Dresden: Die Religionsgemeinschaften der Stadt unterstützen „GEH-DENKEN“-Jetzt wird es Zeit für ein gemeinsames Handeln mit der CDU und FDP-auch wenn der CDU Kreisvorsitzende Lars Rohwer Briefe versendet

  

Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Dresden e.V. unterstützt offiziell den Aufruf zur Veranstaltung „GEH-DENKEN“ gegen den Naziwahnsinn am 13. und 14. Februar 2009 in Dresden. Während unser Bündnis viel Zustimmung erfährt, soll der CDU- Kreisvorsitzende Lars Rohwer in den letzten Tagen versucht haben, die knapp 120 Unterstützer für „GEH-DENKEN“ per Brief aufzufordern, von deren Mitwirken bei uns abzusehen. Das ist nicht gerade ein sehr demokratischer netter Zug. Dies scheint ihm nicht gelungen. Bisher sind uns alle Unterstützer erhalten geblieben und wir freuen uns umsomehr, dass auch die Kirchen unser Vorhaben unterstützen.

Wir halten das Verhalten der CDU-Spitze in Dresden für unklug. Die Unterstellung, mit unserem Aufruf, würde man linksextreme Kräfte in die Stadt locken, sollte nach dieser uns nunmehr vorliegenden Zusage der „Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit“ nochmals überholt sein. Abgesehen von all den unterschiedlichen bestehenden Unterstützern für „GEH-DENKEN“. Wir stossen nunmehr bereits den dritten Appell an die Oberbürgermeisterin Orosz, Herrn Lars Rohwer und auch die FDP Spitze Dresdens aus, sich mit dem Vorbereitungskreis (bestehend aus vielen demokratischen Kräften) in die konkrete Planung und in vernünftige Gespräche zu begeben. Auch wenn, so sprechen wir nur für „Laut gegen Nazis“, das Versenden von Briefen an Unterstützer mit der Bitte um Nichtunterstützung unserer Veranstaltung, nicht gerade vertrauensfördernd ist.

Wir sind der Ansicht, dass wir als Demokraten aus der Geschichte gelernt haben müssen. Wir sollten versuchen gemeinsam mit allen Kräften gegen solcherlei Phänomene wie den Naziaufmärschen in Dresden entgegenzuwirken, ohne die Trauer der Dresdner Angehörigen von Opfern  des 13./14. Februars 1945 zu verletzen. Aber wegschauen und eine Spaltung von Demokraten zu riskieren, ist gefährlich. Dies gilt insbesondere derzeit für das Verhalten und die Äußerungen des CDU Kreisvorsitzenden Herrn Rohwer.  J.M. f. LGN

Offizielle Mitteilung der „Gesellschaft für Christlich – Jüdische Zusammenarbeit“

„Warum wir den Aufruf „GehDenken“ zum Stoppen des rechtsextremistischen Aufmarsches am 14. 2. 2009 unterstützen:

Worum geht es darin eigentlich?
Dem Aufruf geht es nicht um eine Gedenkveranstaltung, sondern um einen wirksamen Protest gegen den nächsten geplanten Naziaufmarsch. Seitdem das neue jüdische Gemeindezentrum eröffnet wurde, erleben wir rechtsextremistische Provokationen in dessen Umkreis zu verschiedenen Anlässen, besonders aber im Zusammenhang mit dem 13. Februar. Seitdem versuchen wir, dem entgegenzutreten und die demokratische Öffentlichkeit darauf aufmerksam zu machen.

Wir beobachten das Anwachsen der Naziaufmärsche seit einigen Jahren. Wir sehen darin eine Gefahr für die Demokratie, da die Rechtsextremisten Minderheiten direkt und indirekt bedrohen.

Das Ziel unserer Arbeit ist es, den Dialog zwischen Christen und Juden zu fördern. Voraussetzung dafür ist die Wahrung der Würde aller Menschen, der Grundsatz, mit dem das Grundgesetz beginnt. Organisationen wie die NPD sehen das anders. Das ist der erste Grund, ihnen entgegenzutreten.

Mit einer politischen Aktion soll Böses verhindert werden. Wenn man die Nazis gewähren lässt, ihnen einen erfolgreichen Aufmarsch ermöglicht, werden sie weitere Sympathisanten gewinnen. Dann gelingt es ihnen, ihre „Wir-Deutsche“-Gemeinschaft weiterzubauen und zu festigen, die die einen einschließt und die andern ausschließt und zu Fremden macht. Dieses ausschließende „Wir“, dieser Gedanke der Volksgemeinschaft, steht der demokratischen Gesellschaft entgegen.

Verhindert der Aufruf Versöhnung?
Manche meinen, die Vergangenheit sei in Dresden mit dem Wiederaufbau der Frauenkirche 2005 bewältigt. Vergangenheitsbewältigung sagt nicht konkret, welche Zeit und welche Ereignisse gemeint sind, der Begriff hat aber einen gewalttätigen Beiklang: Als liege die Vergangenheit überwältigt und geknebelt im Keller der Frauenkirche. Vergangenheit hat man, um Versöhnung jedoch muss man sich immer wieder bemühen und sie vom Gegenüber erbitten. Wir können nicht mit ihr rechnen, wenn wir uns nicht für gerechte Verhältnisse einsetzen. Ohne Kenntnis der Vergangenheit kann auch das christlich-jüdische Gespräch nicht gelingen. Es geht also nicht um Bewältigung, sondern um Analyse, ums Denken.

Woran erinnern wir? Welcher Opfer gedenken wir? Welche vergessen wir? Solange beispielsweise das frühere Lager Hellerberg in Dresden keinen Denk- und Gedenkort hat, fehlt etwas im Erinnern. Gefährlich wird es, wenn erinnert werden soll, ohne zu denken.

Was ist die Erinnerungskultur, auf die viele Dresdner stolz sind?
Wenn in die Frauenkirche zur Nacht der Stille eingeladen wird, so steht das keinesfalls im Gegensatz zu aktivem Widerstand gegen rechtsextremistische Aktionen. In der Kirche hat beides seine Zeit, Stille und Besinnung einerseits, öffentliche Einmischung und Auseinandersetzung andererseits. Roger Schutz, der Begründer der Gemeinschaft von Taizé, deren Gesänge diese Nachtgebete inspirieren, beschrieb diesen Zusammenhang mit „Kampf und Kontemplation“.

Als am Abend des 8. Oktober 1989 der damalige Superintendent Christof Ziemer die Kreuzkirche zuschloss, um ins Stadtzentrum zu gehen, wo Tausende unterwegs waren, beschwerten sich Ankommende, die Kirche müsse jetzt für sie offen sein. Ziemers Antwort lautete, dass es jetzt an der Zeit sei für die Kirche und die Christen, auf der Straße zu sein, dass sie dort ihre Aufgabe hätten. An jenem Abend konnte Gewalt verhindert werden. Wir wissen, welche entscheidende Wendung er brachte. So ein Zeitpunkt ist jetzt wieder gekommen.

Im Namen des Vorstands der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Dresden e.V.
Hildegart Stellmacher, ev. Vorsitzende“

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Festival, Fußball, Musik, Politik, Spenden, Verein, YouTube abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.