19.07.2012: Gedenkveranstaltungen für die Opfer des Bombenkrieges und des Nationalsozialismus 21.7. bis 05. August 2012 – Hamburg – Zentralfriedhof Ohlsdorf…Für Nazis gibt es hier keinen Platz!

 

Sehr gerne weisen wir auf eine wichtige Veranstaltungsreihe in Hamburg hin, die geschichtsrevisionistischen Bestrebungen von Rechtsextremisten
und NeoNazis entgegentritt. Das Ohlsdorfer Friedensfest 2012 auf dem Hamburger Friedhof Ohlsdorf gedenkt der Opfer des Nationalsozialismus und
des Bombenkrieges. Bis vor einigen Jahren suchten Rechtsradikale das Mahnmal für die Bombenopfer auf und verdrehten die historischen Tatsachen, indem sie die Bombardierung Hamburgs nicht in den historischen Kontext des
nationalsozialistischen Terrors stellten.

Mit dem Ohlsdorfer Friedensfest ist es gelungen, den  NeoNazis einen für
sie identitätsstiftenden Ort durch praktischen zivilgesellschaftlichen
Widerstand zu entziehen. Dafür  steht hier ein starkes Bündnis aus
Hamburg. Die offizielle Pressemitteilung und das Programm:

Gedenkveranstaltungen für die
Opfer des Bombenkrieges und des
Nationalsozialismus 21.7. bis 5.8.2012

Sammelgräber der Bombenopfer
Friedhof Ohlsdorf, Mittelallee

Vom 21. Juli bis 5. August 2012 finden zahlreiche kulturelle Veranstaltungen an den Sammelgräbern der Bombenopfer auf dem Friedhof Ohlsdorf statt, um der Opfer des Zweiten Welt krieges und des Nationalsozialismus zu gedenken. Der Hamburger Feuersturm im Juli und August 1943 hat zahlreiche Opfer unter den Hamburgerinnen und Hamburgern verursacht, viele Überlebende traumatisiert und tiefe Spuren im Stadtbild hinterlassen. Diese Katastrophe war kein Naturereignis, sondern ein Ergebnis der nationalsozialistischen Herrschaft.

Die Opfer des Bombenkrieges dürfen nicht dazu missbraucht werden, die Ursachen des Zweiten Weltkrieges um zu deuten und die Verbrechen des Nationalsozialismus zu relativieren. Neonazis haben dies in der Vergangenheit durch Kundgebungen auf dem Friedhof immer wieder versucht. Mit dem Ohlsdorfer Friedens fest treten wir auch diesen Versuchen entgegen. Die Botschaft dieses Geschichtsabschnitts lautet „Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus“ – für die heutigen und die kommenden Generationen geht es da rum, sie unmissverständlich auszusprechen.

Mit dem Ende der Generation, die Bombenkrieg und Nationalsozialismus erlebt hat, hört die Tradition der münd-lichen Überlieferung auf. Deshalb müssen neue Formen der Erinnerung gefunden werden. Die Trauer um die Opfer braucht einen Raum. Im Nachkriegsdeutschland verhinderte die Verdrängung deutscher Kriegsverbrechen, ungeklärte Schuld fragen und der Alltag im aufkommenden Wirtschaftswunder ein angemessenes Gedenken.

Wir fragen heute: Wer waren die Opfer des Bombenkrieges? Wie konnte es so weit kommen? Mitten im Krieg gab es Verfolgung und Widerstand. Welche Opfer waren hier zu beklagen? In welchem Zusammenhang stehen Nazidiktatur, Verfolgung und Krieg? Welche Nachwirkungen in die Gegenwart hinein gibt es? Wie werden traumatisierende Erfahrungen an die Folgegenerationen weitergegeben? Das Ohlsdorfer Friedensfest setzt sich in zahlreichen Teilveranstaltungen mit diesen Fragen auseinander.

Programm des Ohlsdorfer Friedensfestes 2012

Samstag, 21. Juli 2012

Auftaktveranstaltung

18.00 Uhr Begrüßung und Vorstellung des Bündnisses

18.30 Uhr Eröffnungsrede von Hans-Peter Strenge (Präsident der Synode der Nordelbischen ev.-luth. Kirche & Sprecher von „Gegen Vergessen – für Demokratie e.V.“ Regional-AG Hamburg)

19.00 Uhr Konzert der Klezmer-Gruppe „A Mekhaye“

20.00 Uhr Lesung „… und nicht zuletzt Ihre stille Courage.“
Textausschnitte aus Ulrike Hoppe (Hg.), Hilfe für Verfolgte in Hamburg 1933-1945

