29.10.2010: Was ist eigentlich ein Nazi – und warum sind wir dagegen und für eine Welt ohne Menschenverachtung!

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(Foto: Ein Nazi von heute!)

Derzeit erhalten wir auf unserem SchülerVZ-Profil immer wieder die Frage von Usern: „Was ist eigentlich ein Nazi“. Abgesehen davon, dass uns diese Fragen irritieren, da die Begrifflichkeit offensichtlich an so manch einer Schule nicht erklärt wird, wollen wir unsere Definition eines Nazis erläutern. Oft entsteht bei Menschen die Frage, warum sind Sie mit ihrer Kampagne gegen Nazis, wenn sie uns dann begegnen. Der Ursprung des Begriffes selbst ist wie so oft im Kontext zur Geschichte ein ganz anderer. Wikipedia schreibt hierzu: „Nazi“ war ursprünglich eine Koseform des Vornamens Ignaz, der in Bayern und Österreich häufig war. Abwertend gebraucht wurde der Begriff für eine einfältige, törichte Person[1] und für Deutsch-Österreicher und Deutsch-Böhmen.[2] . 1930 erhielt er die Bedeutung von heute (ebenfalls Wikipedia): Ab etwa 1930 wurde der Ausdruck in Analogie zu Sozi (Sozialist oder SPD-Anhänger) schärfer distanzierend für die Anhänger Adolf Hitlers gebraucht. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand auch die Wortschöpfung Entnazifizierung, womit in erster Linie die systematische Entfernung von Nationalsozialisten aus öffentlichen Ämtern gemeint war.

Das der Begriff heutzutage immer noch für die Menschenverachtung der Nationalsozialisten Hitlers steht, wird durch folgende Tatsache bekräftigt (Wikipedia): Die 21.000 Überlebenden des Konzentrationslagers Buchenwald benutzten die Kurzbezeichnung „Nazi“ bei ihrer Trauerkundgebung am 19. April 1945 zur Kennzeichnung des NS-Regimes als „Nazismus“.

Warum „Laut gegen Nazis“?

Für uns steht der aus der Geschichte Deutschlands resultierende Begriff „Nazi“ für Menschenverachtung, Rassismus, Antisemitismus, Homophobie und für die Verbrechen der Deutschen gegen die Menschheit. Die ideologische Grundlage des Nationalsozialismus führte in 12 Jahren Hitler-Regime zu 55 Millionen Toten und sechs Millionen systematisch ermordeten Juden in Europa. Selbst das „Auswärtige Amt“ musste aktuell eine Studie akzeptieren, dass auch jenes in den Jahren zwischen 1933 und 1945 an dem Holocaust aktiv beteiligt war, abgesehen von den Nazi-Diplomaten die noch jahrelang auch für die Bundesrepublik Deutschland weiter ihren Dienst verrichteten. Wir wählten den Begriff „Nazi“ für unsere Kampagne auch, weil dieser noch heute eine große Bedeutung hat. Zum Einen können wir anhand des „Auswärtigen Amtes“ und so vieler Institutionen in Deutschland feststellen, dass eben „Alt-Nazis“ auch nach dem Krieg (teilweise bis heute) in Deutschland noch aktiv waren und sind. Ein Teil unserer Kampagne ist, auf diesen Missstand, immer wieder aufmerksam zu machen. Die Täter von damals haben in den letzten Jahrzehnten (These) die Ideologie der damaligen Nationalsozialisten unter Hitler in diesem Land aufrecht erhalten. Nur so ist die Faszination junger Leute an den Bildern von damals, zu erklären.

Nurnberg27

(SS-Angehörige bei einem NSDAP Parteitag in Nürnberg)

Die neue rechtsextreme Szene und ihre Vorbilder:

Wir benennen die rechtsextreme Szene durchaus mit dem Wort „Nazis“. Die Szene hat eindeutige Vorbilder aus vergangenen Tagen und übernimmt die Symbolik von damals (heute verfassungswidrig) in abgewandelter Form. Sie uniformiert sich zwar nicht wirklich, aber in den Köpfen und in so manchen Kellern findet sich das, was die „Nazis“ von damals geprägt haben. Der Traum einer Herrenrasse und einer geregelten Ordnung ohne Widerspruch im Staat sind meist die Ursache für einen Eintritt in die Szene. Unabhängig der sozialen Herkunft. Belegt ist, dass es kein Phänomen ist wenn „Nazis“ heute verkleidet agieren. Auch Akademiker, Rechtsanwälte und gutsituierte Personen können der nationalsozialistischen Ideologie viel abgewinnen. Die Formung einer neuen deutschen Elite ist dann das Credo. Auch die Dumpfbacken-Nazis, die vor einigen Jahren noch an Bomberjacke und Springerstiefel erkannt werden konnten, haben sich geändert. Es gibt eine neue Szene, die in Markenklamotten und mit normaler Frisur herumlaufen oder soetwas wie die „Nationalen Autonomen“, die den Links-Autonomen die Kleidung stehlen. Wichtiger ist jedoch, was heutzutage in den Köpfen, gerade auch von Jugendlichen, passiert. Vorurteile, Alltagsrassismus, Homophobie, Mobbing und gar ein neuer Antisemitismus entwickelt sich in der Gesellschaft. Was ist der Grund? Nur Unzufriedenheit? Wir sagen nein! Ein Grund ist, dass genau diese menschenverachtenden Einstellungen durch eine scheinbar harmlose rechtsextreme Szene in die Zivilgesellschaft transportiert werden. Selbst die Bundesregierung, möchte, zumindest in Kommunikation nach außen, keinen Unterschied zwischen verschiedenen Extremismus-Formen mehr sehen. Dabei haben wir aufgrund der eigenen Geschichte dieses Landes, die eben von den“ Nazis“ zwölf Jahre mit geprägt wurde-eine größere Verantwortung als wir denken. Eine solche Debatte oder gar das Statement von Frei.wild in dem aktuellen Kontext unseres vorgestrigen Artikels, lenken von einem massiven Problem mit rechtsextremen Tendenzen in diesem Lande ab.

Nicht nur Bildung, sondern Aufklärung auch über die Medien betreffend der Inhalte rechtsextremer Tendenzen, verständlich für alle sind dringend notwendig. Hierzu braucht es nicht nur der Politik, sondern auch der Zivilgesellschaft und der Medien selbst. Unsere Kampagne arbeitet plakativ mit diesem Problem und wir erreichen manchmal Menschen, die sich sonst wenig damit beschäftigen. Das ehrt und freut uns zugleich. Akademisch das Thema Rechtsextremismus zu erklären, kommt nur selten bei Jugendlichen an. Die Zeiten haben sich seit dem Internet und der Nutzung von Massenmedien eben doch arg verändert. Hierfür treten wir ein, diese auch zur Aufklärung zu nutzen.

Das Wort „Nazis“ in unserem Kampagnennamen steht eigentlich für „Nazi-Gedankengut“, welches leider auf harmlos scheinenden Wegen in die Köpfe der Menschen transportiert wird. Genau dies, müssen wir verhindern und wünschen uns eine Welt voller Respekt für den Anderen-egal woher er kommt.



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