Justizia: Opfer rechter Gewalt musste sieben Monate in den Knast weil er sich gegen seine Angreifer wehrte – Opfer ist ein bekannter Musiker von Brothers Keepers

In Berlin trafen wir Quietstorm (Künstlername). Sein Bericht war frustrierend. 2005 wurde er in Nürnberg, der Stadt in der er geboren ist, von sechs Neonazis auf öffentlicher Straße in der Nähe des Reichsparteitaggeländes überfallen. Quietstorm trainierte 15 Jahre lang Kampfsport. Nur dieser Gegebenheit ist es zu verdanken, dass er heute noch lebt. Er wurde rassistisch und mit Naziparolen beschimpft, bevor es zur körperlichen Auseinandersetzung kam. Es gelang ihm sich seiner Angreifer zu erwehren. Durch ein Versehen traf er einen Nazi mit einer Zaunlatte am Kopf. Dieser wurde mit einem schweren Schädelhirn-Trauma später in ein Krankenhaus eingeliefert. Das gleiche Krankenhaus in das auch Quietstorm mit schweren Prellungen, sechs ausgeschlagenen Zähnen und schweren Verletzungen im Gesicht eingeliefert wurde. Das Opfer des Naziangriffs musste später vor Gericht, die Prozesse gegen die Angreifer standen bis 2008 noch aus. Quitstorm trat im Juni 2008 eine siebenmonatige Haftstrafe an.

Uns gefriert es noch in den Adern, wenn wir an die Erzählungen von Quietstorm denken. Selbst die Polizisten die damals zum Tatort kamen hatten eindeutig einen fremdenfeindlichen rechtsextremen Hintergrund bei den sechs Angreifern festgestellt, die in Nazischläger Outfits auf ihr Opfer einschlugen. Der Tathergang war also völlig offensichtlich. Aufgrund seiner Kampfsportausbildung musste sich das Opfer unverständlicherweise vor einem Nürnberger Gericht jedoch für den schwerverletzten Angreifer rechtfertigen. Absolut unfassbar erscheint uns der verhandelnde Richter, der von ihm verlangte, sich bei dem schwerverletzten Nazi zu entschuldigen. Dies lehnte das Opfer ab. Aus diesem Grunde musste es seine Haftstrafe antreten. Für uns ein Justizskandal und ein Zeichen dafür, dass rechtsextreme Straftaten bei so manch einem Gericht immer noch nicht ernst genommen werden. Urteile zu den Angreifern sind uns noch nicht bekannt.

In den nächsten Wochen werden wir über diesen Fall berichten. Das Opfer selbst kommt zu Wort und plant im Moment ein Projekt unter dem Namen „Schwarz und Deutsch“, welches wir aus vollem Herzen unterstützen werden. Mehr erfahren Sie in den nächsten Tagen hier auf diesem Blog.

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