28.06.2010: Deutsche Fans unfein und rassistisch? Jerome Boateng wurde aufgrund des Fouls seines Halbbruders gegen Ballack, der dann ausfiel, rassistisch beleidigt und überhaupt…

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In der Zeit des Siegesrausches in Deutschland und der allgemeinen patriotisch anmutenden Straßenparaden und Autokorsos lesen wir nur selten über Negativerscheinungen in Zusammenhang mit der Fußball-WM in Südafrika. Der Halbbruder Kevin des deutschen Nationalspielers Jerome Boateng verletzte Michael Ballack in der englischen Liga so, dass dieser nicht bei der WM antreten konnte. Jerome Boateng erzählt nun in einem Interview mit der „ZEIT“ -zwar nur kurz aber doch deutlich- dass rassistische Anfeindungen von deutschen Fans per e-Mail auch an ihn gerichtet wurden. Das Interview wurde bereits am 21.06.2010 veröffentlicht.

Wir haben uns alle lieb in dieser Zeit, oder? Wenn wir nach gewonnen Spielen die Straßen in Deutschland betrachten, sind sich alle einig. Wir sind schon jetzt Weltmeister. Aber Achtung, im Moment steht die Deutsche Nationalmannschaft erst im Viertelfinale gegen Argentinien, und das wird schwer.

Hier bei uns steht der Sport einmal im Hintergrund. Vor dem Spiel Deutschland gegen Ghana hatten wir in der Tat darauf gehofft, dass die Deutschen gewinnen, damit sich das, was 2006 nach dem Ausscheiden der deutschen Elf gegen Italien passiert ist, nicht wiederholt. Damals hatten die hier lebenden Italiener kein leichtes Los. Fans fackelten zum Beispiel in Hamburg direkt nach dem Spiel einen Aussenbereich des italienischen Restaurants „Rocco“ ab. Es gab böse Wort-Attacken bis hin zu Blockadeaufrufen, eben nicht mehr italienisch zu speisen und so weiter und so weiter…

Solange die Deutsche Nationalmannschaft gewinnt, müssen wir solcherlei Dinge nicht befürchten. Aber was wäre gewesen, wenn Ghana Deutschland rausgeschmissen hätte? Wir wissen, dass sich auf den Fanmeilen in Deutschland auch rechtsextremes Klientel tummelt. Beispielsweise greifen diese in Aachen laut dem Internetportal „Indymedia“ regelmäßig Besucher des Public Viewing an. 

Rassismus scheint nicht nur ein Thema auf der Straße zu sein. Jerome Boateng ist das beste Beispiel: zwar wurde er „nur“ per Mail rassistisch angefeindet, aber was wäre passiert, wenn Ghana gewonnen hätte und deutsche Hooligans auf den Straßen auf Ghanaer gestoßen wären. Für uns ehrlich gesagt nicht auszudenken. Hier ein Auszug aus dem Interview mit Boateng:

„Kevin Boateng vom FC Portsmouth hatte im englischen FA-Cup-Finale gegen den FC Chelsea den deutschen Kapitän mit einem groben Foul für die WM außer Gefecht gesetzt. Die Folgen bekam offensichtlich auch Jerome zu spüren. „Dann kann es nicht sein, dass so viele Menschen im Internet Seiten gründen und rassistisch werden. Was meinen Sie, wie viele E-Mails mein Berater erhalten hat, deren Inhalt gegen mich gerichtet ist und rein nichts mit Fußball zu tun hat“, sagte Jerome Boateng, „das kann ich nicht verstehen, da werde auch ich wütend“.

http://www.zeit.de/sport-newsticker/2010/6/21/251399xml

J.M. für LGN

Foto: dfb.de

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