13.12.2012: “Bobby and Johnny sitting in a tree…” – Homophobie auf dem Schulhof v. Laura G.

“Bobby and Johnny sitting in a tree…” – Homophobie auf dem Schulhof

„Schwuchtel“, „schwule Sau“, „Kampflesbe“ – diese Schimpfworte geistern noch viel zu häufig über deutsche Schulhöfe. Die Diskriminierung Schwuler und Lesben durch Jugendliche ist noch immer bedenklich hoch und befindet sich teilweise auf einem Stand von vor dreißig Jahren.

Immer wieder müssen homosexuelle Schüler/-innen sich vor einem Coming-Out fürchten. Denn oft würden sie daraufhin aus der Klassengemeinschaft ausgeschlossen, müssen manchmal sogar Angst vor Gewalt haben. Noch immer ist die Selbstmordrate bei homosexuellen Menschen höher als bei heterosexuellen, hier wird der psychische Druck besonders deutlich.

Eine Befragung aus dem Jahr 2011, die an 787 Schülern der sechsten, neunten bzw. zehnten Klasse sowie einigen Lehrern, Schulleitern und Elternvertretern an allen Berliner Schulformen durchgeführt wurde, zeigt, wie tief auch in der Hauptstadt homophobes Denken bei Jugendlichen sitzt.

Mehr als jeder vierte Schüler aus der neunten und zehnten Klasse benutzte die Wörter „Schwuchtel“ und „schwul“ schon mehrmals als Schimpfwort.

62% der Sechstklässler/-innen finden es unangenehm, in einer Gruppe von homosexuellen Jungen oder Männern zu stehen.

Auf der anderen Seite stimmen knapp 3/4 der befragten Schüler zu, dass gleichgeschlechtliche Partnerschaften der Ehe gleichgestellt werden sollten. Dieser Aussage stimmten weniger Schüler der neunten und zehnten Klasse zu, als Schüler der sechsten Klasse. Ob diese Ablehnung eine Frage des Alters ist, bleibt offen. Allerdings finden nur 57% der Neunt- und Zehntklässler, dass „Schwulsein genauso in Ordnung ist, wie Beziehungen oder Sex zwischen Männern und Frauen“. 13% finden gar, dass Schwule alles tun sollten, um Heterosexuell zu werden. Allgemein ist die Ablehnung gegenüber homosexuellen Männern größer als gegenüber homosexuellen Frauen, Schülerinnen sind zudem toleranter als ihre Mitschüler.

Auch herrscht noch immer ein großes Unwissen über Homosexualität 67% der befragten Sechstklässler glauben, dass sich Lesben und Schwule ihre Homosexualität selbst ausgesucht hätten. 52% glauben, in einer homosexuellen Beziehung würden stets Männer- und Frauenrollen verteilt. Auch denken 28% der Sechstklässler, dass man Homosexualität durch eine Psychotherapie „abschalten“ kann.

Allerdings spielt hier auch das Verhalten der Lehrer sicher eine Rolle. 44% der Lehrer zeigen bei der Diskriminierung von schwulen oder lesbischen Schülern selten oder nie, dass sie ein solches Verhalten nicht dulden. Auch stehen Klassenlehrer signifikant weniger als Schulleiter und Elternvertreter dafür ein, dass ein Outing ermöglicht wird und homosexuelle Schüler vor Diskriminierung geschützt werden. Auch sind sie häufiger dafür, dass sich homo-, bi- oder transsexuelle Lehrer und Schüler nicht outen.

Da die Studie aus Berlin kommt, wird im Hinblick auf Gesamtdeutschland die homophoben Ausprägungen vermutlich eher unterschätzt. Diese sind in ländlicheren Bereichen, patriarchalen Strukturen und einer Gesellschaft, in der traditionelle Geschlechterrollen als Ideal vorgelebt werden, besonders hoch ausgeprägt.

Problematisch beim Thema Homophobie unter Jugendlichen ist besonders, dass Jugendliche nicht immer Jugendliche bleiben. So geben sie später möglicherweise die Vorurteile an ihre Kinder weiter, tragen ihre Ablehnung in alle Gesellschaftsbereiche. Ein Teufelskreis entsteht.

Die Studie ist unter http://bildungsserver.berlin-brandenburg.de erhältlich.

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