28.08.2012: Ausgegrenzt während des Besuchs des Bundespräsidenten Gauck – zwei Vertreter des deutsch-afrikanischen Freundeskreises Daraja e. V. durften am Gedenken in Lichtenhagen nicht teilnehmen – Hauptsache „Deutsche Eiche“-Peinlich…

Die Gedenkfeiern von Rostock – Lichtenhagen sollten das Symbol gegen Fremdenfeindlichkeit werden. Der Bundespräsident Gauck wollte klar und deutlich machen, dass Rassismus, Antisemitismus und Menschenverachtung mit einer starken Demokratie bekämpft werden müssen. „Hass“ darf nicht der Grund für Gewalt sein. Ganz wie eine Predigt hielt der ehemalige Kirchenmann seine Rede vor einem offensichtlich erlesenen Kreis und ließ eine „deutsche Eiche“ als Symbol für die Stärke der Demokratie pflanzen. Vor dem Haus in dem vor 20 Jahren 120 Flüchtlinge um ihr Leben fürchteten, weil nicht nur der braune Mob sondern auch ganz „normale“ Bürgerinnen und Bürger“ den lebensgefährlichen Anschlägen auf das „Sonnenblumenhaus“ beiwohnten und applaudierten. Ein Tag an dem die Polizei machtlos erschien und dann doch eher in Richtung Antifa zugriff. Menschen die sich gegen die rassistischen Ausbrüche stellten wurden eher festgenommen und eingeknastet, als die die Leben gefährdeten.


Und heute? Bei der offiziellen Gedenkfeier an die Pogrome vor 20 Jahren nahmen offensichtlich nur erlesene Menschen im inneren Sicherheitsbereich teil. Wehe dem, der nicht in das Bild passt. Zwei Mitgliedern des deutsch-afrikanischen Freundeskreises Daraja e. V. wurde der Einlass zur Gedenkveranstaltung für die rassistischen Pogrome von vor 20 Jahren verwehrt – trotz offizieller Einladung und ohne Begründung. Die beiden Vertreter wurden gar von dem Rostocker Bürgermeister eingeladen. In dem vorliegenden Video sehen wir zwei leere Stühle mit den Namen der beiden Vertreter. Polizisten hatten ihnen den Zugang nicht gewährt.

Ein wahnsinnig glaubwürdiges Zeichen gegen Rassismus, welches wir nun wahrnehmen dürfen. Selbstverständlich werden die VIP´s der Veranstaltung diesen Vorfall nicht mitbekommen haben. Gut abgeschirmt lässt es sich auch gut gehen. Und wen interessiert es schon, was dort am Einlass geschieht. Das regeln andere. Wir empfinden diesen Fall als Skandal.

Rassismus? Ja, der alltägliche Rassismus, dem Flüchtlinge und Menschen anderer Herkunft ausgesetzt sind. Genau der Zustand, den Bundespräsident Gauck gerne weg reden wollte. Nur wenige Meter von seiner Bühne entfernt geschah also das, wogegen er anredete. Es wurden zwei Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe und Herkunft abgewiesen und ausgegrenzt. Letztendlich zeigt dieser Fall auch das ewige „Schönreden“. Ein Symbol für die Ernsthaftigkeit im Umgang der Politik mit dem Thema. Peinlich, erschütternd und traurig. Da nützen auch die großartigen Beiträge in den offiziellen Nachrichten der ARD und des ZDF nichts.

Die beiden ausgegrenzten Männer berichten in diesem Video von dem alltäglichen Rassismus, der ihnen sogar beim Einkaufen wiederfährt. Eine Schmach. Verletzend, diskriminierend und eben nicht nur peinlich. Dieser Fall spiegelt im Prinzip die Situation in Deutschland wieder. Verdrängen und nicht wirklich hinschauen.

Eine offizielle Anfrage an den Bundespräsidenten betreffend der spontanen Ausladung der Vertreter des deutsch-afrikanischen Freundeskreises Daraja e. V. dürfte wohl auf Unkenntnis stossen. Oder? Vielleicht werden wir in den nächsten Tagen wieder Entschuldigungen hören. Entschuldigungen dafür, dass hier den Beamten bestimmt nur ein kleiner Fehler unterlaufen ist. Die Traurigkeit der beiden Männen über den verwehrten Zugang zur Gedenkfeier, sieht man ihnen an. Eine vertrauensbildende Maßnahme war dies sicherlich nicht im Sinne der deutschen Demokratie.

Und noch etwas. Statt einer „deutschen Eiche“ hätte man vielleicht lieber eine Pinie pflanen sollen. Die „deutsche Eiche“ war schon immer das Symbol deutscher Machtpolitik. Die Nazis fanden dieses Gewächs auch besonders toll. Orden wie „Ritterkreuz mit Eichenlaub“ oder Hitlers Siegeskranz. Die Pflanze an sich ist schon ein falsches Symbol. J.M. für LGN

 

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