09.12.2012: Klägliche Ansätze der Fußball Machos – Homosexualität noch lange nicht normal…

 Klägliche Ansätze der Fußball Machos – Homosexualität noch lange nicht normal… J.M. für LGN

Die Funktionäre in der männlichen Fußball Bundesliga machen es ihren homosexuellen Spielern nicht einfach. Ein Outing ist immer noch schier unmöglich. Dabei ist doch allen klar, dass es sich nicht nur um Hetero-Machos handelt, die den grünen Rasen der Stadien betreten. Auch in diesem Mannschaftssport ist eine homosexuelle Neigung von einem Anteil derer die mitspielen ganz normal und auch bekannt.

Solange die Funktionäre des größten Sportverbandes in Deutschland jedoch selber ein Problem mit ihrer männlichen Identität haben und eher in alter Tradition ihr Machotum ausleben, solange wird sich dies nicht ändern. Ein bitterer Zustand in der „Volkssportart Nr.1“. Nur wenige Vereine bzw. deren Führungen handeln, wie jüngst der kleine schwedische Siebtligist Sörskogens IF, der seine komplette 1. Mannschaft aus dem Verein schmiss, weil diese ihre Gegner homopobe beleidigt hatte. In Deutschland ist ein solcher Fall nicht bekannt.

Aber ist dies ein Wunder, wenn wir z. B. an den heute aufgrund seiner Kranheit nicht mehr aktiven langjährigen Manager von Schalke 04, Rudi Assauer denken, oder die wohl auf Männlichkeit betonten Anzugfunktionäre und durchgestylten sportlichen Leiter der Bundesliga? Diese haben und hatten stets Vorbild-Funktionen, die sie bisher nicht dafür einsetzten, dass Homosexualität in den Stadien normal wird. Ganz im Gegenteil, wir könnten hier wahrscheinlich hunderte von Zitaten der großen Fußball Prominenz veröffentlichen, die Homophobie geradezu fördern.

„Diejenigen, die sich outen, würden plattgemacht – von ihren Mitspielern und von den Leuten im Stadion. Diese Hetzjagd sollte man ihnen ersparen”, sagte er dem Kölner “Express”.  Sie sollten sich laut Assauer lieber etwas Anderes suchen.“ (Rudi Assuaer März 2010)

Uns erinnern die Repräsentanten manchmal durchaus an Männer, die eine Scheinehe mit einer Frau führen und sich des Öfteren nachts in irgendwelchen Darkrooms von Männerclubs wiederfinden, aber die in ihrem täglichen Geschäft moralische, christliche und hetero-protzige Vorgaben erfüllen wollen.

Die Fußball-Gesellschaft scheint immer noch nicht reif zu sein. Reif zu sein, andere Formen der Sexualität zu respektieren und als Normalität hinzunehmen.

In einem Gespräch mit dem ehemaligen Präsidenten des FC St. Pauli Corny Littmann (auch Partner von Laut gegen Nazis) wurde uns klar, dass diese Liga immer noch nicht bereit ist „schwule Männer“ zu akzeptieren. Corny Littmann ist selbst homosexuell und begrüßt die Gäste von Pressekonferenzen fast immer mit dem Satz „Schönen guten Tag, mein Name ist Corny Littmann, ich bin schwul…“. Genützt hat es aber bei dem wohl loyalsten Fußball Club der Liga auch nicht wirklich. Auch bei dem FC St.Pauli hat sich bisher keiner der Profis-/ und Semiprofis geoutet.

 Foto: Theo Zwanziger im Jahre 2009 bei einer Pressekonferenz zum Thema „Homophobie im Fußball“ in Hamburg

Klägliche Versuche des DFB

Der DFB hatte unter dem ehemaligen Präsidenten „Theo Zwanziger“ 2009 eine Offensive versucht. Diese sollte erwirken, dass Homosexualität im Fußball endlich normal und anerkannt wird. Davon ist die von Männern dominierte Sportart noch sehr weit entfernt. Die Angst vor Fans und den eigenen Mitspielern spielt eine große Rolle.

