25.03.2011: „Ich brannte wie eine lebende Fackel“ – Über den Spott und Hohn der Deutschen gegenüber der Opfer von Kriegsverbrechen – Da nützt es auch nichts, wenn wir 66 Jahre später Schuld eingestehen – Ein aktueller Fall – recherchiert von Spiegel.de – „Wir können gar nicht soviel fressen-wie wir kotzen möchten“

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Deutsche Männer in Uniformen waren in den Jahren des „Zweiten Weltkrieges“ auch deshalb gefürchtet, weil man nie wusste was sie anrichten. Die Geschichte der anständigen Soldaten hinkt. Nicht nur die SS war für die Kriegsverbrechen gegenüber der Zivilbevölkerung verantwortlich. Historiker recherchierten allein 30.000 Fälle von skrupellosen Morden in Polen. Von den deutschen Uniformträgern wurden gar Massacker in von ihnen besetzten Gebieten durchgeführt. Opfer wurden gedemütigt, gepeinigt, geschlagen, erschossen und gequält. Insbesondere gerade, als die Wehrmacht sich aus dem Osten zurückziehen musste, stieg die Anzahl der Verbrechen. Frauen, Kinder, Greise fielen dem offensichtlichen Hass der Deutschen zum Opfer. Da klingt es, wie blanker Hohn, wenn wir hören, dass wie gestern geschehen (Schuldeingeständnis der Ärztekammer), sich nach über sechzig Jahren Archive in Deutschland öffnen und dann Schuld eingestanden wird. Die Bundesrepublik Deutschland entschädigt nach wie vor keine Einzelopfer von Greueltaten der Nazis während des Krieges und beruft sich hierauf:

„Doch die Bundesregierung lehnt dies ab, aus Furcht vor milliardenschweren Entschädigungsforderungen in ähnlich gelagerten Fällen. Deren Zahl beläuft sich allein in Polen auf etwa 30.000. Juristisch ist die Angelegenheit äußerst kompliziert. Das Bundesverfassungsgericht entschied 2006, dass Opfer von Kriegsverbrechen keinen Anspruch auf individuelle Entschädigungsleistungen des deutschen Staates haben (2 BvR 1476/03 – Beschluss vom 15. Februar 2006).“ (Quelle: Spiegel.de)

Dieses Zitat stammt aus einem heutigen Artikel der Redaktion Spiegel.de. Ein Artikel über ein Opfer aus Polen. Winicjusz Natoniewski war fünf Jahre alt, als die Nazis in seinem Heimatdorf ein Massaker anrichteten, Häuser und Menschen anzündeten. Er überlebte die Flammenhölle, nun verlangt er Gerechtigkeit – doch die Justiz weist ihn aus Angst vor milliardenschweren Entschädigungsforderungen ab.(Spiegel.de). Da man in Deutschland nicht auf sein Anliegen reagiert, klagt er nach jahrzehntelangen Versuchen aktuell in Brüssel. Für jene Opfer, persönlich ausgeübter Gewalt von deutschen Uniformträgern, müssen die späten Schuldeingetändnisse aus Deutschland, die so seit fünf Jahren etwa immer wieder kurz gemeldet werden wie blanker Hohn klingen. Hohn auf ihre Kosten. Uns fällt wie immer Lucille Eichengreen geb. Cecille Landau ein, die einmal in einem Gespräch mit uns vermerkte. Nie, nie hat sich ein Deutscher, die Stadt Hamburg oder der deutsche Staat persönlich bei mir entschuldigt“. Lucille Eichengreen kam aus Hamburg und durchlebte das Ghetto Lodz, das KZ Auschwitz, das KZ Neuengamme und Bergen Belsen. Ihre gesamte Familie wurde ermordet. Ermordet von deutschen Händen.

Die Politik und unsere Gesellschaft hat über sechzig Jahre geschwiegen oder es zumindest versucht. Eben, weil Entschädigungszahlungen teuer wären. Wenn wir im Rahmen unserer Arbeit so oft von Nichtsahnenden und Unaufgeklärten hören, dass wir so viele Reparationszahlungen haben leisten müssen und auch noch Zahlungen an Israel leisteten und das Ganze sei womöglich frech und unnötig. Dann bekommen wir gelinde gesagt, das kalte Kotzen.

Ich selber spendete  Anfang 2000 einen kleinen Betrag in den so genannten „Entschädigungsfond für Opfer des Nationalsozialismus“, weil ich hörte, dass der damalige Bundeskanzler Schröder jenen, der schon so lange in Millionhöhe bei der „Deutschen Bank“ festgesetzt war, an die Opfer auszahlen lassen wollte. Nun, da waren es schon 55 Jahre nach Kriegsende. Mit dem Ergebnis, dass man bei den Auszahlungen leider in das Stocken geriet, da die Opfer nicht mehr auffindbar waren. Dieser „Entschädigungsfond“ galt in erster Linie den Holocaust-Opfern. Bis heute, weiß ich nicht einmal, ob das Geld noch da ist und ob der Staat noch ein paar Zinsen reinholen konnte.Beschämend.

In den letzten Wochen gaben wir Vorträge an Schulen. Die Schülerinnen und Schüler denken heute nur noch selten über die Schuld Deutschlands nach. Einerseits berechtigt, weil sie die neue Generation darstellen und mit den Verbrechen der Nazis damals nun wirklich nichts mehr gemein haben. Aber eben auch die neuen Generationen sollten nie vergsessen, was damals geschah. Denn wenn das passiert, hat rechtsextremes Gedankengut eine neue Chance. Das wollen wir hoffentlich alle nicht. Die Versäumnisse der Aufklärung durch unsere Eltern-/Großeltern-/ und Urgroßeltern Generation können uns irgendwann wieder einholen. Mit über 1.000 Opfern rechter Gewalt jährlich und einer ungeahnten Dunkelziffer allein in Deutschland, sind wir auf einem üblen Weg. Und wenn die neuen Generationen nicht mehr an das Geschehene sinnvoll und mit erhöhter Senisibilität erinnert werden, um ein Bewusstsein für Unrecht zu entwickeln, dann wird es verdammt gefährlich. J.M. für LGN

Hier nun der Artikel zum Fall Winicjusz Natoniewski auf Spigel.de:

http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,752722,00.html



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