Hamburg:Einkaufsparadies für Nazis-500 m Luftlinie vom Rathaus entfernt

 

Herzlichen Glückwunsch Hamburg. Nur ca. 500 m Luftlinie vom Hamburger Rathaus entfernt, eröffnete in der HSH-Nordbank Passage ein Einkaufsparadies für Nazis. Ein Passant verglich die Verkäuferinnen des Ladens mit Douglas- und anderen Boutique-Verkäuferinnen. Überhaupt ist der Laden stylisch und schick. Die rechtsextreme Szene wird modisch und während am verkaufsoffenen Sonntag ca. 200 Demonstranten jeden Nazi anhand einer neutralen blauen Einkaufstüte (super schlau) outen konnten und damit eine Menge Ärger mit der Polizei bekamen, kauften in seeliger Ruhe rechts geneigte Menschen unter dem Schutz zweier Polizeibeamter in dem Thor Steinar Laden ein. Wir selbst waren vor Ort und staunten nicht schlecht.

Damit der Verkauf der Nazis auch ruhig ablaufen kann, mußten zusätzlich Hundertschaften der Bereitschaftspolizei die Passage regelrecht abriegeln. Zum Ärger der anderen Ladenmieter. Indess zogen tausende Passanten durch das sonntägliche Shopping Paradies der Innenstadt. Spätestens jetzt, müßte der Hamburger Senat begreifen, dass auch wir ein Problem mit dem Thema Rechtsextremismus haben. Immerhin, eines dieser Probleme liegt ja nun seit vier Tagen direkt vor der Tür.

Aufgrund eines Irrtums der HSH Nordbank als Vermieter, soll der Fünfjahres-Mietvertrag mit dem Betreiber des Naziladens zustande gekommen sein. Uns wundert daran, dass doch eigentlich seitens des Vermieters immer alle Daten geprüft werden. Schufa-Einträge, Business-Pläne und betriebswirtschaftliche Abrechnungen sind doch meist die Grundlage für derlei Verträge. Nun, wir wollen einmal glauben, dass hier seitens des Vermieters geschlafen wurde und gehen hier nun nicht weiter darauf ein. Bisher konnten wir auch noch keine Reaktionen des Senats feststellen. Gerne würden wir die stellvertretende Bürgermeisterin Frau Goetsch (Grüne) nach ihrer Meinung befragen. Bisher hört man ja so garnichts. Auch unser Bürgermeister Ole von Beust scheint sich momentan nicht wirklich an der Situation zu stören.

Am gestrigen Sonntag konnten wir zumindest einmal schauen, wie das so funktioniert, wenn Nazis shoppen gehen. Während draußen vor der Passage Demonstranten von der Polizei abgehalten wurden das Gebäude zu betreten, war der Thor Steinar Laden mit ca. 10 bis 15 Kunden gefüllt. Der Ladenbetreiber verkaufte seine tollen Utensilien in kleinen blauen, neutralen Plastiktüten. Ebenso gut hätte er auch für sich darauf werben können, denn selbstverständlich konnten die Teilnehmer der Gegendemonstration diese Tüten sehr schnell identifizieren. Wir sprachen vor dem Gebäude mit Demonstranten, die uns berichteten, dass haufenweise Leute mit diesen blauen Tüten aus der Passage kommen und man versuche diese lautstark bloß zu stellen. Diese Maßnahme hatte jedoch auch zur Folge, dass die Polizei eingriff und Demonstranten in Gewahrsam nahm. Wir selbst haben in der Passage Fotos von dem Laden gemacht. Drei Fotos mußten wir auf Bitte eines Polizeibeamten und einer Nazi-Kassiererin aus Sicherheitsgründen löschen. Die Kassiererin beschwerte sich bei dem Beamten, der uns dann sogleich zu dieser Maßnahme aufforderte.

 

Wie soll das jetzt eigentlich alles so weitergehen? Eine Lösung muss her. Diese kann aber nicht sein, dass dieser Laden fünf Jahre lang weiterbetrieben wird. Wir sind gespannt. Auf jeden Fall schädigt die Situation, die anderen Einzelhändler der Einkaufspassage massiv. Gestern berichtete ein Ladeninhaber, dass er seit vier Tagen keinen Umsatz mehr machen konnte. Zudem  müssen wir uns fragen, warum ein solcher Nazi-Laden überhaupt existieren kann. Klar wird uns zumindest die Tatsache, dass die rechtsextreme Szene sich immer mehr dem gesellschaftlichen Leben anpasst. Hier gibt es Leute, die sagen, „naja lass sie doch-sollen sie doch ihr Geschäft machen-das ist doch nicht schlimm“. Oh, doch-diese Situation ist schlimm. Würden wir uns nicht ständig mit dem Thema beschäftigen und wissen, was da so über den Ladentisch geht und welche politische Richtung somit wirtschaftlich unterstützt wird, könnten wir auch dem Irrtum verfallen, dass es sich bei solchen Läden um ganz normale Klamottenläden handelt. Dem ist nicht so. Thor Steinar ist die Marke für Nazis und Rechtsextreme. Gewaltopfer berichten oft davon, dass sie sich an das Logo auf T-Shirts der Täter erinnern können. Zudem haben fast alle Fußball-Bundesliga Clubs inzwischen das Tragen von Thor Steinar im Stadion untersagt. Warum, darf so ein Laden dann überhaupt existieren?

 

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