23.08.2012: „Wir haben die Schnauze voll!“ – „Wir stehen auf!“ – Verdrängen – Lamentieren – Wegsehen – Vergessen -! All das muss ein Ende haben… Die „Internationalen Wochen gegen Rassismus 2013“ in Vorbereitung – Dieser Staat und wir müssen handeln…

 

Vielleicht klingt es plump, aber: „Wir haben die Schnauze voll“. Gerade zum 20. Jahrestag der Brandanschläge in Rostock-Lichtenhagen fällt uns auf, wie lamentiert wird. Das Versagen der Politik, des Staates und der Gesellschaft hinsichtlich der rechtsextremistischen Auswüchse mit den Folgen von 182 Todesopfern und mehreren tausend Verletzten sowie einem permanenten Rassismus und Antisemitismus und einer menschenverachtenden Flüchtlingspolitik, ist nicht nur peinlich. Dieser Entwicklung muss ein Ende gesetzt werden. Gegen diese Auswüchse friedlich kämpfen und sich präsentieren, muss die Ansage für jeden sein.

Genau aus diesem Grunde setzen wir unser Konzept „Hamburg steht auf!“ im Rahmen der „Internationalen Wochen gegen Rassismus 2013“ vom 15. bis zum 24. März 2013 unter dem Motto „Wir stehen auf!“ um.

Mir wird regelmässig schlecht, wenn ich das, was ich in den letzten Jahren betrachten musste genau ansehe. Seit 12 Jahren arbeite ich nun in diesem Job und leite Kampagnen gegen Rechtsextremismus. Gemeinsam mit „Laut gegen Nazis“ unterstützen wir Initiativen, setzen Projekte um, damit sich rechtsextremistisches Gedankengut in der Gesellschaft nicht ganz so schnell verbreitet. Und auch ich bin dem permanenten Irrtum der Politik und Medien ausgeliefert, die mir suggerieren wollen, dass wir womöglich ein gar nicht so großes Problem haben. Seit mehr als zwanzig Jahren ist dies die Politik die mich begleitet. In dem Jahr 1992 starben Menschen, wurden 120 Flüchtlinge fast Opfer eines Brandanschlages in Rostock Lichtenhagen, wo Normalos auf der Straße Beifall klatschten und die Medien von Hetzjagden berichteten. Ein Jahr in dem Nazis auf den Straßen in Deutschland Oberwasser hatten, mit ihrer ganzen Brutalität. Ein Jahr in dem die Reaktion war: „Wir bauen menschliche Lichterketten“ und Politik das so genannte Asylrecht verschärfte. Ganz vorn, der spätere CSU Finanzminister Waigl.

Und genau dies wiederholte sich in Deutschland immer wieder und so oft in den letzten zwanzig Jahren, dass 83 Internetseiten mit Kurzmeldungen auf dem Portal Mut-gegen-rechte-gewalt.de mit der Chronik von rechtsextremistischen Straftaten bis zum heutigen Tage gar nicht ausreichen.

Das Versagen von Behörden und Politik ist nicht nur unsäglich, es ist eine Farce und eine Respektlosigkeit gegenüber der Opfer und der Hilfesuchenden. Das können wir als Bevölkerung dieses Landes mit seiner gesamten historischen Schuld nicht mehr hinnehmen. Wir können keine offiziellen Entschuldigungen mehr hören. Rücktritte nützen da auch nichts.

Wir könnten so viele Schlagzeilen der letzten zwanzig Jahre hier veröffentlichen, um zu zeigen in welchem Zustand dieses Deutschland sich wirklich befindet. Ein Land in dem 10 Jahre lang große Naziaufmärsche in Dresden, in Pforzheim und sonst wo unbehelligt stattfinden konnten. Ein Land in denen es Regionen gibt, wo sich Jugendliche abends nicht mehr Straße trauen, weil Rechtsextremisten Plätze vereinnahmen. Ein Land in dem 10 Menschen von einem braunen Mob unter Beifall von ca. 100 Menschen in einer Stadt namens Mügeln durch die Straßen gejagt wurden. Ein Land in dem in Fußballstadien rechtsextreme Parteien wie die NPD Menschen gewinnen wollen. Ein Land in dem Vereine und Freiwillige Feuerwehren von Rechtsextremisten geführt werden. Ein Land in dem „Fremder“ „Ausländer heißt. Ein Land in dem verharmlost wird und bis zum Fall der NSU das Thema Rechtsextremismus (bis auf einige Einzelfälle) gar nicht populär werden sollte, weil Politik und Gesellschaft dies womöglich nicht wollten. Die Politik die bei Trauerfeiern für die NSU-Opfer mit gesenktem Kopf im Parlament stand und von nichts gewusst hatte.

Es ist ein trauriger Blick, den ich auf das Gesamte werfe. All der Alltagsrassismus der salonfähig geworden ist, Rechtspopulisten wie Thilo Sarrazin, die ihre Zustimmung in Teilen der Gesellschaft erhalten. All das, was uns hier jeden Tag per e-mail und per Telefon berichtet wird, treibt mir Sorgenfalten in das Gesicht. Aber motiviert mich und meine Kolleginnen und Kollegen erst Recht zum Handeln.

Und genau diese Motivation ist es, die uns dazu bewegt zum bundesweiten „Aufstehen“ aufzurufen. Aufstehen für eine Welt ohne Vergessen und Verdrängen. Für eine Welt die ohne Ausgrenzung, Rassismus, Antisemitismus, Homophobie und Menschenverachtung stehen sollte.

Wir starten jetzt durch und danken dem „Interkulturellen Rat“, dass wir Partner der „Internationalen Wochen gegen Rassismus“ sind. Mehr Informationen folgen in den nächsten Tagen. J. M. für LGN

Zum Projekt „Hamburg steht auf 2012“ www.hamburgstehtauf.de

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