14.12.2012: Hitler im Höhenflug – Die Lufthansa v. Laura G.

Hitler im Höhenflug

Die Lufthansa – eines der erfolgreichsten Unternehmen Deutschlands und eine der größten Fluglinien der Welt. Ein Sinnbild deutscher Tugenden. Zuverlässig und sicher. Doch die weiße Weste des Unternehmens hat gewaltige braune Flecken.

1926 entstand die Deutsche Luft Hansa AG aus den konkurrierenden Unternehmen Aero Lloyd AG und Junkers Luftverkehr. Zu dieser Zeit ist durch den Versailler Vertrag der Luftverkehr noch erheblich beschränkt. Dennoch wurden bereits im ersten Jahr 50000 Passagiere abgefertigt.

Schon früh näherte sich die Luft Hansa an die aufstrebenden Nationalsozialisten an und stellte sich in den Dienst der Partei. Zum Wahlkampf im Jahr 1932 wurde Hitler gar ein eigenes Flugzeug geboten. Später wurde auch Eva Braun ein privates Flugzeug zur Verfügung gestellt. Durch die Anbiederungen gelang es dem Vorstandschef des Flugunternehmens, Erhard Milch, direkt nach der „Machtergreifung“ zum Staatssekretär im Reichsluftfahrtministerium aufzusteigen. Hier nahm er in der Hierarchie den zweiten Platz, direkt hinter seinem Fliegerkollegen aus dem ersten Weltkrieg, Hermann Göring ein. Zunächst zuständig für den zivilen Flugverkehr, übernahm er später auch Kompetenzen aus der militärischen Luftfahrt. So half er dem NS-Regime, sich systematisch auf den Krieg vorzubereiten. Seinen Vorstandsposten bei der Fluggesellschaft behielt er unterdessen. Da eine erneute Aufrüstung durch den Versailler Vertrag verboten war, wurden die Luft Hansa (ab 1933 Lufthansa) Flugzeuge zunächst für rein zivile Zwecke gebaut, waren aber darauf ausgelegt, leicht für einen Kriegseinsatz umgebaut werden zu können. So war auch die Lufthansa bereits früh Teil der deutschen Rüstungsindustrie, erst im Geheimen, dann ganz offen. 1933 begann die Lufthansa damit, alle Juden aus dem Unternehmen zu entfernen. Dem fiel auch der Leiter der technischen Entwicklung Erich Schatzki zum Opfer, einem jüdischen Ingenieur, der die ersten Jahre der Firma stark prägte. Die NSDAP Betriebsgruppen leisten ganze Arbeit. Als 1935 die Reichsluftwaffe gegründet wird, profitiert auch die Lufthansa durch den Bau von Flugzeugen und Flugplätzen. „Fliegen heißt Siegen“ wird zum Firmenslogan. Der kaufmännische Direktor, Walter Luz, zeigte sich Ende 1935 zufrieden: „Die Deutsche Lufthansa hatte große Aufgaben zu erfüllen und hat sie gern übernommen. Sie ist an ihnen gewachsen, weil sie sich stets bewusst als Dienerin von Volk und Nation betrachtete.“ Als im Jahr 1939 die Luftwaffe gegründet wird, steht die Lufthansa an vorderster Front, verdient sie doch an der Aufrüstung Millionen. Im Krieg repariert die Lufthansa kaputte Flugzeuge und lässt sich darauf mehr ein, als jedes andere deutsche Unternehmen. Da der Transport von beschädigten Maschinen zurück nach Deutschland schwierig ist, werden Werkstätten an der Front errichtet. Milch organisiert für sein Unternehmen im großen Stil Zwangsarbeiter, meistens aus dem Osten. Sie werden auf 10000 geschätzt. Auch vor Kinderarbeit schreckt das Unternehmen nicht zurück. Hierfür werden systematisch Orte, an dem sich häufig Heranwachsende aufhalten, durchsucht. Ganze Schulklassen müssen für das Flugunternehmen arbeiten. Über die Behandlung der Zwangsarbeiter sind natürlich keine Dokumente vorhanden. Dennoch kann man aus den Bilanzen des Unternehmens einiges ablesen. So waren die Steuerzahlungen der Lufthansa extrem niedrig, was auf Kinderarbeit und extrem niedrige Lohnkosten zurückgeführt werden kann. Die Lufthansa beutete in einem außerordentlichen Maße ihre Zwangsarbeiter aus. In Berlin Staaken, dem größten Lager für Zwangsarbeiter des Unternehmens, lebten hunderte von ihnen in ungeheizten, völlig überbelebten Baracken, sechs Menschen teilten sich täglich einen halben Liter Suppe und drei Pfund Brot. Stahlen die Arbeiter beispielsweise Lebensmittel, wurden sie häufig an den Baracken aufgehangen und verprügelt. Wer sich widersetzte, endete häufig im Konzentrationslager. Zur Abschreckung holte die Gestapo in unregelmäßigen Abständen einen Zwangsarbeiter aus nichtigen Gründen aus dem Lager. Als im Frühjahr 1945 das Gelände evakuiert und die Lager geräumt wurden, starben viele von ihnen durch die Bombenangriffe. Der Zugang zu Luftschutzbunkern blieb ihnen verwehrt.

