29.08.2012: „Geschwänzt!“ – wenn Polit-Elite gedenkt – Der „Tagesspiegel“ veröffentlichte gestern einen hervorragenden Artikel zu den Gedenkfeiern in Lichtenhagen… Wer war neben dem Bundespräsidenten eigentlich noch vor Ort? Schulnote = 5- Gedenkkultur = 4-

 

Gedenken in Deutschland. Lichtenhagen. Eine berechtigte Frage die aus dem „Tagesspiegel“-Artikel vom 28.08.2012 hervorgeht ist wohl,“Wer war eigentlich noch da?“.

Wir konnten bei den Gedenkfeierlichkeiten in Rostock-Lichtenhagen für die Pogrome vor 20 Jahren immerhin den Bundespräsidenten Gauck ausmachen. Die Geschichte ist hinlänglich bekannt und hatte bereits in den letzten Tagen für viel Kritik gesorgt. Wo war eigentlich der Rest der überparteilichen Polit-Prominenz?

In den Nachrichten konnten wir dieses wichtige Zeichen aus Lichtenhagen in kurzen Beiträgen sehen?

Zitat aus dem Tagesspiegel:

„Wo aber waren bei der Gedenkfeier in Rostock die mit Mecklenburg verbundene Kanzlerin? Wo der Bundesinnenminister? Wo die Spitzen der SPD oder der Linken? Claudia Roth war da. Und der Ministerpräsident Mecklenburg-Vorpommerns. Im Übrigen sah es aus, als hätte die politische Elite der Republik eine historische Stunde geschwänzt – um die peinliche Pflicht an diesem Sonntag dem ohnehin aus Rostock stammenden Ex-Pastor Joachim Gauck zu überlassen. Und kein Fernsehsender, man glaubt es kaum, hat dessen Rede live übertragen.“

Nun vielleicht weilten die fehlenden wichtigen Figuren unserer Politik ja in ihren Wochenend Domizilen oder beschäftigten sich mit viel „wichtigeren“ Themen. Mal ehrlich, vielleicht ist das Fehlen dieser Prominenz ebenfalls ein Symbol für den Umgang mit dem Thema Rechtsextremismus und seinen Folgen. In der Schule hätte es für ein solches Verhalten einen Verweis gegeben. Aber wer sollte so einen Verweis erteilen? Der Bundespräsident, die Bundeskanzlerin?

Wir können nur peinlich berührt sein, wenn wir uns die Gedenkfeier in Lichtenhagen und auch andere dieser Art nachhaltig ansehen. Abgesehen von der Mutmaßung, dass zwei Personen aufgrund ihrer Hautfarbe wohl noch nicht einmal teilnehmen durften. Teilnehmen an einer Veranstaltung bei der irgendwie auch der falsche Baum gepflanzt wurde. Deutsche Eiche!!! Die deutsche Eiche gilt den Nazis als Symbol und als standhaft. Standhaft? Nun in der letzten Nacht wurde diese wohl abgesägt, nun will man schnell eine neue pflanzen. Was will man uns eigentlich suggerieren mit dieser Gedenkfeier? Sollen wir das Erlebnis der Lichterketten von 1992 nachfühlen? Deutsche Eichen, Lichterketten, schwungvolle nachdenkliche, vielleicht inhaltlich wichtige und gute Reden, nützen uns wenig, wenn diejenigen die eigentlich Verantwortung tragen solcherlei Veranstaltungen einfach fern bleiben.

Gedenkkultur in Deutschland eine Farce?

Mit der Gedenkkultur in Deutschland hatten wir es nach 1945 auch nicht gerade leicht. wie auch. Schuld zugeben? Dann doch lieber verdrängen und die die Schuld hatten, wieder in die Gesellschaft integrieren. Dies ging immerhin bis Ende der sechziger Jahre bis zu den berühmten Studentenaufständen gut. Neue Geschichte zum Thema Rechtsextremismus schreiben wir anscheinend erst seit 1990, seit dem Erfassen rechtsextremistischer Straftaten durch den Verfassungsschutz. Unangenehm wenn wir dann feststellen müssen, dass sich Geschichte im kleinen Rahmen wiederholt. Pogrome, Gewalt gegen Fremde, Todesopfer und wieder einen permanenten martialischen Auftritt von Rechtsextremisten und Nazis (Internet/Straße) mit den klassischen Folgen Rassismus, Antisemitismus, Homophonie und Menschenverachtung. Für unsere Politik scheint es schwer zu sein mit solchen Umständen umzugehen. Nur so können wir uns die zahlreichen peinlichen Auftritte von Merkel bis Adenauer über Steinmeier zu Möllemann erklären. Abgesehen von Helmut Kohl der zwar auch die deutsch-französische Freundschaft installierte, aber sonst nicht unbedingt glaubwürdig rüberkam, wenn es um die Aufarbeitung der dunklen Seite Deutschlands ging.

All das, was wir jetzt empörend aufnehmen spiegelt doch auch den Zustand der letzten Jahrzehnte wieder. Wie war das noch mit den KZ-Gedenkstätten, die erst um das Jahr 2000 aufgearbeitet und wirklich großartig installiert wurden. Bis dahin standen an Orten des Grauens nur kleine nichts sagende Dokumentationszentren (ausgenommen Sachsenhausen & einigen anderen vielleicht).

Für uns ist die Gedenkfeier in Lichtenhagen ein Symbol für Versäumnisse und das vergangene „Schönreden“. Und wenn wir an die Trauerfeier für die 10 NSU-Opfer im Bundestag denken wird uns immer noch übel. Falsche Scham? Obwohl wir den Abgeordneten aller Fraktionen die Trauer für die Opfer, aufgrund der Aktualität durchaus abnehmen, wenn da nicht die zahlreichen Opfer rechte Gewalt wären die von der Bundesregierung noch nicht einmal als solche akzeptiert werden. Steinmeier, Grüne und so viele andere spielten ein Theaterstück. Entsetzen, Trauer, Mitgefühl? All das wurde zuvor für ca. 180 Tote durch rechtsextremistische Gewalt nur spärlich gezeigt. Nein, es ist ein trauriger Blick auf das allgemeine Gedenken in unserem Lande.

Ein für uns glaubwürdiges Symbol lieferte der Ex-Bundeskanzler Willy Brandt mit seinem Kniefall unter Tränen in Warschau…

 

Schulnoten:

Gedenken in Lichtenhagen 5-

Gedenkkultur in Deutschland 4-

http://www.tagesspiegel.de/meinung/20-jahre-nach-den-ausschreitungen-deutschland-hat-in-rostock-lichtenhagen-wieder-versagt/7061626.html

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