„Ich muss täglich den Schauspieler geben und mich selbst verleugnen“, sagte der Spieler im Interview mit dem Magazin der Bundeszentrale für politische Bildung. Aus Angst vor Bedrohung und Ablehnung wollte der Profi anonym bleiben….“

“Man versteckt sich vor sich selbst”

Markus Urban war Profi-Fußballer und berichtete am runden Tisch über seine Erfahrungen als Homosexueller. Jahrelang habe er sich versteckt und selbst etwas vorgemacht. Aus Angst vor heftigen Reaktionen seines Trainers und seiner Mannschaft habe er gar diskriminierende Witze über Schwule mitgetragen. Er brauchte viel Mut, um sich zu outen. Er berichtete über den psychischen Druck, den er während seiner aktiven Zeit immer wieder verspürte. Die Angst vor Anfeindungen und Bepöbelungen spielte stets mit.

Eines Tages nahm er seinen Mut zusammen und offerierte seinem Team nebst Trainer, dass er schwul sei. Zwar haben diese dann anständig reagiert, aber auch die gleichen dummen Fragen gestellt, wie man sie erwarte, z. B. “Hast Du uns unter der Dusche dann auch angesehen, äh!” usw. Er entgegnete dann locker. “Hey – mich interessiert auch nicht jeder Mann”. Trotz seiner glimpflichen Erfahrungen mahnte er davor, mit einer gewissen Leichtigkeit damit umzugehen. Aber stehen sollte man zu seinen sexuellen Neigungen auch im Sport!

“Frauen die Fußball spielen sind eh lesbisch – und die anderen die kein Fußball spielen kennen ja noch nicht einmal die Abseitsregel”

Tanja Walther-Ahrens (Ex-Profi-Spielerein) weiß auch einiges über die Ausgrenzung von Homosexuellen und Frauen zu berichten. Solange die Vereine nicht transportieren, dass es egal ist, ob man schwul oder lesbisch sei, könne man die Situation nicht verändern. Verbände und Vereine sind verpflichtet, Aufklärung zu betreiben. Hier fehlt es noch deutlich an Aktivitäten. Zudem berichtete sie von einem schwul-lesbischen Fußballtreffen in Holland. Dort war ein heterosexuelles Paar auf der Veranstaltung, die dann ganz verunsichert gewesen waren, da sie sich ausgegrenzt fühlten. Es geht eben auch umgekehrt.

18 schwul-lesbische Fanclubs in der Liga (Stand: 2009)

Christian Deker (Sprecher der Vereinigung der schwul-lesbischen Fan-Clubs) spricht durchaus von einer positiven Entwicklung in der Fankultur. Nur selten sei man direkten Konfontationen mit anderen Fans ausgesetzt. Es bildet sich eine größere Akzeptanz im Stadion. Lediglich im Internet wird seine Institution massiv angefeindet – am liebsten anonym und bis zur Morddrohung. Er sieht die Entwicklung in Deutschland als Vorreiterrolle für Europa. Derzeit gibt es 18 organisierte schwul-lesbische Fan-Clubs.

“Es ist egal, ob schwule, lesbische oder bisexuelle Fans im Block stehen – hier sind wir alle Fans”

Dieses Zitat sagte der Vertreters des HSV Fanclubs “Blue Pride”, Johannes Bade, der gleichzeitig auch die Schwierigkeiten der Aufklärung zum Thema Homophobie der HSV-Gemeinde schilderte. Der Verein sei konservativ. Zwar haben sehr viele Fans positiv auf das Thema reagiert, aber eben auch ein großer Teil mit verbalen Abwertungen von Homsexuellen. Der FC St. Pauli Vertreter von “Queerpass”, Dirk Brüllau, räumte ebenfalls ein, dass es bei dem loyalsten Verein der Liga auch Unverbesserliche gibt, denen eine andere Moral anerzogen wurde, wenn es um gleichgeschlechtliche Liebe geht. Zumindest aber wurde klar, dass auch bei den Fan-Clubs selbst eine ganze Menge gegen Homophobie unternommen wird.

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