Deutschland: Naziaufmärsche sind schon fast Alltag – Der Erfolg in Dresden war klasse! – Aber müssen wir jetzt den Rest vergessen? – Es folgen: Zweibrücken – Gelsenkirchen – Pforzheim und und und

nazimarsch dresden-start-2 Bald Alltag in Deutschland? (Foto: sr)

Oh ja, sich beruhigen ist schon schön, aber gefährlich. Ohne Zweifel haben wir den Erfolg bzw. den demokratischen Gegenpol in Dresden am 13. Februar 2010 mit gefeiert. Das Problem ist nur, dass die rechtsextreme Szene nicht nur in Dresden jährlich aufmarschiert. Zwar war dies bis zum letzten Jahr der größte europäische Aufmarsch, aber wir dürfen die anderen kleinen Naziversammlungen nicht vergessen. Die finden jährlich fast überall, auch gerade im Westen der Republik, stets statt. Somit räumen wir auch mit dem Vorurteil auf, diese komischen Nazis seien ein ostdeutsches Problem.

Abgesehen natürlich von Gera. Dort fanden sich im Juni 2009 überraschend ca. 6.000 Rechtsextreme zu einem Festival namens „Rock für Deutschland“ ein. Bereits ab März marschieren sie wieder. Die braunen Menschenverachter, die von Teilen der Gesellschaft und Politik immer noch als dumpfbackige Randerscheinung wahr genommen werden.

Gefahr erkennen-Gefahr gebannt! So sollte man annehmen, verfahren wir hier in Deutschland mit der stets wachsenden rechtsextremen Szene. In sämtlichen deutschen Städten, die im 2. Weltkrieg bombardiert wurden (das waren nahezu alle über 10.000 Einwohner fassende), finden sich an den Jahrestagen der Bombardierungen selbst, kleine und große Gruppen von Rechtsextremen, Nazis und Altnazis zusammen. In Hamburg beispielsweise, sind es auf dem Ohlsdorfer Friedhof (mitten in der Stadt) immer so bis zu 150 Nazis. In Pforzheim marschieren jeden April um die 250 Nazis mit Fackeln durch die Stadt. In Zweibrücken schafft die rechtsextreme Szene bis zu 2.000 Teilnehmer jeweils am 13. März zu mobilisieren. In Dresden in diesem Jahr bis zu 5.000 Mitmarschierer. Aber nicht nur Jahrestage nehmen die Nazis als Anlass. Da gibt es auch den 01. Mai der in der tiefbraunen Szene beliebt ist, wie beispielsweise im letzten Jahr in Hannover, wo es einen starken demokratischen Gegenpol gab oder gar in Hamburg 2008, wo wir Gewaltexzesse und Angriffe auf Journalisten erlebten und die Stadt im Ausnahmezustand war. In Bad Nenndorf wollen die Nazis ebenfalls jährlich auf angebliche Kriegsverbrechen der Alliierten hinweisen. Dort befand sich ein Konzentrationslager in dem SS-Angehörige nach dem Krieg kurzzeitig inhaftiert waren. Und und und…

 Gedenkstätte in Pforzheim

Bei uns gibt es  keine Nazis!

Wir kennen die Antworten von Politikern, Bürgermeistern und Ortsansässigen nur zu gut. Am Beispiel Pforzheim ist dies am besten zu erklären. Kurz nachdem das dortige Jugendzentrum „Kupferdächle“ während eines Konzertes der Killerpilze von etwa fünfzehn Nazis angegriffen wurde und wir damals erfuhren, dass die rechtsextreme Szene am Jahrestag der Bombardierung Pforzheims seit Jahren bis zu 250 Nazis mobilisieren kann, um mit Fackeln zu der entsprechenden Gedenkstätte zu marschieren trafen wir zufällig einen von dort kommenden  Bundestagsabgeordneten. Dieser konnte sich all das gar nicht erklären. Diese Rechtsextremen kämen ja nicht aus der Stadt, sondern aus den weitläufigen Einzugsgebieten. Rechtsextreme in der Stadt? Nein-selbstverständlich nicht-dort gibt es ja keine. Wir sind sauber! – ist oftmals die Devise. Die gilt nicht nur bei geschichtsrevisionistischen Aufmärschen der Nazis. In Mügeln (wahrscheinlich vielerorts bereits vergessen) hatte der dortige Bürgermeister trotz der nachweisbaren Jagd von ca. 100 ausländerfeindlichen Personen auf eine Gruppe von Indern unter Beifall von vielen Zaungästen, die dort leben, nach wie vor behauptet- in Mügeln selbst gäbe es keine Probleme solcher Art und bekam dafür sogar Rückendeckung seines damaligen Ministerpräsidenten Milbradt (Sachsen).

Wir haben uns von hier aus zur Aufgabe gemacht ein Bewusstsein in unserer Gesellschaft zu schaffen. Ein Bewusstsein für die Tatsache, dass die rechtsextreme Szene einen hohen Zulauf genießt-und zwar nicht über die NPD. Dass Rassismus, Antisemitismus, Homophobie und Nazigedankengut keine Chance haben dürfen. Solange wir aber dulden müssen, dass Nazis und Rechtsextreme in Deutschland flächendeckend unbehelligt immer wieder Präsenz zeigen können, so lange haben wir von hier aus noch eine ganze Menge zu tun. Wir wollen an dieser Stelle wieder einmal an Kommunalpolitik und auch Bundespolitik appellieren. Schaut genau hin! Das, was seit Jahren passiert, dass die rechtsextreme Szene legitimiert marschieren darf und viele so tun, als sei dies ein komisches Phänomen, welches nur in gewissen Ausmaßen Ernst zu nehmen ist (siehe Dresden), kann unsere Zukunft zunehmend gefährlich beeinflussen. Demokratie und Menschenverstand sollten gegensteuern. Auch wenn das Ganze direkt vor der Haustür stattfindet und gar Tradition hat. Wir dürfen und können solcherlei Veranstaltungen von Menschenverachtern nicht dulden. J. M. für LGN

In diesem Zusammenhang empfiehlt www.laut.fm/gegennazis folgenden prägnanten Titel der „Ärzte“:

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