Viele der Unterlagen wurden bei den Angriffen der Aliierten oder von Plünderern zerstört. Entscheidene Kapitel der Firmengeschichte fehlen so und können nur durch Akten in anderen Archiven nachvollzogen werden. Nach dem Krieg wird das Unternehmen liquidiert, das Firmenvermögen beschlagnahmt. Milch wird in den Nürnberger Prozessen angeklagt, sagt aus, dass die Zwangsarbeiter freiwillig für sein Unternehmen arbeiteten und mit ihrer Arbeit sehr zufrieden waren. Er wird zu lebenslanger Haft verurteilt, aber schon 1954 wieder entlassen. Während seiner Zeit im Gefängnis beriet er die sich neu formierende Lufthansa weiter. Diese baute alte Netze wieder auf, bis in hohe Ämter der Politik. Viele ehemalige Mitarbeiter sind in Ministerien, etwa dem Verteidigungs- oder Verkehrsministerium untergekommen. Der spätere Aufsichtsratchef und Präsident der Lufthansa, Dr. Kurt Weigelt gehörte als SS-Mitglied im Krieg zu den 42 meist gesuchten Industriellen. Von seiner Vergangenheit wird man auch bei der Lufthansa gewusst haben. Die beiden Hauptaktionäre, der Bund und das Land Nordrhein-Westfalen, zeigen keinen Widerstand gegen die Lufthansa-Führung.

Bereits in den 50er Jahren entfachte eine Debatte über die Entschädigung von Zwangsarbeitern. Hier verhielt sich die Lufthansa nicht schlechter als andere Unternehmen, ging aber auch nicht auf die Opfer zu. Trotzdem die Lufthansa das erste Unternehmen war, das 1999 in den Entschädigungsfonds der deutschen Wirtschaft einzahlte und formal die Kriterien zur Aufarbeitung der Geschichte der Zwangsarbeiter im Unternehmen erfüllte, richtete sie kein Wort der Entschuldigung an die ehemaligen Zwangsarbeiter. Auch kamen nur wenige von ihnen in den Genuss der dafür aber relativ großzügigen Entschädigung. Vielen fehlten die Papiere, auch aus Scham haben die Zwangsarbeiter sie vernichet. In ihren Heimatländern galten sie als Verräter, die dem Feind beim Kampf gegen das eigene Land unterstützt haben. Die Studie über die Geschichte des Kranichs unterm Hakenkreuz wird nicht offensiv vom Unternehmen veröffentlicht, ist nur im Intranet erhältlich. Es herrscht noch immer eine Kultur des Verdrängens und des Schweigens.

Die Lufthansa rechtfertigt sich mit dem Gründungsdatum des Unternehmens, 1954. Also müsse man eigentlich gar nichts für die Zwangsarbeiter tun, macht es aber dennoch – aus Gutmütigkeit. Hohn für die Opfer. Obwohl es die Lufthansa versteht, ständig darauf hinzuweisen, dass sie mit der Lufthansa vor 1945 nichts zu tun hat, beginnt auf der Firmenwebsite die Unternehmensgeschichte mit den 1920er Jahren. Über den Bezug zum Nationalsozialismus in den 1930er Jahren wird kein Wort verloren, der technische Fortschritt steht im Vordergrund. Die 1940er Jahre tragen die Überschrift „Kriegszeiten: der Kampf ums Überleben“. Im Text heißt es, die „Lufthansa wurde von der Reichsregierung per Gesetz zu Dienstleistungen, zu Transportflügen und technischem Einsatz verpflichtet“. Dass die Lufthansa aktiv den Krieg unterstützte und massenweise Zwangsarbeiter unter miserablen Bedingungen beschäftigte findet auf der Homepage keinen Platz.

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