27.09.2011: Rechtsstaatliche Offensive? Markus Schreibers Zaun bleibt…-wenn Rechtspopulismus Schule macht – ein Artikel von Ines H. für LGN – Eine Brücke und ein Bezirksamtsleiter!

Ein Bezirksamtsleiter steht zu seinen Taten! Markus Schreiber lässt sich auch von den in den letzten Tagen immer heftiger werdenden Protesten gegen seinen 2,80 Meter hohen Zaun unter der Kersten-Miles-Brücke an der Helgoländer Allee auf St. Pauli nicht beirren. Der längst über Hamburgs Mitte berühmt gewordene „Obdachlosenschreck“ (Subjekt und Objekt) bleibt. Kritische Plakate und mahnende Blumenkränze von Demonstranten wurden von offizieller Seite entfernt.
Zwar weiß Schreiber, dass sein Zaun „…nicht gerade für gute PR sorgt, weil er politisch nicht korrekt ist“, wie er heute in einem Interview mit Welt Online einräumte. Aber schließlich geht es dem Kopf des Bezirksamts Mitte darum, das Obdachlosenproblem in den Griff zu kriegen.
Und dafür werden keine Kosten gescheut. Zunächst zeigte Schreiber noch so etwas wie Geschmack, indem er 100.000 Euro Steuergelder in einen plätschernden Bach und pittoreske Felssteine unter der historischen Brücke investierte. Dieses vom Pastorensohn erschaffene Fleckchen Natur sollte aber nicht primär Augen und Ohren von Touristen aus aller Welt erfreuen, sondern Obdachlose davon abhalten, unter der Brücke zu nächtigen. Pustekuchen! Punks und andere un- oder freiwillig unter freiem HImmel lebende Menschen ließen sich von Schreibers Postkartenidylle für Touris nicht abschrecken und verteilten ihre Schlafsäcke einfach drum herum. Also musste Schreiber mit 18.000 Euro nochmal aufstocken und ließ einen eisernen Vorhang errichten.
Man muss nicht lange in eigenen Gehirnwindungen kramen: Solche Amtshandlungen erinnern gänsehauterzeugend an den ehemaligen Hamburger Innensenator und Rechtspopulisten Ronald Schill, der immer wieder tönte, „Bettler und Penner aus der Innenstadt verjagen“ zu wollen.
Warum aber beharrt Schreiber trotz massiver Kritik von allen Seiten – auch aus den eigenen politischen Reihen – auf seinem eisernen Bauwerk? Warum hat er es sich scheinbar auf die Fahne geschrieben, sozial Schwächere auszugrenzen, indem er zum Beispiel ganz Hamburg zum Sperrgebiet für Prostituierte machen und
St. Georgs Straßenhuren in ein Gewerbegebiet zwangsumsiedeln wollte? Indem er kompromissloses Vorgehen gegen Punker, Alkoholiker und Bauwagenbewohner fordert und auch am Hauptbahnhof „Säuberungen“ veranlasst?
Der 51-jährige ist Populist. Einer, der im Namen anderer, die lieber anonym bleiben, agiert und spricht: „…ich bin mir sicher: Wenn man die Interessen der Menschen, die sich gestört fühlen, nicht ernst nimmt, findet das Sicherheitsbedürfnis andere Bahnen. Undemokratische Politiker könnten profitieren“ (Interview/Welt Online).
Daher weht also der Wind! Schreiber möchte nur rechts denkende Hamburger Bürgerinnen und Bürger auffangen, bevor sie ins „echte“ rechte Lager abwandern. Ines H. für LGN

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