mit Informationsmaterial für die Eltern. […] Aber modern ist unser Weihnachtsmann auch: eine Schulhof-CD für die Großen wird ebenfalls verteilt“. Würde nicht ständig Knecht Ruprecht mit dem Weihnachtsmann gleichgesetzt, könnte man ihnen fast glauben, dass sie sich mit dem Thema auseinander gesetzt haben. Dass die JN gleichzeitig auch das Julfest feiert, erscheint dann aber doch etwas inkonsequent.
Bild: Die Welt unter: http://www.welt.de/kultur/article1370827/Hakenkreuze-und-Granaten-fuer-Weihnachten.html

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