29.03.2011: „Wir haben den Systemparteien beizubringen, dass der künftige Herr der Straße der Nationalismus ist…“ Eine Englisch-Lehrerin warb Schülerinnen und Schüler für die rechtsextreme Szene an – Ein Fall aus Schleswig Holstein!

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v. Jill B. für LGN

Neonazi-Propaganda einmal anders: nicht Mitschüler warben Karl Andresen (Name von www.taz.de geändert) für die NPD an, sondern die eigene Englischlehrerin

Wie www.taz.de berichtet, gab es jüngst einen besonders verschlagenen Fall der Anwerbung von Jungmitgliedern der rechtsextremen Szene. Die Deutsch- und Englischlehrerin Ann-Kathrin J. propagierte an einem nordfriesischen Gymnasium ihre menschenverachtende Gesinnung und versuchte so, 15-17 jährige Schüler u.a. für die NPD zu gewinnen. Sie verschickte Propaganda-SMS auf die privaten Handys ihrer Schüler, verteilte NPD-Flyer und CDs mit rechtsextremer Musik.

Karl Andresen, der damals erst 15 war, ist nur knapp einem Abrutschen in die Szene durch seine Lehrerin entkommen. Es fing ganz harmlos an. „Sie sagte, er interessiere sich doch für Politik und Geschichte und sei schon auf den richtigen Weg.“, erzählt seine Mutter Louise heute. Karl bekam SMS und Emails von einer „Josephine G.“, anscheinend das Pseydonym der Lehrerin, in denen sie für Veranstaltungen und Treffen der Rechten Szene warb. Karl fing an, Mitglieder für die NPD zu gewinnen und Mitgliedsbeiträge einzutreiben. Seine Mutter merkte zu Anfang nichts. Doch irgendwann war auf dem Hintergrund des Laptops ihres Sohnes ein Wehrmachtssoldat zu sehen, zusammen mit dem Spruch „Arier: nicht nur sauber… sondern rein.“ Da zog die Mutter die Notbremse und informierte die Schulleitung. Doch Ann-Kathrin J. bestritt alles. Inzwischen ist ein Ermittlungsverfahren gegen sie eingeleitet.
Karl und seine Mutter konnten sich aussprechen. „Ich war da erst ohnmächtig, doch dann sagte ich ihm, hier sei eine Linie, die er überschritten hätte und die ich nicht tolerieren würde. Das hat ihn geschockt“, erzählt Louise Andresen. Karl hat sich wieder gefangen. „Er ist raus.“

Doch wer ist Josephine G.? Das Pseudonym ist der Rechten Szene wohl bekannt. Die Lehrerin soll eine der Größen der NPD in Schleswig-Holstein sein. Sie gilt als eine der wichtigsten Frauen im Hintergrund. Auf der Internetseite der NPD Nordfriesland tritt sie außerdem als aggressive Redakteurin in Erscheinung, die u.a. gegen die Multikulti-Gesellschaft, Ausländer, Moscheen und Kinderschänder hetzt – „Deutsche mit Migrations-Hintergrund sind noch lange keine Deutschen!“ – und viele NPD-Größen und andere Politiker interviewte.
Viele dieser Artikel entstanden in Zusammenarbeit mit Arne Kaehne, einem Dachdecker, der für die NPD auch schon einmal zur Landtagswahl in Schleswig-Holstein angetreten ist. Gemeinsam engagieren sich die beiden auch beim „Freien Widerstand Südschleswig“, Arne Kaehne ist sogar im Impressum eingetragen. Nachdem die Beiden einige kritische Internet- Artikel zur Fusion der NPD mit der DVU veröffentlichten, die anscheinend den Rechten Funktionären ein Dorn im Auge waren, zogen sie sich aus ihrem Engagement bei der NPD Schleswig-Holstein zurück und propagieren nun auf der Webseite „Freier Widerstand Südschleswig“ die „Eroberung der Straße (…) Wir haben den Systemparteien beizubringen, dass der künftige Herr der Straße der Nationalismus ist, genauso, wie er einst der Herr des Staates sein wird!“, heißt es auf der Startseite.
In einem zweiten Statement zu der geplanten Fusion der beiden rechtsextremen Parteien ist dort als Gegenargument zu lesen: „Des Weiteren ist es schwierig für uns, mit Leuten zusammenzuarbeiten, die sich bedingungslos zum Grundgesetz bekennen.“ In anderen Artikeln wie auch unter der Rubrik „Tagebuch“ bezeichnen sich die Autoren selbst ganz offen als „nationale Sozialisten“ und sogar als „stadtbekannte Nazis“.

Es bleibt zu hoffen, dass es Ann-Kathrin J.  – auch unter dem Namen Josephine G. – nicht gelingt, mit ihrer offen radikalen Gesinnung weitere Schüler anzuwerben, die oftmals keinen Überblick über die wahre Ideologie der Rechtsextremen haben. Rechtliche Schritte werden noch überprüft. Rechtzeitige Aufklärung bleibt bis dahin jedoch das einzige wirksame Mittel.

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