21.30 Uhr Kunstperformance des Internationalen Jugendcamps des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge


Sonntag, 22. Juli 2012

11.00 Uhr
Gedenken an Elsa Werner (15.2.1911 – 30.3.2012), anschließend Fahrt zu ihrem Grab

13.00 Uhr
Lesung zur Biographie der Hamburger Widerstandskämpferin Charlotte Groß, anschließend Gang zu ihrem Grab

Mittwoch, 25. Juli 2012

16.00 Uhr
„Operation Gomorrha“ – Projektion, Lesung, Zeitzeugengespräch

Samstag, 28. Juli 2012

11.00 Uhr
Führung über den Ohlsdorfer Friedhof zu den Grabstätten der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft

14.00 Uhr – 17.30 Uhr
Offener Theater-Workshop des dt.-frz. Jugendcamps „Was geht mich der Krieg von gestern an?“

18.00 Uhr
Filmveranstaltung „Im Schatten des Holocaust“ – Porträts von Kindern von Holocaust-Überlebenden und von NS-TäterInnen, Regie: Heike Mundzeck, in Anwesenheit der Regisseurin, anschl Gespräch. Ort: Bestattungsforum


Sonntag, 29. Juli 2012

10.30 Uhr
Gottesdienst mit den Kirchengemeinden der Region Mittleres Alstertal, mit Trompetenmusik

11.30 Uhr
Podiumsdiskussion „Traumatisierung durch Faschismus und Krieg – über die Generationen hinaus“, mit Dr. Rita Bake (Landeszentrale für politische Bildung Hamburg), Ursula Suhling (Autorin), Anne-Ev Ustorf (Autorin)

14.00 Uhr
Fahrradrundfahrt „Deserteure und ihre Biographien“

Mittwoch, 1. August 2012

15.00 Uhr
Begegnungscafé ehemals Verfolgter: Musik, Gedichte, Kaffee und Kuchen, Gespräche…

Samstag, 04. August 2012

14.00 Uhr
Vorstellung der Dokumentation von Ursel Hochmuth und Ulla Suhling: „Ehrenfeld der Geschwister-Scholl-Stiftung für Verfolgte der NS-Herrschaft auf dem Ohlsdorfer Friedhof“, danach Gang zum Ehrenfeld

16.00 Uhr
Lesung „…da war wirklich eine Hölle“, Texte von KZ-Häftlingen und Zwangsarbeitern aus Neuengamme nach dem „Hamburger Feuersturm“

18.00 Uhr
Filmveranstaltung „Einfach Esther“, Regie: Richard Haufe-Ahmels, in Anwesenheit des Regisseurs, anschließendes Gespräch. Ort: Bestattungsforum

Sonntag, 05. August 2012

11.00 Uhr
Lesung: „Biographien – Frauen im Widerstand: Friedel Merz und Paula Mielke-Sens“. Gastbeitrag von ver.di, Arbeitskreis Anti-Rassismus

12.30 Uhr
Gedenken an die „Valvo-Frauen“, Gang zur Grabstätte

14.30 Uhr
Zwei Dokumentationen: „Nazi-Aufmarsch und Gegenaktionen vom 2. Juni“ (Gastbeitrag von Barmbeker Ini gegen Rechts) und „Wie Neo-Nazis das Gedenken vereinnahmen (wollen) – Dresden, Lübeck, Hamburg…“

Alle Veranstaltungen beginnen an den Sammelgräbern der Bombenopfer. Ausnahmen: die beiden Filme, diese werden im „Bestattungsforum“ gezeigt (hier finden Sie einen Plan…).

Bündnis Ohlsdorfer Friedensfest:
Volksbund Dt. Kriegsgräberfürsorge e.V., LV Hamburg
Hamburger Friedhöfe AöR
Psychosoziale Arbeit mit Verfolgten e.V.
Kirchengemeinden der Region Mittleres Alstertal
Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes e.V. /
Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten
Hamburger Bündnis gegen Rechts
AK Kirchliche Gedenkstättenarbeit Neuengamme
Mobiles Beratungsteam gegen Rechtsextremismus
Willi-Bredel-Gesellschaft Geschichtswerkstatt e.V.
Bramfelder Geschichtswerkstatt / Bramfelder Bündnis gegen Rechts

Als Veranstalter behalten wir uns vor, von unserem Hausrecht nach § 6 des Versammlungsgesetzes Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder sie von dieser auszuschließen.

Anfahrt
Von S-Bahnhof Ohlsdorf (Ausgang Friedhof) mit Buslinie
170 (Richtung Maisredder) von Haupteingang Friedhof
Ohlsdorf zur Haltestelle Kirschenallee.
Kontakt / V.i.S.d.P.:

Psychosoziale Arbeit mit Verfolgten e. V. 

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