Dresden: Jährlicher Nazi-Kult auf dem Heidefriedhof und am 13. Februar in der Stadt-Demokraten bisher machtlos-eine schockierende Bilanz der letzten Jahre

  Stelen/Heidefriedhof Dresden

Im Rahmen der Vorbereitungen der für den 13./14. Februar 2009 geplanten Veranstaltung „GEH-DENKEN“ besuchen wir derzeit sehr oft die Stadt Dresden. Mit jedem Besuch läuft es uns immer mehr kalt den Rücken herunter. Wir sind schockiert über den Zustand der Stadt zum Thema Rechtsextremismus und Geschichtsaufarbeitung. Vielleicht ist es kein Wunder, dass die Nazis diesen Ort als Wallfahrtsort und Stadt der Bewegung sehen, wenn die Opfer des Nationalsozialismus mit den Toten der Bombardierung Dresdens an offiziellen Gedenkstätten (Heidefriedhof) in einen Topf geschmissen werden. Das ist schamlos und entzieht sich jeder Moral. Immer mehr schockierende Geschichten rund um das Thema „Nazis“ werden an uns herangetragen. Ein Zustand, den wir nicht mehr einfach so hinnehmen können. Nachdem Dresdenerinnen und Dresdener mir von den unglaublichen, jährlichen Gegebenheiten zum 13. Februar erzählten, machte ich mir vor Ort selbst ein Bild. Mein Besuch auf dem Heidefriedhof hat mich mehr als schockiert.

Ein kalter Novembermorgen. Nachdem ich den Abend zuvor mit den Kolleginnen und Kollegen des Vorbereitungskreises für „GEH-Denken“ 2009 zusammen gesessen habe und diese mir Gruselgeschichten erzählten, wollte ich mich selbst von dem Zustand der Gedenkstätte für die Toten der Bombardierung Dresdens überzeugen und besuchte den Heidefriedhof. Ich schritt auf den schneebedeckten Wegen des Friedhofs zum offiziellen Gedenkstein für die Toten des Bombardements auf Dresden. Auf dem Weg dorthin schossen mir die Erzählungen vom Vorabend in den Kopf, die ich selber garnicht glauben konnte. Da war z. B. die alljährliche offizielle Gedenkfeier der Stadt an diesem Stein selbst, an der 60% Altnazis und Rechtsextreme teilnehmen. An jedem 13. Februar finden Kranzniederlegungen statt, bei denen die demokratischen Parteien und gar offizielle Besucher wie der amerikanische und englische Botschafter in Deutschland in die Bedeutungslosigkeit abdriften, weil die Mehrheit der Kranzniederleger aus Nazis besteht. Bisher wurde dieses Treiben offensichtlich nur hingenommen. Während dieser Prozedur versammeln sich in der Innenstadt Dresdens ca. 1.000 bis 2.000 Nazis, um einen Trauer-Fackelmarsch durch die Stadt zu begehen. Auch dieses Vorhaben ist ein regelmäßiger Akt zum 13. Februar und wurde bisher seitens der offiziellen Vertreter der Stadt hingenommen.

 

Als ich den Kranz der NPD bei meinem Spaziergang entdeckte, fiel mir die Pressemitteilung des CDU-Kreisvorsitzenden Dresdens Lars Rohwer ein, dem ich hiermit folgendes mitteilen möchte: Solange Nazis und diejenigen die die Bombardierung Dresdens mit dem Holocaust vergleichen, Kränze niederlegen, Fackelmärsche und große Naziaufmärsche organisieren, findet bei Ihnen in der Stadt kein würdevolles stilles Gedenken statt. Nur dann, wenn man die Ursache der Bombardierung versteht, nämlich den Angriffskrieg und die Verbrechen an der Menschheit durch die Nazis, die heute bei Ihnen allgegenwärtig sind, und es gelingt diese von den Gedenkfeierlichkeiten fernzuhalten, dann ist die Würde wieder hergestellt. Der jetzige Zustand ist unerträglich. Gerade für die Opfer des Nationalsozialismus.

