Besinnliche Tage durch Zwangsurlaub: 30% mehr rechtsextreme Straftaten bis zum 3. Quartal 2008 und ein Weihnachtsspaziergang durch Hamburg und Schleswig Holstein

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Nun sicherlich mag das überzogen klingen, aber die Deutschen machen zweieinhalb Wochen Zwangsurlaub. Ist ja Weihnachten und Silvester. Wir geben zu, auch wir haben uns sehr über die Lage der Feiertage 2008 gefreut und geniessen diesen Zustand ebenfalls.

Heute (So. den 27.12.2008) jedoch, konnten wir sogar in unserer allseits beliebten BAMS und diversen anderen Zeitungen die neuen noch wagen Zahlen zum Rechtsextremismus in Deutschland vernehmen. 30% mehr Straftaten und eine Steigerung im Bereich Antisemitismus, allein im ersten 3/4 Jahr 2008. Die Gewalttaten stiegen laut Bundesinnenministerium um 15%. Statistiken sind immer so eine Sache für sich. Wir wissen von den Opferberatungsstellen, dass die gewalttätigen Übergriffe durch Rechtsextreme wesentlich öfter stattfinden und die Anzahl höher liegen mag, jedoch leider nicht immer gemeldet werden. Weihnachten hin-Weihnachten her-die rechtsextreme Szene bleibt aktiv. In der letzten Woche vermeldeten unsere Partner www.mut-gegen-rechte.gewalt.de ein weiteres Todesopfer (bereits im April geschehen) durch Rechtsextreme oder Nazis. Zu dem Artikel gelangen Sie über den Link.

Och-wie schön! Welch besinnliche Zeit hält doch Einzug in diesem Land. Keine Frage, irgendwie auch toll. Zumindest für diejenigen die die Festtage ausleben können. Mir kommt es in den letzten Tagen so vor, als wäre es doch wesentlich wichtiger shoppen zu gehen. Am Samstag beispielsweise musste ich mich doch wundern. In der sogenannten schwersten Wirtschaftskrise seit den dreißiger Jahren, war die Stadt doch ganz schön voll-Kaufrausch. Das Technik-Kaufhaus Saturn platzte in Hamburg förmlich aus allen Nähten und der Einzelhandel jubelt.. Abgesehen davon, dass mein gesamter Bekanntenkreis sich sonstwo im Urlaub befindet. Von dem Wirtschaftsdesaster, zumindest in der Öffentlichkeit-bei den meisten garnichts zu spüren. Trotzdem ist dies das Thema Nr. 1 in Deutschland, wenn wir in die Medienlandschaft schauen. Ganze Titelseiten sind voll damit. Da ist dann doch nur in kleinen Spalten Platz für das, was uns im Rahmen der Kampagne bewegt. Naja, diesen Zustand kennen wir schon.

SS-Rune in einem Wartehäuschen am Nord-Ostsee Kanal

Man soll es ja nicht glauben, aber auch ich habe die Weihnachtstage dafür genutzt ein wenig abzuschalten. Jedoch auch nur mit geringem Erfolg. Am ersten Weihnachtstag machte ich einen Spaziergang am Nord-Ostsee Kanal in Schacht – Audorf bei Rendsburg. Wie schön! Doch dann musste mir doch wieder bewusst werden, warum ich im Rahmen dieser Kampagne eigentlich so viel arbeite. In einem Wartehäuschen fand ich ein schönes großes Bild einer SS-Rune, die dort offensichtlich schon länger prangert. Glücklicherweise war die Antifa schon da und hat versucht das Ding durchzustreichen (s. Foto). Allerdings mit wenig Erfolg. Ich fragte mich, wie lange diese Rune da wohl schon existiert, ohne dass die Behörden vielleicht mal auf die Idee gekommen sind mit Lauge und Schwamm dafür zu sorgen, dass dieses Relikt von Nazi-Verbrechern nicht mehr jeden auf die Kanalfähre wartenden Gast angrinst. Schacht-Audorf liegt in Schleswig Holstein, also im Westen und nicht im Osten, um gleich die Theorie „die da drüben hätten ein Problem“ zu verwerfen. Auf Anfrage bei Leuten, die dort wohnen, sagte man mir-„naja vor einigen Jahren hatten wir in Schacht-Audorf ein größeres Problem mit denen (damit sind Nazis gemeint), aber naja-das ist schon deutlich weniger geworden.“ Dies zeigt uns allerdings auch, dass sie immer noch da sind, nur eben nicht mehr so aggressiv. Zumindest kam dies in den Gesprächen so rüber. Sie sind noch da! Andere werden behaupten, dass diese Schmierereien von unverbesserlichen naiven Jugendlichen stammen. Dazu können wir nur sagen-immer schön abmildern, gell. Das nicht nur unverbesserliche Jugendliche auf solcherlei Ideen kommen, sollte spätestens nach dem Anschlag auf einen jüdischen Friedhof mit einem blutigen Schweinekopf (wir berichteten), der vor einigen Wochen stattfand, klar sein. Uns ist dies klar. Und siehe da, am 2. Weihnachtstag entdeckte ich bei meinem zweiten schönen Spaziergang eine nächste Verewigung von Nazis auf Holz  in Hamburg.

Nazi-Schmiererei in Hamburg Blankenese

Ein schöner sonniger Tag mitten im Dezember, sprich am 2. Weihnachtstag. Na, bei dem Wetter (klarer Sonnenschein) kann man doch mal schön an die Elbchaussee nach Blankenese (Elbvororte) fahren und durch den Hirschpark flanieren. So geschehen. Blankenese ist ja auch bekannt durch den prominenten Nazi-Anwalt Rieger, der dort sein Domizil in einer wunderschönen Villa direkt an der Nobelstraße als sein Besitz bezeichnen kann. Nun denn, der Hirschpark ist ein gut besuchter öffentlicher Park mit einem Gehege voller Dammwild. Herrlich, wenn die Sonne scheint. Und mitten auf dem Präsentierteller entdeckte ich doch wieder meinen Job. Da prangert doch in gross, ein Bild mit abgewandelten Hakenkreuzen und dem Schriftzug „Lurup“ (Stadtteil von Hamburg) an einem super schönen alten Baum. Niemand scheint dies in vergangener Zeit bemerkt zu haben. Zumindest scheint die Parkverwaltung keinen Anlass gesehen zu haben, das Ding schnell zu entfernen. In Lurup gab und gibt es auch heute noch eine aktive Naziszene. Diese besteht nicht nur aus desorientierten Jugendlichen.

Nuun, wir sollten merken, dass die Präsenz von Rechtsextremen in unserem Alltag vorhanden ist. Wir wünschen uns von Behörden, Verwaltern und der Stadtreinigung, dass sie diese Form von Präsenz, sprich Schnitzereien und die Nutzung von Edding für die Verewigung von Nazi-Symbolen unterbinden. Na gut, dafür müßte man lediglich Reinigungsmittel und Zeit aufbringen. Das ist natürlich ein gewisser Aufwand. Für LGN J. M.

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