18.05.2011: „Wie wollt´ Ihr Euch erinnern?“ – „Erinnern heißt Leben“ – Schülerinnen und Schüler planen nach 71 Jahren eine KZ-Gedenkstätte – Hamburg Du schöne Stadt – Vom Jugendknast bis zur Geschichtsaufarbeitung!!

 

 

 

 

 

(Foto: Der Hannoversche Bahnhof in Hamburg-Deportationsort von 7692 norddeutschen Juden und Sinti & Roma)

„Am Morgen des 16. Mai 1940 wurden in einer Polizeiaktion 910 Juden, Sinti und Roma in der Region Norddeutschland abgeholt und in den sogenannten Fruchtschuppen C gesperrt, unweit des ehemaligen Hannoverschen Bahnhofs am Lohseplatz. Unter unmenschlichen Bedingungen mussten die Personen dort vier Tage ausharren, bis der erste Transport am 20. Mai zu den Konzentrationslagern aufbrach. Bis Kriegsende wurden von hier aus mindestens 7692 Juden, Sinti und Roma deportiert.“ (Quelle:Hamburger Abendblatt)

71 Jahre nach den ersten Deportationen werden bundesweit erstmalig Schülerinnen, Schüler und Jugendliche bei dem Aufbau einer KZ-Gedenkstätte involviert. Der Landesjugendring Hamburg wandte sich mit dieser Idee bereits 2008 an die Kulturbehörde. Jetzt kann es gestartet werden.

Besser später als nie? Wir fragen uns nur, warum dieser Antrag drei Jahre bis zur Genehmigung benötigte und warum keine der offiziellen Stellen, wie beispielsweise der Senat oder die zuständige Behörde in den letzten 66 Jahren darauf gekommen sind, ein solches Vorhaben anzustreben.

Schön ist, dass die Jugendlichen nach so viel Jahren die Initaitive ergreifen. Aber grundsätzlich ist dieses Projekt auch ein Zeichen für die mangelnde Geschichtsaufarbeitung in Deutschland der letzten Jahrzehnte. Klar, Hauptsache es passiert endlich etwas.

 

(Foto: Abriss des Jugendknastes Neuengamme)

Vor zehn Jahren etwa hatte man bundesweit wenigstens angefangen die Gedenkstätten an Orten des Grauens aufzuarbeiten. Das war schon spät, allerdings hat Hamburg eh eine unrühmliche Geschichte, wenn es um die Nazi-Vergangenheit geht. Immerhin wurde erst 2006 der Jugendknast auf dem Gelände des KZ-Neuengamme entfernt. Seitdem ist das dortige Dokumentationszentrum endlich durch beherzte Historiker aufgearbeitet worden.

60 Jahre lang wurden zuvor, straffälige Jugendliche an einem Ort untergebracht, an dem die Nazis Menschen ermordeten oder sie zu Tode arbeiten ließen. Die offizielle  Stadt Hamburg hat es nie wirklich geschafft, den Opfern des Nationalsozialismus angemessen zu gedenken und den Ereignissen von damals gerecht zu werden. Ganz im Gegenteil am Stephansplatz steht immer noch ein Denkmal als Nazi-Wallfahrtsort.

Vielmehr ist es vielen Initiativen zu verdanken, dass wir die Geschichte nicht komplett vergessen. Die Legung von Stolpersteinen beispielsweise. wer heute durch die Isestraße in Hamburg Eppendorf geht und auf den Asphalt sieht, der dürfte das Ausmaß des Holocaust für diese Stadt sofort erkennen. Vor jedem Hauseingang wurden sechs bis acht Stolpersteine zum Gedenken der dort verhafteten jüdischen Bürgerinnen und Bürger installiert. Zwar mit Genehmigung der Stadt, aber diese hat selbst ja sonst andere Probleme.

 

(Foto: Kriegerdenkmal zu Ehren der gefallenen Soldaten am Stephansplatz – Hamburg)

An diesem Denkmal sollen noch heute Nazis heimlich Ehrenwachen abhalten. Dieses Objekt steht unbehelligt seit Jahrzehnten dort. Zwar gab es Forderungen für ein Entfernen. Jedoch bisher ohne Erfolg. Hamburger Stadtpolitik? Die Hamburger gelten als loyal und weltoffen. Allein durch den Hafen. Sehen wir uns jedoch die Bilder aus der Zeit von 1933 bis 1945 an, so stellen wir fest, dass auch in dieser Stadt das „Braun“ überwiegte.  Ich bin selber Hamburger.  Mit Sicht auf die Aufarbeitung der Nazi-Verbrechen, bin ich stets peinlich berührt. Dies mag daran liegen, dass ich bei einem Treffen von Silbermond mit dem Holocaust-Opfer Lucille Eichengreen dabei war und jene innerhalb von 62 Jahren nicht das Gefühl hatte, dass ihr Geburtsort Hamburg je all das aufgearbeitet hat, was sie als Opfer an Leid empfinden musste. Von Ihr stammt der Ausspruch „Erinnern heißt Leben“ Unter diesem Motto werden in Oldenburg derzeit Schülerinnen und Schüler der BBS Wechloy in Kooperation mit uns aktiv, um an die dort deportierten Juden zu erinnern.

Wir wollen uns bei den Jugendlichen dafür bedanken, dass diese sich des Themas annehmen. Der Kriegsgeneration und der danach folgenden, unterstellen wir ein Versagen! Und nicht nur das – Das Verdrängen von Schuld-als Mitläufer oder Täter! J. M. für LGN

 


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