15.12.2012: Kohle für Nazis gestern und heute – unsere Themenwoche bis zum 21. Dezember 2012: „Wirtschaft“

Themenwoche „Wirtschaft & Nazis“

Der Blick zurück

Gestern betrachtete unsere Autorin Laura G. bereits die Lufthansa und ihre Verstrickungen in Hitler´s Nazi-Regime. Wir wollen in den nächsten Tagen genauer hinschauen. Wie gehen große deutsche Wirtschaftsunternehmen mit ihrer eigenen Vergangenheit um. Besteht so etwas wie ein schlechtes Gewissen bei der Betrachtung des eigenen Unternehmens? Wie lange haben Großkonzerne wie z. B. BASF und andere Chemieriesen (im Verbund der damaligen IG Farben) ihre Geschichte und ihre intensive Teilnahme am Holocaust aufgearbeitet. Wie langen haben Institute wie die gerade in den Schlagzeilen stehende „Deutsche Bank“ gebraucht, um Entschädigungen für ihre Opfer aus der NS-Zeit zu zahlen. Wie sollen wir beispielsweise erklären, warum es für den Sparkassenverband eine einzige Ausarbeitung zur eigenen Geschichte gibt, die von zwei Professoren einer Universität stammt, statt von den Sparkassen selbst. Obwohl diese offensichtlich die Aufrüstung der Nazis im Wesentlichen mit finanzierte und heute in einem sozialen Gewand eine der größten Geldinstitute ist?

Hinterfragen ist schwierig

Im Zuge unserer Akquisitions-Gespräche für ein Sponsoring von Kampagnen oder auch um Spenden für den Verein „Laut gegen Nazis e. V.“ zu generieren, stossen wir oft nicht auf Gegenliebe. Zwar existieren Konzerne, die im Umgang mit dem Thema Rechtsextremismus oder ihrer eigenen Geschichte keine Berührungsängste haben, aber dies ist nur ein Bruchteil der deutschen Wirtschaftsunternehmen. Diese nennen wir auch gerne als unsere Partner.

Gerade diejenigen Unternehmen, die zwischen 1933 und 1945 einen großen Aufschwung erlebten und von dem System der Nazis, von Zwangsarbeit und gar dem Holocaust profitierten verschweigen und verdrängen immer noch. In unseren Gesprächen bekommen wir dies immer wieder zu spüren, obwohl längst nächste Generationen auf Geschäftsführer-/Vorstandsebene am Ruder stehen und Einzug hielten. Es scheint ein unangenehmes Thema zu sein, sich gegen rechtsextremistisches Gedankengut zu engagieren. Oft auch mit der Angst Umsatz zu verlieren. Oft hörten wir, dass wir Verständnis haben müssen, weil man bei einem Engagement im Rahmen unserer Arbeit, Umsatzeinbrüche befürchte. Man sei modern und international aufgestellt. Nun denn.

Das Geschäft mit der neuen rechtsextremistischen Szene

In den letzten fünf Jahren fiel das Handelshaus Amazon immer wieder negativ auf. Dort fand man diverse Naziwaren zum Verkauf. Alte Symbole, Naziautoren, nicht verfassungswidriges Material welches eindeutig von der rechtsextremistischen Szene favorisiert wird (Der Landser/Reichskriegsflaggen etc.). Das Unternehmen sendet bei gezielten Anfragen immer wieder die gleiche Standardantwort. Man sei ein freies Wirtschaftsunternehmen und möchte ein breites Angebot für jeden schaffen. Ah ja.

Aber nicht nur Amazon handelt mit solcherlei Dingen. Die internationalen Anbieter von Musik wie z. B. Itunes lassen eben auch Nazimusik zu. Noch kann dort das verbotene „Horst Wessels Lied“ und weiteres Nazi-Liedgut ohne Probleme heruntergeladen werden.

Eine Aufzählung von Händlern, die auch Nazis bedienen, wäre sehr aufwendig.

Neben dem Handel gibt es große und kleine Unternehmen, die auch gerne einmal den rechtsextremistischen Parteien einen kleinen oder großen Obolus zukommen lassen. Ein offenes Geheimnis ist z. B. der so sympathische Müller mit seiner Müller-Milch, der bereits Millionen an die damalige DVU gespendet haben soll. Warum sich Leute wie Dieter Bohlen oder diverse Fußballer als Werbeikonen für ein solches Unternehmen einkaufen lassen, sei dahin gestellt.

In unserer Themenwoche werden wir querbeet schauen und schreiben. Anecken werden wir sicherlich das eine oder andere Mal. Aber letztendlich finden wir verschweigen oder verdrängen schlimmer, als den Verzicht auf einen Sponsor oder Spender, der seiner Verantwortung nicht gerecht wird. J.M. für LGN

 

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