29.06.2012: Kein „Sieg“, aber dafür ausreichend Rassismus und Gewalt nach dem Ausscheiden der „Deutschen Nationalmannschaft“ im Halbfinale der Europameisterschaft – Ein Bericht von der Berliner Fanmeile – „Fußballfans gegen Rechts“ waren vor Ort… & ein Überblick über weitere Übergriffe deutscher auf italienische Fans auf der Straße und im Netz…(Hinweis auf NgN im Artikel)

 

 

Foto: Fanmeile Berlin EM 2012 / ran

Der gestrige Abend sitzt der Fangemeinde des deutschen Fußballs wahrscheinlich heute noch tief in den Knochen. Kein Finale, kein Sieg für die DFB-Elf bei der Europameisterschaft 2012. Die meisten Fans werden das verlorene Spiel mit Fassung getragen haben. Allerdings gibt es den Anteil an Fans, der weit über ein nationalistisches und rassistisches Denken hinausgeht. Auf  http://netz-gegen-nazis.de finden sich in einem sehr gut recherchierten Artikel diverse rassistische und gewalttätige Übergriffe von deutschen Fans auf hier lebende italienische Fans im Social Network oder auch auf der Straße.

Bei der WM 2006 in Deutschland brannten in Hamburg italienische Restaurants (z. B. das Rokko auf St. Pauli), nachdem die Nationalmannschaft im Halbfinale gegen die italienische Nationalmannschaft ausgeschieden war. In jenem Jahr beschäftigten wir uns sehr oft, auch in Zusammenarbeit mit dem damaligen DFB-WM-Büro Hamburg mit Übergriffen von deutschen Fans auf andere Fans, die durchaus einen rassistischen Ursprung hatten. Schon damals bekamen wir Gänsehaut, wenn in Stadien der stumpfe Schlachtruf „Sieg“ brachial in unser Ohr drang. Ein Schlachtruf, der an alte Zeiten erinnert und heute noch allzu gerne von deutschen Fans gebraucht wird. Dies allerdings nur nebenbei.

In diesem Jahr schienen die deutschen Fans fast schon eine gewisse Harmonie auszustrahlen. Wenige Fälle von Rassismus und Rechtsextremismus im Zusammenhang mit dem Turnier, konnten wir vernehmen. Natürlich glauben wir daran, dass die große Mehrheit der deutschen Fans sich an dem Sport Fußball und an der Atmosphäre eines solchen internationalen Turniers erfreuten. Aber es gibt sie eben doch, die Rassisten, die Nazis und die Brutalos in der Fanszene. Im TV wurden uns unsere Fans als sportlich schmackhaft gemacht. Die braven ruhigen, traurigen oder zuvor feiernden deutschen Fans. Gestern Abend jedoch wendete sich das Blatt an einigen Orten jedoch leider schlagartig. Es ist von Bedrohungen, Hetzjagden auf italienische Fans die Rede. Auch im Social Network gab es mehr als nur kleine rassistische Ausschweifungen nach dem Spiel. Kein Wunder, könnte man jetzt sagen, war es doch der großartige Stürmer Mario Balotelli, 21 Jahre alt und schwarz, der dem deutschen Team die Suppe durch seine zwei wahnsinnig schönen Tore mächtig versalzte. Benzin in das Feuer für deutsche Rassisten-Fußballfans, die Bilder bei Facebook veröffentlichten, mit Sprechblasen die Affengeräusche suggerieren. Wunderbar auch in dem oben verlinkten Artikel unserer Partner von „Netz gegen Nazis“ zu sehen.

Aber eben auch auf den Fanmeilen und auf den Straßen kam es bundesweit zu reichlich Provokationen deutscher Fans gegenüber italienischen Fans. Das von uns empfohlene Facebook Profil „Fußballfans gegen Rechts“, welches wir dem DFB auch für den Julius Hirsch Preis vorschlagen, konnte sozusagen live über den Zustand der deutschen Fankultur auf der Berliner Fanmeile berichten/Zitat:

Beschämend haben wir gestern abend auf der Fanmeile in Berlin zur Kenntnis nehmen müssen,dass „leider“ nicht nur einige wenige „sogenannte Fans“ und Neo-Nazis jede Möglichkeit zu nutzen versuchen, um Krawall o.ä. auszuüben! So wurden wir selbst Augen-und Ohrenzeugen,dass man sich gezielt zusammenrottetete und sich O-Ton „Opfer“ heraussuchte, um gegen diese die wildesten Beschimpfungen und körperliche Gewalt auszuüben. Besonders schwerwiegend in einem Falle war, dass der Freundin eines italienschen Fans ausser den Beschimpfungen auch noch eine volle Flasche an den Kopf geworfen wurde.Nur dem besonnenen Eingreifen einiger „normaler“ Fans und des Ordnungsdienstes war es zu verdanken, dass nicht noch mehr passierte und die Situation eskalierte.
Müssen WIR uns schämen Fussball-Fans zu sein? WIR sind viel mehr normale FANS und dürfen uns nicht von einigen wenigen „Idioten“ alles kaputt machen lassen!!!
Das hat alles nichts mehr mit Fussball….Fan sein zu tun! Wir selbst, mit unseren (internationalen) Frauen anwesend haben daraufhin schlagartig diese Veranstaltung verlassen, um unsere Frauen zu schützen,da diese es mit der Angst zutun bekamen!
Fussball soll Freude bereiten – und die bessere Manschaft gewinnt eben, aber dass was nicht nur gestern abend auf der Fanmeile abging, sondern auch Woche für Woche – egal wo – egal an welchem Ort/Stadion der Welt – das geht GAR NICHT!
„Wir wollen KEINE Angst haben müssen – WIR WOLLEN FREUDE!
„Fußball verbindet -Rechtsaußen bleibt draußen!“
WIR bleiben in Bewegung und stoppen Nazis – das geht aber NUR GEMEINSAM mit Euch und Eurer Unterstützung!
Deshalb unterstützt weiterhin unsere INITIATIVE!
FUSSBALL-FANS GEGEN RECHTS setzen ein Zeichen für Weltoffenheit, Toleranz und Fairplay. In unserer Gesellschaft ist kein Platz für rechtsextremes und rassistisches Gedankengut.
Macht eure Augen auf – seht nicht weg!
Bitte lasst uns nicht im Stich – es ist wichtiger denn je unsere INITIATIVE zu unterstützen – nicht nur im Internet, sondern ÜBERALL – AN JEDEM Ort – EGAL WO + WANN auch IMMER!!!!
(/mb)
Dieser Artikel ist kein Pauschalurteil. Deutlich wird, dass wir und vor Allem die vielen Initiativen noch viel zu tun haben, um Rassisten und rechtsextremistisches Gedankengut erfolgreich in den Stadien und außerhalb zu verhindern. Der DFB muss seiner Verantwortung als Verband noch wesentlich mehr Augenmerk schenken und handeln. Dies ist die Pflicht eines Dachverbandes. Die Förderung weiterer Faninitiativen ist dringend notwendig.
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