Dresden: Die LGN-Redaktion führte ein Interview mit einem GEH-DENKEN Teilnehmer

 GEH DENKEN Bühne – Theaterplatz/Dresden

Es sind fünf Tage seid Dresden vergangen und immer noch berichten die Medien von der Demo. Doch wie war Dresden, wenn man alles Haut nah miterlebt hat. Wir haben mit einem aktiven Teilnehmer der Demo gesprochen und ihn gefragt wie er Dresden – ganz subjektiv – erlebt hat.

 

War das Wochenende in Dresden ein Erfolg oder ein Misserfolg für die Demokratie?

Warum?

 

Es wäre auf jeden Fall wünschenswert gewesen, wenn man eine einheitliche Gegenbewegung gehabt hätte. Die, vor allem auch gemeinsam mit der Stadt, ein klares Zeichen gegen Rechts setzt. Das Problem ist, dass die Rechten jetzt feiern, weil nur so wenige da waren. Es wäre einfach besser gewesen, wenn noch viel mehr Menschen gemeinsam den Rechten entgegengestanden hätten. Von daher war es schon ein Erfolg, weil viele friedliche Gegendemonstranten da waren, aber es müssten noch viel mehr sein, um von einem vollen Erfolg sprechen zu können.

 

Eine Veranstaltung gegen Rechts ist oft nur von Teilnehmern besucht, die sowieso immer auf Demos gehen und die normale Bevölkerung ist nicht anwesend. Wie hast du die Stadt Dresden und ihre Bewohner erlebt?

 

Im Nachhinein war es echt erschreckend, dass irgendwelche Passanten einfach weggeschaut haben und nichts gemacht haben. Sie haben einfach ihre Alltagsdinge erledigt, wie zum Beispiel einkaufen und sind dabei sogar teilweise durch die Nazis durchgegangen. Einfach so als wäre nichts! Es ist schlimm, dass viele einfach nur passiv zuschauen und die meisten Dresdner nicht da waren. Ich mein, wenn 100 Busse aus ganz Deutschland kommen und nur 9000 Leute (Theaterplatz) auf der Demo sind, ist der Anteil der Dresdener erschreckend gering. Das ist einfach nur schade!

 

Neben der offiziellen Demo der Rechten, gab es am Freitagabend auch einen Fackelmarsch (wir berichteten). Du hast dir diesen Marsch aus nächster Nähe angeguckt. Beschreibe deine Gefühle bei diesem Marsch?

 

Es war echt grauenhaft. Man hörte von weitem Wagner Musik – also ruhige, sehr emotionale Musik. Dann sieht man diese komplett schwarz gekleidete Meute in Blöcken, kein Wort wird gesprochen, kein Blick wandert zur Seite. Sie laufen, bleiben stehen, wie und wann sie wollen und niemand war da um sich dieser Willkür entgegenzustellen. Manche Leute standen sogar an den Fenstern und haben nur geguckt. Ohne Gefühlsregung! Es war ein extrem langer Zug und keiner der wenigen Passanten hat irgendetwas gesagt.

 

Denkst du die Stadt Dresden hat alles getan, um diesen Marsch zu verhindern? Bzw. kann man überhaupt etwas tun oder muss man deiner Meinung nach mit bloßer Ohnmacht zu sehen?

 

Allein die Tatsache, dass die autonomen Nationalisten öffentlich rumgelaufen sind, mit einem Banner, auf dem sie sich klar bekannt haben. Jeder weiß, dass sie gewaltbereit sind und nicht mit Demokratie am Hut haben. Der Trauermarsch  ist einfach nur ein Vorwand, ein Deckmantel, damit die NPD sich in einem guten Licht präsentieren kann. Die Trauer wird eindeutig missbraucht und jedem ist das bewusst. Das ist auch deswegen sehr traurig, weil die nicht involvierte Zivilbevölkerung den Marsch sogar teilweise noch gut heißt, da es sich ja „nur“ um einen Trauermarsch handelt. Das kann und darf nicht sein!

Abschließend – es waren viele Nazis in Dresden, aber auch die Gegenveranstaltung von „Geh Denken“ und „Laut gegen Nazis“ war ein Erfolg – was ist dein persönliches Fazit von Dresden und wie glaubst du geht es nun weiter?

 

Ich denke es war durchaus ein Erfolg, allein weil viel mehr Menschen als in den letzten Jahren auf der Demo waren. Es war eine bunte Veranstaltung, auf der viele Menschen mit unterschiedlichen Einstellungen gemeinsam gegen Rechts demonstriert haben und es einfach ein sensationelles Bild war, die vielen bunten, witzigen, kreativen Banner und Aktionen der Teilnehmer zu beobachten. Das war sehr positiv!  

Ich würde mir wünschen, dass nächstes Jahr noch mehr Menschen den Weg nach Dresden finden und auch die Stadt, die CDU und die FDP, gemeinsam für Demokratie und Toleranz einstehen. Es müssen einfach deutlich mehr Menschen gegen Rechts als für Rechts auf die Straße gehen. Die NPD, die autonomen Nationalisten und alle weiteren Nazis sollen merken, dass sie nicht erwünscht sind.

Das Interview mit A. S. führte für LGN M. L.

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