03.06.2012: „Hamburg ist aufgestanden“ – Hamburg hat „Farbe bekannt“ – Ein großes Signal einer ganzen Stadt… Die Eskalationen beim Naziaufmarsch selbst gingen von Minderheiten aus…

Wochenlange Vorbereitungen waren nötig um „Hamburg bekennt Farbe“-„Hamburg steht auf!“ als Zeichen auf dem Hamburger Rathausmarkt zu installieren. Viele prominente Persönlichkeiten, hunderte Initiativen und Institutionen, wie auch die Bürgerschaft und der Erste Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg luden in das Herz der Stadt, um dem in der Gesellschaft durchaus wieder verbreiteten Rechtsextremismus eine klare Absage zu erteilen. Der Erste Bürgermeister der Stadt, Olaf Scholz hielt eine emotionale Rede vor über 10.000 Bürgerinnen und Bürgern, die an diesem Tag als die Nazis in Wandsbek marschierten zeigten: „Diese Stadt ist weltoffen“. Scholz wies auf die nationalsozialistische Geschichte hin und sprach mahnende sowie kämpferische Worte in Richtung Nazis. Eine vorgefasste Rede hatte er nicht mit auf die Bühne genommen.

Zudem sendete er einen Gruß an alle die sich den Nazis in den Weg stellen. Bereits um 10.30 Uhr füllte sich der Rathausmarkt mit Menschen. Etwa 30 Initiativen bauten Informationsstände in die vorgesehenen Zelte. Die anwesenden Bürgerinnen und Bürger waren hungrig nach Informationen. Unser Stand hatte ab der Mittagszeit Probleme genügend Material zu vergeben.

Das Programm nahm seinen Lauf. Die Rednerinnen und Redner, darunter viele Persönlichkeiten verschiedenster Institutionen sowie Zeitzeugen des Holocaust wie Esther Bajarano (die einzige Überlebende des Mädchenorchesters von Auschwitz) und die Autorin Peggy Parnass stellten klar, dass wir die Vergangenheit Deutschlands nicht vergessen dürfen.

Aber auch musikalisch war das Programm vielfältig. Nicht nur populäre Künstler wie „Kris“ (Revolverheld) oder „Mo Trip“ unterhielten die 10.000 anwesenden. Ein Kulturprogramm von afrikanischen Trommeln sowie türkischen Frauenchören zeigte die Vielfalt unserer Welt und an diesem Tagen vor allem Hamburgs.

Wir möchten uns vor Allem auch bei der Firma U Need GmbH bedanken-die uns die Bühne und den Ton sponserten. Da wir nicht mit so einem großen Andrang rechneten, reichte die Tonanlage auch wetterbedingt nicht immer aus. Diesen Umstand bitten wir zu entschuldigen. Trotzdem war diese Veranstaltung ein großer Erfolg und wir gehen von einem kleinen Manko aus, der nicht geschadet hat.

Um Punkt 12.00 Uhr setzten die Menschen auf dem Rathausmarkt ein symbolisches Zeichen und hielten bunte Postkarten als Symbol für unsere Vielfalt in die Luft. Bunte Luftballons wurden in den Himmel geschickt. Tosender Beifall sollte wohl auch zeigen, dass wir zu unserer Demokratie und vor Allem zu unserer Freiheit stehen. Das Lied welches die Aktion begleitete, konnte durchaus als Aufforderung an die Nazis in Wandsbek verstanden werden:“These Boots are made for Walking“- Also: „Nazis! Haut ab!!!“

Foto: Friedliche Sitzblockade in Hamburg Wandsbek

Während der Veranstaltung auf dem Rathausmarkt erreichten uns minütlich Meldungen aus Hamburg Wandsbek, wo sich ca. 500 bis 700 Nazis versammelten. Auch dort war der Protest erfolgreich. Wären nicht die üblichen Eskalationen zwischen der Polizei und gewaltbereiten Gegendemonstranten und vor Allem auch mit den Nazis nicht passiert, so hätten wir in den Medien wahrscheinlich vernommen: „Hamburg stellt und setzt sich erfolgreich gegen den Naziaufmarsch unter dem Motto „Tag der deutschen Zukunft!“ am 02. Juni 2012.

Aber sei es drum. Einige Desorientierte stachelten schon einmal eine Nacht vorher an, indem sie 12 Polizeifahrzeuge abfackelten-eine völlig unsinnige Aktion die mit dem Aufmarsch nichts zu tun haben sollte. Gerne wird seitens einiger Medien dann das Klischee der „militanten Linken“ heraus geholt. Wir sagen, dies sind nicht unbedingt Politisierte, die so etwas fabrizieren, sondern einfach Menschen die Bock auf Krawall haben. Aber auch die Polizei sollte ihre Reihen einmal prüfen. Aus Wandsbek erreichten uns Meldungen und Bilder von Polizeibeamten, die Sitzblockaden auch durch massive Schläge, Pfefferspray und brutales Vorgehen auflösten. In diesen Sitzblockaden saßen allerdings mit Sicherheit nicht diejenigen, die Autos abfackeln und Polizeiketten angreifen.

„Selbstverständlich ist es für uns nicht nachvollziehbar, dass eine Minderheit der Blockierer Autos abfackelt, Angriffe auf Polizisten startet und aggressiv agiert, aber der größte Teil der Blockierer war friedlich und hat sich mit Sitzblockaden den Nazis entgegen gestellt. Dies ist lediglich ziviler Ungehorsam. Unverständlich ist auch, dass ein Teil der Polizeibeamten die gestern in Wandsbek zugegen waren aggressiv und teilweise brutal auf Demonstranten losgegangen ist. Die Bilder dieser Minderheiten zerstören für manch einen das wirklich gelungene Bild eines großen Zusammenschlusses der Zivilgesellschaft, der den Nazis für Hamburg eine klare Absage erteilte. Gewalt verabscheuen wir aus allen Richtungen…“

 

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