19.12.2012: Springer und die Juden v.Laura G.

 Springer und die Juden

Axel Springer ist einer der größten Feinde der Linken. Kapitalist. Teil des Establishments. Im Jahr 1972 wird das Hamburger Axel-Springer-Haus Opfer eines Bombenanschlags der RAF.

Fünf Jahre früher, 1967 entwarf Axel Springer verlagsintern die berühmten vier Grundsätze, die in abgewandelter Form noch heute bestehen. Für Springer-Journalisten sind die Grundsätze Teil des Arbeitsvertrages und daher auch des alltäglichen Schreibens.

  1. Das unbedingte Eintreten für die friedliche Wiederherstellung der Deutschen Einheit in Freiheit. (Heute: Das unbedingte Eintreten für den freiheitlichen Rechtsstaat Deutschland als Mitglied der westlichen Staatengemeinschaft und die Förderung der Einigungsbemühungen der Völker Europas)
  2. Das Herbeiführen einer Aussöhnung zwischen Juden und Deutschen, hierzu gehört auch die Unterstützung der Lebensrechte des israelischen Volkes.
  3. Die Ablehnung jeglicher Art von politischem Totalitarismus
  4. Die Verteidigung der freien sozialen Marktwirtschaft
  5. (Seit 2001 und an dritter Stelle): Die Unterstützung des transatlantischen Bündnisses und die Solidarität in der freiheitlichen Wertegemeinschaft mit den Vereinigten Staaten von Amerika

 Besonders der zweite Punkt überrascht, wurde sich mit dieser Problematik vor 1968 eher zurückhaltend auseinandergesetzt.  Doch schon früher setzte sich Springer für die Aussöhnung ein. Manche sprechen sogar von seinem Verdienst, dass ein neuer Antisemitismus in den Boulevardblättern Nachkriegsdeutschlands nicht Fuß fassen konnte. Den Eichmann-Prozess begleitete die Springer-Presse täglich, ausführlich und in der Tiefe. In Blättern wie dem „Stern“, spielte der Prozess nur eine Nebenrolle. Springer richtete sich hier vermutlich gegen einen Teil seiner eigenen Journalisten, die im Hinblick auf ein möglicherweise geringes Interesse der zahlenden Leserschaft bei diesem Thema der Berichterstattung skeptisch gegenüberstanden. Auch die Auschwitz-Prozesse werden von der Springerpresse ausführlich behandelt. Im Sechstagekrieg schlägt sich die Springer-Presse klar auf die Seite Israels. Springer sagte hierzu scherzhaft, im Rahmen dieses Krieges seien die Blätter des Verlages israelische Zeitungen geworden. Auf die hebräische Sprache habe man verzichtet, weil diese dem Verkauf abträglich gewesen wäre. Oft besuchte Axel Springer Israel. Auch finanziell untermauert er seinen Grundsatz: eine Million Dollar spendet er dem Jerusalemer Israel-Museum. So früh hat sich kein deutsches Unternehmen so deutlich und öffentlich für Israel und vor allem für die jüdische Bevölkerung auf der ganzen Welt ausgesprochen. So demütig hat bis dahin kaum jemand die Schuld Deutschlands eingestanden – und Besserung gelobt.

Axel Springers Motive sind nicht vollständig geklärt. Es ist wohl sicher, dass er es ernst gemeint hat mit der Aussöhnung. Vermutlich sind Schuldgefühle und Scham ein Teil der Erklärung. Seine Familie galt als innere Widerständler gegen das NS-Regime. Gegen das System aufgestanden sind auch sie nicht. Als Mitarbeiter der Altonaer Nachrichten war auch Axel Springer Teil des Propagandaapparates. Seine Ehe mit einer jüdischen, getauften Frau wurde im Jahr 1938 geschieden, ob der Grund in seiner Untreue oder Karriereorientiertheit lag, kann nicht mit voller Gewissheit gesagt werden. Dem Konzentrationslager entging Springers Ex-Ehefrau.

Doch lupenrein ist auch Springers Engagement für die jüdische Bevölkerung nicht. Paul Karl Schmidt, ehemaliger Pressechef des NS-Außenministeriums und SS-Obersturmbannführer entwickelte zu Kriegsende noch Pläne, wie man die Deportation der Juden verharmlosen könnte. Er wurde Axel Springers persönlicher Berater. Im Verlag arbeiteten also Juden neben Nationalsozialisten.

Später betitelte Ulrike Meinhof Springer als Nazi – und sympathisierte mit Palästinensern, die dem Staat Israel sein Existenzrecht absprachen. Springer sprach sich klar gegen Antisemitismus aus – und beschäftigte hochranginge Nationalsozialisten. Nur mit den Farben Schwarz und Weiß kommt man nicht weiter.

Sicherlich ist der Springer-Verlag nicht lammfromm. Ein Verlag der Extreme, der bewusst polarisiert und provoziert. Eine einseitige Berichterstattung, wie zur Studentenbewegung, darf und muss in Frage gestellt werden. Sicherlich ist die Außenpolitik Israels kritikwürdig, doch dem Land hierüber die Existenzberechtigung abzusprechen kann keine Lösung sein. Das hat Axel Springer erkannt und eine Vorreiterrolle eingenommen – im Kampf gegen Antisemitismus.

 

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