Verbrechen der Nazis in einem Topf mit Dresden:

Um an den Gedenkstein der Dresdner Opfer zu kommen, muss man zunächst über einen runden Platz schreiten in dessen Mitte eine Fackel steht, die zum Glück nicht ewig brennt. Auf diesem Platz befinden sich zwölf Stelen (s. o.) mit folgenden Inschriften: Auschwitz, Buchenwald, Ravensbrück, Dachau, Bergen – Belsen, Sachsenhausen, Theresienstadt, Warschau, Rotterdam, Oradour, Lidice, Leningrad, Coventry und Dresden. Eine dieser Städte gehört nicht in diese Reihe. Ohne, dass wir das Leid der Bombardierung auf Dresden verharmlosen wollen, die Bombardierung Dresdens ist das Ergebnis der Kriegsverbrechen der Nazis an den Orten die hier sonst benannt sind. Also eine Reaktion auf das, was die Deutschen innerhalb von zwölf Jahren an Terror veranstaltet haben.

Abgesehen davon konnte ich keinerlei Differenzierungen an diesem Platze feststellen. Zudem ist es eine Frage der Pietät, ob sechs Millionen ermordete Juden im Rahmen des Holocaust mit den Toten der Bombardierung Dresdens im Kontext stehen sollten. Ein gefundenes Fressen für die rechtsextremen Funktionäre, die von einem Bombenholocaust in Dresden sprechen und auch schon wirken. Bei einem Rundgang über den Friedhof hatte beispielsweise ein Angestellter eine Gruppe begleitet. Als sie an dem sogenannten Gedenkort ankamen, teilte er den interessierten Besuchern mit: “ Sie befinden sich jetzt an dem Gedenkstein für die Opfer des „Bomben-Holocaust“ von Dresden.

Jedes Jahr am 13. Februar – Dresdener Synagoge wird durch Bürger der Stadt geschützt – Polizei macht nach dem Fackelmarsch der Nazis Feierabend!

Im Zuge meiner Gespräche in Dresden berichtete man mir, dass die Nazis immer schon einige Tage vor dem 13. Februar, seit Jahren Präsenz zeigen. Am Abend des 13. kommt es regelmäßig zu Versuchen seitens der Nazis, die an dem Fackelmarsch teilnehmen, die Synagoge in Dresden zu stürmen oder zumindest anzugreifen. Auch Übergriffe bei Einzelpersonen sind nach den offiziellen Veranstaltungen nicht auszuschließen. Das Bedrohungspotenzial ist vorhanden.

Seit acht Jahren etwa, gab es immer wieder Versuche seitens der Rechtsextremen, die Synagoge zu schänden. Dresdener Bürgerinnen und Bürger halten freiwillig mit sehr viel Courage Wachen ab und verteidigen das Gotteshaus, damit dies nicht passiert. Auf die Frage, wie die Polizei damit umgeht, teilte mir einer meiner Gesprächspartner mit: „Die haben nach dem Fackelmarsch der Nazis Feierabend. Im letzten Jahr konnten wir keinen Beamten vor der Synagoge sichten. Dafür aber immerwieder kleine und größere Gruppen von Nazis, die versucht haben uns zu provozieren.“

Am 13. und 14. Februar 2009 wird der Ablauf seitens der Rechtsextremen wieder genauso geplant. Am 14. Februar findet seit mehreren Jahren der große Naziaufmarsch (angemeldet als Kundgebung) mit ca. 5.000 bis 8.000 Rechtsextremen statt. Für die Veranstaltung „GEH-DENKEN“ 2009 arbeiten wir an einem Sicherheitskonzept bei dem wir die Polizei mit einbeziehen wollen. Dieses Sicherheitskonzept soll nicht nur die Synagoge schützen, sondern auch die Menschen die an unserer Veranstaltung teilnehmen und von ausserhalb anreisen und anschließend wieder mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Hause fahren, sowie die Dresdener selbst. Für LGN J.M.

Wir rufen alle Demokraten, die Stadt Dresden, die CDU Dresden, die FDP Dresden und alle Bürgerinnen und Bürger dieses Landes bundesweit dazu auf am 13. und 14. Februar 2009 mit uns gemeinsam ein Zeichen gegen Nazis, Rechtsextreme, Rassismus, Antisemitismus und die Verdrehung von Geschichte und ein deutliches Zeichen für Demokratie, Toleranz und die Würde des Menschen zu setzen.

GEH-DENKEN ist auch von Spenden abhängig. Wer nicht vor Ort sein kann, kann auch monetär helfen.

Spendenkonto:
Amadeu Antonio Stiftung
Deutsche Bank Bensheim
BLZ 50970004
Konto 030331300   Verwendungszweck: „GEH – DENKEN 2009“

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